Pestizide Viele angeblich bienenfreundliche Pflanzen sind giftig für Bienen

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Viele Menschen wollen ihren Garten oder ihren Balkon insektenfreundlich bepflanzen, denn das Bienensterben rückt immer mehr in das öffentliche Bewusstsein. Doch viele scheinbar bienenfreundliche Pflanzen sind durch Pestizidrückstände für Insekten giftig.

Eine Biene sitzt auf Flieder (Syringa).
Viele Pflanzen sind aufgrund der verwendeten Pflanzenschutzmittel giftig für Bienen. Bildrechte: dpa

Bienenfreundliche Pflanzen sind im Trend. Das Netz ist voll mit Tipps, wie sich Garten und Balkon möglichst insektenfreundlich gestalten lassen und welche Pflanzen besonders bienenfreundlich sind.

Doch oft entpuppen sich Bienenlieblinge wie Lavendel, Hyazinthen oder Sonnenblume als trojanisches Pferd. Denn fast jede Zierpflanze aus Gartencentern, Baumärkten, von Lebensmittelhändlern oder Möbelhäusern ist mit Pestiziden belastet und damit giftig für Insekten wie Bienen. Das zeigt eine Untersuchung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit der österreichischen Partnerorganisation Global 2000.

Insgesamt kauften die Organisationen 44 ausgewiesen bienenfreundliche Pflanzen ein, heißt es in einer Veröffentlichung des BUND: "Die Pflanzen waren entweder sichtbar mit einem Label als 'bienenfreundlich' oder 'insektenfreundlich' gekennzeichnet, wurden vom Verkaufspersonal als Bienenweiden empfohlen oder sind allgemein als attraktiv für Bienen bekannt."

Die Proben wurden von einem unabhängigen Labor untersucht. Ergebnis: Auf allen Proben aus Deutschland fanden sich Pestizide. Auf 40 Prozent sogar Pestizide, die für Bienen hochgiftig sind. Und: Viele der verwendeten Pflanzenschutzmittel sind in der Europäischen Union nicht mal zugelassen. Doch die hier verkauften Pflanzen werden in Ländern wie Ägypten, Äthiopien oder Vietnam gezogen. In Ländern also, in denen hier verbotene Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz kommen.

Keine Kontrolle verbotener Pflanzenschutzmittel

Eigentlich dürften diese Pflanzen gar nicht in Deutschland verkauft werden. In seiner Veröffentlichung stellt der BUND aber fest, das deutsche Pflanzenschutzgesetz regele zwar: "Dass Pflanzen nur dann importiert werden dürfen, wenn sie frei von in der EU nicht zugelassenen Pestiziden sind. Streng kontrolliert wird die Einhaltung des Gesetzes jedoch auch nicht."

Wer nun bereits mit besten Vorsätzen vermeintlich bienenfreundliche Pflanzen gekauft und eingepflanzt hat, muss diese dennoch nicht unbedingt wieder ausreißen. Theoretisch bauen die meisten Pflanzen Pestizide nach drei bis fünf Jahren ab. Für die nächste Anschaffung lohnt sich aber der Griff zu Bio-Pflanzen aus regionalem Anbau. Die müssen pestizidfrei und damit bienenfreundlich sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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