Corona-Maßnahmen Pflegeschutzbund kritisiert Besucherregeln in Pflegeheimen

Allmählich kehrt wieder Normalität in unser Leben zurück. Aber nicht alle kommen in den Genuss der neuen Freiheiten. Das betrifft ausgerechnet diejenigen, die als allererstes geimpft wurden: Menschen in Pflegeheimen. Für sie gelten oft immer noch Besuchsbeschränkungen – auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Rollatoren stehen im Flur im Gemeinschaftsbereich eines Altenheims.
Bildrechte: dpa

Auf den Höhepunkten der Pandemie waren ältere Menschen in den Einrichtungen weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Kaum jemand kam rein oder raus. Davon kann zwar inzwischen keine Rede mehr sein – die Besuchsregeln sind deutlich gelockert worden. Verschwunden seien sie aber noch nicht, heißt es vom BIVA Pflegeschutzbund, der die Interessen von Pflegeheimbewohnern vertritt.

Der Beratungsdienst des Vereins erhalte auch weiterhin Anfragen zu Besuchsbeschränkungen – und zwar bundesweit, sagt die Leiterin der juristischen Abteilung, Ulrike Kempchen: "Es gibt also noch Besuchsregelungen sowie Einschränkungen und nach wie vor melden sich bei uns Menschen, die sich darüber beschweren, dass man zum Beispiel nur zwei bis dreimal die Woche die Angehörigen besuchen darf, dass die Besuche zeitlich eingeschränkt sind oder dass die Besuche nur in ganz bestimmten, festgelegten Zeitfenstern stattfinden dürfen."

In Mitteldeutschland weiterhin Einschränkungen

Positive Beispiele seien Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, wo es so gut wie keine solcher Beschränkungen mehr gebe, sagt Kempchen. In diesen Ländern ist die Impfquote in den Heimen entscheidend für die Besuchsregelungen. Sind 90 Prozent der Bewohner geimpft, fallen die Einschränkungen weg – Voraussetzung bleibt aber ein negativer Test, ein Impfnachweis oder eine überstandene Infektion.

In Mitteldeutschland spielt die Impfquote in den Corona-Verordnungen überhaupt keine Rolle – und auch sonst halten sich die Vorgaben in Grenzen. In Thüringen ist die regionale Inzidenz entscheidend. Bis zu einer Inzidenz von 100 werden keine Beschränkungen vorgeschrieben, heißt es auf Anfrage vom zuständigen Gesundheitsministerium. Danach seien nur noch zwei Besuche täglich erlaubt. In Sachsen-Anhalt sind derzeit grundsätzlich bis zu fünf Besuche pro Tag möglich. In der sächsischen Corona-Verordnung finden sich dagegen keine konkreten Vorgaben zum Besuchsrecht.

Von Heim zu Heim unterschiedlich

Hier verlagere das Land die Verantwortung auf die Heime, sagt BIVA-Juristin Kempchen: "Es ist geregelt worden, dass die Einrichtungen Besuchskonzepte zu erstellen haben. Das bedeutet also: Mein Vertragspartner, mein Dienstleister, der mich pflegt, der darf jetzt entscheiden, wie meine Sozialkontakte und Besuche aussehen – und durchaus auch meine Grundrechte in diesem Augenblick."

Auf Anfrage von MDR AKTUELL bestätigt das sächsische Sozialministerium, dass die Einrichtungen auf Basis ihrer Hygienekonzepte eigenständig über die konkrete Ausgestaltung entscheiden. Die Besuchsregeln seien aber an die regionale Infektionslage und den Stand der Impfungen anzupassen. Und das passiert offenkundig auch – etwa in den Einrichtungen der Städtischen Altenpflegeheime in Leipzig. Bedingung für Besuche sei weiterhin ein negativer Test, eine Impfung oder eine überstandene Infektion, sagt Geschäftsführer Stefan Eckner. "Ansonsten ist auch die Besuchszeit in der Einrichtung nicht mehr eingeschränkt." Besuche könnten für eine, zwei oder drei Stunden stattfinden – "auf dem Zimmer, im Garten, sonstwo". Man könne mit seinen Angehörigen auch die Einrichtung verlassen und mal ein Eis essen gehen. "Also das ist eigentlich relativ unproblematisch."

Blick in ein Zimmer, in der eine Pflegerin ist 4 min
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Und auch die Anzahl der Besucher spielt laut Eckner keine Rolle mehr. Er wisse aber von Heimen, wo auch weiterhin Besuchseinschränkungen gelten. Und gerade das ist ein wesentlicher Kritikpunkt des BIVA-Pflegeschutzbundes. Es gebe ohne Frage viele Träger, denen die Bedürfnisse der Bewohner wichtig seien und die große Freiheiten ermöglichten, sagt die Verbandsjuristin Kempchen. Durch Verordnungen wie in Sachsen sei das aber eben nicht garantiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2021 | 06:00 Uhr

6 Kommentare

Mustermann vor 18 Wochen

Hier werden wohl schon einmal die Befürchtungen der C***-kritischen Bevölkerung weiter praktiziert. Sicherlich auch im Sinne der Heime. Denn Besucher der Heimbewohner werden dort häufig (nicht immer!) als störend empfunden.

ElBuffo vor 18 Wochen

Da ist wahrscheinlich die Frage, was man bei einer durchschnittlichen Aufenthalsdauer von unter einem Jahr als Erfolg definiert. Dann wurde sicher auch niemand zwangsgeimpft. Weder die Bewohner, noch die Mitarbeiter und auch die Besucher nicht.
Wünschen kann man sich zudem sehr viel. In Gemeinschaftsunterkünften geht sowas immer schnell rum.
Ich bin allerdings auch für Öffnung. Das muss dann jeder Bewohner oder Einziehenwollende für sich entscheiden. Die Impfung reduziert die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs und die Weitergabe. Da setzt man sicher andere Maßstäbe. Und Schulschließungen als Scheinplacebosuggerat zum Schutz der multipel Voerkrankten am Ende des Lebebs traut sich derzeit auch keiner mehr.

Atheist vor 18 Wochen

Wenn es nur die Besucherreglungen wären.
Meine Schwiegermutter 86 musste sich nicht nur in die Coronaregeln der Heimleitung zu Gemüte führen, nein gleichzeitig das Gender Deutsch erlernen, obwohl Sie geistig fit ist hat sie nur die Hälfte verstanden.
Es ist eine Frechheit was man alten Leuten zumutet!

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