Benzin wird teurer Droht der Preisschock an Tankstellen?

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Doch das Ziel droht verfehlt zu werden, wenn man beispielsweise auf Deutschlands Straßen blickt: 146 Millionen Tonnen CO2 wurden im Verkehrssektor im vergangenen Jahr in die Luft gepustet. Und das war wegen der Lockdowns schon wenig. In diesem Jahr drohen die Emissionen wieder anzusteigen. Als Folge drohen höhere Spritpreise.

Benzinpreise
Seit Monaten stöhnen Autofahrer beim Blick auf die Preissäulen an Tankstellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schon jetzt sind die Benzinpreise auf einem Rekordhoch. Und in den kommenden Monaten werden sie wohl weiter steigen. Wie stark, das sei schwer zu sagen, meint Lundquist Neubauer vom Energieportal Verivox: "Heute die Benzinpreisentwicklung für die nächsten Jahre vorauszusagen, ist ziemlich schwierig. Das hängt von vielen Faktoren ab. Wie entwickeln sich die Ölpreise, wie steht der Dollar? Was aber feststeht:

Es ist politisch gewollt, dass Benzin in den kommenden Jahren teurer wird.

Lundquist Neubauer Verivox

Denn die Bundesregierung will ihre Klimaziele erreichen – und erhöht deshalb Abgaben und Steuern, unter anderem auf Sprit. Seit Anfang des Jahres gibt es zum Beispiel einen CO2-Preis. Auf jede ausgestoßene Tonne CO2 müssen Unternehmen in diesem Jahr 25 Euro zahlen. Geld, das die Unternehmen an die Kunden weitergeben. Pro Liter Benzin sind das bis zu acht Cent.

Preisanstieg wohl "nicht drastisch"

Schon heute ist festgelegt, dass sich dieser CO2-Preis bis zum Jahr 2025 mehr als verdoppeln wird. Allein aus diesem Grund werden Autofahrer also in vier Jahren voraussichtlich nochmal rund acht Cent mehr für Sprit zahlen als heute. Das heißt umgekehrt aber auch: Wenn alle anderen globalen Bedingungen gleich bleiben, wird der Benzinpreis in den kommenden ein, zwei Jahren eher nicht drastisch steigen.

Verivox-Experte Neubauer sagt: "Um jetzt die zwei Euro Marke  zu knacken, müsste der CO2-Preis nach heutigen Stand auf 183 Euro steigen, das wäre ungefähr sieben Mal so viel. Und dann würde Benzin zwei Euro kosten. Wann das genau eintritt, kann ich nicht sagen."

Umweltexperten fordern höheren Benzinpreis

Wirtschafts- und Umweltexperten ist das zu wenig. MDR AKTUELL liegt ein sogenannter Projektionsbericht des Umweltbundesamtes vor. Dem zufolge werden im Verkehrssektor von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) allein in diesem Jahr die CO2-Einsparungsziele um 7,2 Millionen Tonnen verfehlt. Im Jahr 2025 sogar um knapp 30 Millionen Tonnen.

Um die Klimaziele zu erreichen, müssten die Benzinpreise rein theoretisch künftig um 70 Cent steigen, rechnete daher das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung vor. Ob diese Rechnung aufgeht? Daran hat wiederum das Bundesumweltministerium Zweifel. Es teilte MDR AKTUELL schriftlich mit:

"Das ist eine Aneinanderreihung von Hypothesen. Was den Projektionsbericht 2021 angeht, dieser Bericht befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung und wird anschließend veröffentlicht. Seine Aussagekraft ist allerdings sehr begrenzt. Er berücksichtigt alle bis Ende August 2020 verabschiedeten Maßnahmen."

Fakt ist wohl nur, der CO2-Preis wird in den nächsten Jahren steigen. Wie stark, das sei kaum zu vorhersehbar, sagt Energieexperte Neubauer von Verivox. Zumal sich im Wahlkampf kaum eine Partei zu Bekenntnissen hinreißen lässt. Fakt ist damit auch, dass das Benzin teurer wird. Um wie viel, so sagt Lundquist Neubauer, das sei ein Blick in die Glaskugel.

Quelle: MDR Aktuell

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. September 2021 | 06:05 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland