Krankenhausgesellschaft: Infiziertes Klinik-Personal könnte weiterarbeiten

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen hält es für denkbar, dass corona-positiv getestetes Klinik-Personal weiterarbeitet. Der stellvertretende Geschäftsführer München sagte MDR AKTUELL, das Infektionsschutzgesetz lasse das in Ausnahmefällen zu. Die Mitarbeiter müssten aber symptomfrei sein. Sie könnten dann die Betreuung von Covid-19-Patienten übernehmen.

Patienten mit Corona-Infektion werden auf einer Intensivstation betreut.
Die Kliniken in Naumburg, Gera und Zeitz haben nun einen Aufnahmestopp verhängt. Bildrechte: dpa

Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, aber man habe keine andere Wahl gehabt, sagt Reiner Oberbeck. Der Leiter des Krisenstabs und ärztliche Direktor des Wald-Klinikums Gera erklärt: Ab Montag verschieben die SRH Kliniken in Naumburg, Gera und Zeitz alle planbaren Operationen, die nicht dringend notwendig sind. "Jetzt ist es so, dass sich die Lage derartig zuspitzt, dass wir uns wirklich nur noch auf die Behandlung der Covid-Patienten und derer konzentrieren können, die wirklich dringliche Indikationen haben, also nicht aufschiebbare gesundheitliche Störungen oder Notfälle."

Gelenk-OPs, Darmspiegelungen & Co. werden verschoben

Das heißt: Alle verschiebbaren OPs, wie zum Beispiel für künstliche Gelenke, Termine am Hautzentrum oder internistische Untersuchungen wie Lungen- oder Darmspiegelungen müssen aufs nächste Jahr gelegt werden. Dringend erforderliche Behandlungen, wie Operationen für Krebs- oder Herzpatienten und von Notfällen generell, werden weiterhin durchgeführt.

Die steigende Zahl an Covid-Patienten verlange mehr und mehr Ressourcen von den Kliniken, sagt Oberbeck: "Im normal-stationären Bereich ist es so, dass wir im Grunde genommen bisher zwei, aktuell drei Stationen mit Covid-Patienten belegt haben, davon ausgehend, dass wir am Ende des Wochenendes die vierte belegt haben und wir sogar davon ausgehen, dass wir im Laufe der nächsten Woche eine fünfte oder sechste Station dafür beräumen müssen.

Es fehlt nicht an Betten oder Geräten, sondern an Personal

Den Intensivbereich habe man von 28 auf 36 Betten aufgestockt. Ein Drittel sei dauerhaft mit Corona-Kranken belegt. "Das ist eine ganz schwere Arbeit in dieser Vollschutzkleidung, das ist der eine Punkt. Es ist aber auch ein Umgang mit einem Patientengut, was schwer krank ist, von denen auch viele sterben. Viele der Patienten, die wir hier aufnehmen sterben auch an oder mit dieser Erkrankung."

Da die Behandlung von Covid-19 einen erheblichen Personalaufwand bedeutet, stoßen manche Krankenhäuser an ihre Grenzen. Das Städtische Klinikum Dresden kann zum Beispiel keine neuen Corona-Patienten mehr aufnehmen. Die müssen von der zuständigen Leitstelle anders verteilt werden.

Generell liege das Hauptproblem bei Aufnahmestopps nicht an den fehlenden Betten oder Beatmungsgeräten, sondern am fehlenden Personal, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München: "Das resultiert daraus, dass viele auch selbst erkrankt sind oder sich in Quarantäne befinden. Und es kann sein, dass wir auch durch diese Kita-Schließung und Schulschließung – da müssen wir mal schauen, ob es eine Notbetreuung gibt – noch mehr Personalprobleme bekommen."

Positiv-getestete Mitarbeiter weiterarbeiten lassen?

Wegen der Personalknappheit erwägen einige Krankenhäuser wie in Oschatz oder Bautzen im Notfall auch positiv-getestete, symptomfreie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterarbeiten zu lassen. Sie könnten dann die Betreuung von Covid-19 Patienten übernehmen.

Das sei im Ausnahmefall laut Infektionsschutzgesetz zulässig, sagt Friedrich München. Denn: "Die Person hat ja selbst keine Krankheitssymptome, könnte dann arbeiten, aber man kann das nur im Einzelfall machen und nur dann, wenn man dann auch entsprechend Covid-19 Patienten behandelt."

Friedrch München warnt jedoch: Sollte sich die Situation weiter verschärfen, dann stößt das gesamte System aufgrund dieses Personalmangels an seine Grenzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Dezember 2020 | 07:05 Uhr

69 Kommentare

Matthi vor 44 Wochen

Sie haben völlig Recht die Betten Zahlen sind gestiegen wenn es nach der Statistik geht aber nicht das Personal für diese Betten. Intensivbetten nützen nichts wenn das Personal fehlt, es wäre mal interessant wieviel Stationen mit Intensivbetten leer stehen weil kein Personal verfügbar ist.

Matthi vor 44 Wochen

Es ist egal ob die eine oder andere Krankenhausgesellschaft positiv getestetes Personal einsetzen will. In meinen Augen zeigt das nur wie unser Krankensysten gerade Krankenhäuser kaputt gespart wurden. Es wurde über jahre Pflegepersonal abgebaut die Arbeitsbelastung ist für die verbliebenen immer mehr geworden und über Bezahlung brauchen wir nicht zu reden. Viele Krankenhäuser sind in der Vergangenheit Privatisiert worden und da zählt nunmal Gewinn u. Rendite.

Klarheit vor 44 Wochen

werter MDR - Ihre Belehrungen in aller Ehren, sollen sie sich in ihre vier Wände einschließen, an Einsamkeit und anderen psychosomatischen Störungen eingehen weil Merkel, Kretschmer und Co es nicht auf die Reihe bekommen haben Altersheime, Pflegeeinrichtungen etc. zu schützen , die hatten viele Monate Zeit - nichts ist geschehen !
Dieser Altersgruppe unsolidarische Gedanken anzuhängen ist schon eine Frechheit, Menschen die unter größten Entbehrungen Kindheit und Jugend verbracht haben ....

Da sie die Krankenhäuser erwähnen - während mancher da seine Angehörigen nicht mehr besuchen darf macht Hr. Kretschmer inkl. Anhang eine Show-Besuchsrunde in Auer Heliosklinik ....... sehr solidarisch und weitsichtig ......

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