Thrombose-Risiko Blutverdünner zur Corona-Impfung sind keine gute Idee

Sachsen hat den Impfstoff Astrazeneca für alle freigegeben, die sich gern impfen lassen möchten. Das liegt auch daran, weil dieser Impfstoff kein makelloses Image hat: In seltenen Fällen kam es nach der Spritze zu einer Hirnvenen-Thrombose. MDR-AKTUELL-Userin Petra Friedrich fragt sich nun, warum man Personen, die mit Astrazeneca geimpft werden und bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, kein blutverdünnendes Medikament gibt. Würde das das Risiko der Thrombose-Bildung vermindern?

Illustration - Verstopfung innerhalb einer Arterie
Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, das ganz oder teilweise ein Blutgefäß verstopft. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Im Krankenhaus kann es schnell mal passieren: Patientinnen und Patienten bekommen Heparin gespritzt, um einer Thrombose vorzubeugen. Der Chefarzt der Neurologie des Leipziger Klinikums St. Georg, Torsten Kraya, erklärt: "Man gibt dem Patienten eine Blutverdünnung, um zu verhindern, dass es zur Thrombose kommt." Man erkaufe sich diese Wirkung aber mit dem Risiko, dass das Mittel zu stark blutverdünnend wirkt – also dem Risiko einer Blutung im Gehirn oder im Magen, ergänzt Kraya.

Mehr Schäden durch Blutverdünner

Normalerweise stehen diese beiden Risiken in einem vernünftigen Verhältnis. Bei einer Impfung gegen das Coronavirus, zum Beispiel mit Astrazeneca, ist die  Ausgangslage jedoch anders. Virologe Alexander Kekulé erklärt: "Das Risiko von Thrombosen – so sagt es zumindest der Hersteller  – liegt höchstens in der Größenordnung von 1:100.000. Die Europäische Arzneimittelbehörde hat Daten veröffentlicht, die so in diese Richtung gehen."

Das sei im Verhältnis und der Risiko-Nutzen-Rechnung so gering, dass die pauschale Vorsorge mit Blutverdünnern vor dem Impfen sehr wahrscheinlich mehr Schaden anrichten würde, erläutert Torsten Kraya und rechnet vor: "Wenn man sagt, zwei Millionen Patienten werden geimpft, 30 davon haben diesen Mechanismus mit dieser Hirn- oder Sinusvenen-Thrombose. Demgegenüber: Würde man jedem so ein blutverdünnendes Medikament geben und 500 haben so eine Blutung, dann steht das in keinem guten Verhältnis."

Erkrankungen durch Heparin

Hinzu kommt ein weiteres Problem und zwar mit dem Mittel Heparin selbst. Forscher aus Greifswald haben den besonderen Mechanismus untersucht, der dazu führt, dass die Blutplättchen nach einer Impfung mit Astrazeneca verklumpen können. Zwar seien noch Fragen offen, aber es deuteten sich Parallelen zu einer Erkrankung an, die durch den Blutverdünner Heparin ausgelöst werde, berichtet Kraya: Im Fall der Impfung wisse man zwar noch nicht ganz genau, wie die Reaktion darauf ablaufe, aber: "Einige von den Gerinnungsspezialisten vermuten, dass es eine ähnliche Reaktion ist wie bei der Gabe vom Heparin. Und wenn man dann noch das Heparin dazu gibt, dann würde man diesen Modus noch verstärken." Und das sei natürlich nicht sinnvoll.

Generell empföhlen die Fachgesellschaften, dass man den Patientinnen und Patienten vor der Corona-Impfung gar keine Prophylaxe gebe, sagt der Leipziger Neurologe. Und: Menschen mit hohem Schlaganfall-Risiko oder Herzproblemen, die täglich andere Blutverdünner als Heparin nähmen, sollten diese auch nicht vor dem Impfpieks absetzen, erklärt Kraya. Das Risiko etwa für einen Schlaganfall wäre wiederum zu hoch. "Es ist manchmal für die Patienten schwer nachvollziehbar, dass wir nicht über Gewissheiten reden, sondern über Wahrscheinlichkeiten", sagt Kraya.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2021 | 08:25 Uhr

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