Blackouts Bundesnetzagentur: "Deutschland hat zuverlässiges Stromversorgungssystem"

Im Winter seien Stromausfälle in Deutschland sehr unwahrscheinlich, das teilte die Bundesnetzagentur mit. Deutschland habe eines der zuverlässigsten Stromversorgungssysteme weltweit. Zuvor hatte BBK-Chef Ralph Tiesler vor Stromausfällen im Winter gewarnt. Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" sagte er, dass es einen regionalen und zeitlich begrenzten Ausfall der Stromversorgung kommen könne.

Stecker in einer Steckdose
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat Äußerungen seines Chefs zu Stromausfällen im Winter zurückgenommen. Die seien "äußerst unwahrscheinlich". Bildrechte: IMAGO/Kosecki

Die Bundesnetzagentur widerspricht der Warnung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vor Stromausfällen im Winter. "Deutschland verfügt über eines der weltweit zuverlässigsten Stromversorgungssysteme", sagte ein Netzagentur-Sprecher am Wochenende den Funke-Zeitungen. "Es gibt zahlreiche Mechanismen und Reserven zur Stabilisierung des Stromnetzes in angespannten Situationen."

BBK warnte vor Stromausfällen – und korrigiert sich

BBK-Chef Ralph Tiesler hatte zuvor der "Welt am Sonntag" gesagt, es werde wegen der angespannten Lage bei der Energieversorgung in den kommenden Monaten zu Stromausfällen in Deutschland kommen, die über das bisherige Maß hinausgehen. "Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter Blackouts geben wird", so Tiesler. 

Ralph Tiesler, neuer Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Tiesler will die Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Bundeswehr beim Zivilschutz verbessern.
Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Bildrechte: dpa

"Damit meine ich eine regional und zeitlich begrenzte Unterbrechung der Stromversorgung." Die Ursache sei dann allerdings nicht nur Energieknappheit, sondern auch das gezielte, zeitweise Abschalten der Netze durch die Betreiber, um die Netze zu schützen und die Gesamtversorgung nicht zu gefährden. "Das Risiko dafür steigt ab Januar und Februar, so dass wir davon ausgehen, dass es von da an stellenweise für eine gewisse Zeit zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommt", sagte der BBK-Präsident. 

Auf Twitter korrigierte sich das BBK am Sonntagvormittag. In einer Klarstellung heißt es: "Ein großflächiger Stromausfall in Deutschland ist äußerst unwahrscheinlich. Das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen, um das Stromnetz bei Störungen zu stabilisieren." Die Wahrscheinlichkeit sei auch sehr gering, vorsorglich das Stromnetz zeitweise und regional abzuschalten um das Stromnetz abzuschalten. Das BBK bedauere die missverständliche Formulierung.

Der BBK-Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang, dass staatliche Stellen nicht immer ausreichend für Krisenlagen wie Stromausfälle gewappnet seien. Ein Teil der Kommunen und Behörden sei "wirklich mustergültig" aufgestellt, mit genauen Plänen und einer Sicherstellung der Stromversorgung durch Notstromaggregate vor Ort. "Andere stehen deutlich schlechter da, die sind nicht ausreichend vorbereitet. Das ist ganz unterschiedlich", erklärte der Behördenchef.

So bereitet sich Mitteldeutschland vor

Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt will sich besser auf mögliche Katastrophenfälle vorbereiten. Ein Vorbereitungsstab, der vom Innenministerium geleitet wird, soll eingerichtet werden. Ergebnisse des Stabs seien bis spätestens Ende März 2023 zu erwarten.

Der sächsische Energieminister Wolfram Günther hat am vergangenen Freitag in der Debatte über Strom- und Gaspreise vor einer Verunsicherung der Verbraucher gewarnt. Auch Mutmaßungen zu einem Blackout hält Günther nach eigenen Worten für wenig hilfreich. In der Summe komme es in Deutschland im Jahr zu zwei bis drei Stunden Stromausfall. Es gebe da in der Energieversorgung keine neue Situation.

Die Kommunen in Thüringen sind unterschiedlich aufgestellt. Auf Nachfrage von MDR Thüringen hätten nur knapp die Hälfte reagiert. Gut vorbereitet auf einen Krisenfall scheint aber das Altenburger Land. Sie haben ein Konzept mit konkreten Hinweisen, wie sich die Menschen in einem Krisenfall verhalten können und wo es Hilfe gibt.

AFP (kar)

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2022 | 09:00 Uhr

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