"Amoktat" in Berlin Auto fährt in Fußgänger – eine Tote, neun Verletzte

In Berlin hat ein Auto mehrere Menschen erfasst. Eine Person starb. Sechs Menschen wurden lebensgefährlich und drei schwer verletzt. Innensenatorin Spranger sprach von einer "Amoktat" eines "psychisch beeinträchtigten Menschen".

Rettungskräfte helfen einer verletzten Person, nachdem ein Auto in eine Menschenmenge gefahren ist.
Rettungskräfte von Feuerwehr und Polizei am Einsatzort Bildrechte: dpa

In der Nähe der Gedächtniskirche in Berlin ist ein Auto in eine Gruppe Menschen gefahren. Nach Angaben der Polizei kam eine Frau ums Leben. Innensenatorin Iris Spranger teilte mit, es handle sich um eine Lehrerin aus Hessen. Sie sei mit einer Klasse in Berlin zu Besuch gewesen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden sechs Menschen lebensgefährlich und drei weitere schwer verletzt.

Spranger bezeichnete die Todesfahrt eines 29-Jährigen als "Amoktat". "Nach neuesten Informationen stellt sich das heutige Geschehen in der Tauentzienstraße als eine Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen dar", erklärte die Innensenatorin via Twitter.

Scholz spricht von "grausamer Amoktat"

Bundeskanzler Olaf Scholz hat nach der tödlichen Autofahrt in Berlin von einer "grausamen Amoktat" gesprochen. Diese mache ihn "tief betroffen", schrieb der SPD-Politiker am Mittwochabend bei Twitter. Die Reise einer hessischen Schulklasse nach Berlin sei in einem Alptraum geendet. "Wir denken an die Angehörigen der Toten und an die Verletzten, darunter viele Kinder. Ihnen allen wünsche ich eine schnelle Genesung." Neben Scholz bekundeten auch viele weitere Politikerinnen und Politiker Trauer und Anteilnahme.

Kein "richtiges Bekennerschreiben"

Am Nachmittag hatte Spranger zudem klargestellt, dass es "ein richtiges Bekennerschreiben" nicht gebe. In dem Wagen seien neben Schriftstücken auch Plakate mit Aufschriften gefunden worden. Auf den Plakaten stünden Äußerungen zur Türkei. Die genaue Motivation des Fahrers müsse aber untersucht werden.

Eine Polizeisprecherin sagte: "Welcher Art die Äußerungen auf Schriftstücken und Plakaten sind, die im Auto gefunden wurden, prüfen wir noch." Zuvor hatten die Deutsche Presse-Agentur dpa und die Bild-Zeitung gemeldet, in dem Wagen sei ein Bekennerschreiben gefunden worden. Über den Inhalt sei nichts bekannt.

Unterdessen hat die Polizei mit Unterstützung eines Spezialeinsatzkommandos die Wohnung des Fahrers durchsucht, wie eine Polizeisprecherin der dpa bestätigte. Zuvor hatte die Bild-Zeitung über den Einsatz im Stadtteil Charlottenburg berichtet.

Keine Erkenntnisse zu politischem Motiv

Der Vorfall hatte sich am Ku'damm/Tauentzienstraße ereignet. Der mutmaßliche Fahrer des Autos war laut Polizei festgenommen worden. Bei ihm handelt es sich demnach um einen 29 Jahre alten in Berlin lebenden Deutsch-Armenier. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einem "Tatverdächtigen". Im Moment gebe es keine einschlägigen Erkenntnisse zu einer politischen Motivation. Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen soll der Verdächtige psychisch auffällig sein.

Der Täter war nach dpa-Informationen mit einem Auto unterwegs, das seiner älteren Schwester gehört. Die Polizei habe bereits Kontakt zur Schwester des Fahrers gehabt, hieß es. Der Tatverdächtige soll der Polizei bereits bekannt gewesen sein, allerdings nicht in Zusammenhang mit Extremismus.

Erinnerungen an Anschlag vom Breitscheidplatz

Im Dezember 2016 war an der Gedächtniskirche in Berlin ein islamistischer Attentäter mit einem gestohlenen Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gefahren. Damals starben zwölf Menschen, mehr als 70 wurden verletzt.

dpa, AFP (aju, ilg)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juni 2022 | 12:00 Uhr

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