NS-Kunst Hitlers Bronzepferde: Bundesrepublik verhandelt mit Sammler

Wem gehören zwei tonnenschwere Bronzepferde, die einst vor Hitlers Reichskanzlei standen? Für die Kunstfahnder, die sie bei einem Sammler aufgespürt haben, ist klar: Sie sind Staatseigentum. Inzwischen verhandelt die Bundesrepublik außergerichtlich mit dem Sammler. Vorschläge, wie mit den überdimensionalen Skulpturen verfahren werden könnte, gibt es bereits.

Beschlagnahmung zweier Bronzepferde aus der NS-Zeit von dem Bildhauer Josef Thorak 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er hatte keine Kosten gescheut, um an die Objekte seiner Begierde zu kommen: zwei tonnenschwere Bronzepferde, die einst vor Hitlers Reichskanzlei in Berlin standen. Ende der 1980er-Jahre ließ ein Unternehmer aus Rheinland-Pfalz die vom Lieblingsbildhauer des Führers geschaffenen Skulpturen aus der DDR in den Westen schmuggeln – Zeugenaussagen zufolge für mehrere hunderttausend D-Mark.

Staat und Sammler verhandeln außergerichtlich

Im Jahr 2015 flog die Sache auf: Kunstfahnder des Landeskriminalamts Berlin hatten nach dem Hinweis einer Kunsthändlerin aktiv nach "Hitlers Hengsten" gesucht, denn die überdimensionalen Werke sind nach Einschätzung der Ermittler Eigentum der Bundesrepublik. Die klagte zuerst vor Gericht auf Herausgabe gegen den Unternehmer, entschied sich dann aber offenbar anders. Seit Dezember versucht die zuständige Kunstverwaltung des Bundes außergerichtlich eine Einigung mit dem Sammler von NS-Kunst zu erzielen.

Blick über die Schulter eines Mannes auf einen Laptop-Bildschirm, darauf ein Foto mit zwei Bronzepferden in einer Halle
Eine Künsthändlerin hatte den Ermittlern ein Angebot weitergeleitet, das in Sammlerkreisen kursierte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unternehmer kaufte Bronzepferde der Roten Armee ab

Der Sammler aus Bad Dürkheim ist der Ansicht, der rechtmäßige Eigentümer der Objekte zu sein. Er habe sie vor mehr als 25 Jahren von der russischen Armee und den früheren Herstellern rechtmäßig erworben, ließ der Mann 2015 über seinen Anwalt mitteilen. "Mein Mandant ist kein Hehler", sagte der Jurist.

Zerlegte NS-Kunstwerke auf einer Lkw-Ladefläche
Nach dem Verkauf durch die Rote Armee zerlegten Schrotthändler die Bronzepferde 1989 in Einzelteile. So wurden sie von der DDR in die BRD geschmuggelt. Bildrechte: MDR/LKA Berlin

NS-Kunst: ausstellen oder einlagern?

Über den Fortgang der aktuellen Gespräche hält sich die Kunstverwaltung des Bundes bedeckt. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) lehnte eine Interviewanfrage des MDR mit Verweis auf die laufende juristische Auseinandersetzung ab. Kurz nach dem Auffinden der Bronzepferde in einer Lagerhalle des Unternehmers hatte Grütters vorgeschlagen, die Stücke in einem Museum auszustellen. Damit könnte der Umgang des NS-Regimes mit Staatskunst dargestellt werden, erklärte sie. "Die Staatskunst war ein bedeutender Teil der Propaganda und wurde von ihr systematisch instrumentalisiert", sagte sie damals.

Kunsthistoriker: Aufwendige Inszenierung wäre "zu viel der Ehre"

So sieht es auch Kunsthistoriker Prof. Gilbert Lupfer, Forschungskoordinator bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. "Man braucht solche Werke, um historische Zusammenhänge zu verstehen, nicht nur die Fachwelt, sondern auch ein breiteres Publikum. Insofern hat das in historischen Museen schon seinen richtigen Platz."

Allerdings sei das im Fall der Thorak-Pferde aufgrund ihrer Ausmaße schwierig. "Das bräuchte eine großartige Inszenierung, es bräuchte in einem Museum viel Raum. Es wäre sehr aufwendig, da etwas zu inszenieren. Das fände ich fast zu viel der Ehre", sagt Lupfer. Man sollte die Skulpturen daher deponieren.

Kunstdetektiv: Man muss die schreckliche Zeit fühlen

Genau das sollte man nicht tun, meint der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand. Er hatte die Ermittler bei der Suche nach den Thorak-Pferden unterstützt. "Sie erzählen uns auch die Geschichte der Nazi-Propaganda. In 100 oder 200 Jahren soll man in einem Museum sehen können, dass es diese schreckliche Zeit gab", so Brand. Dabei könnten diese Großstatuen einmal helfen. "Man muss es sehen, man muss es fühlen."

Mann mit dunkler Brille sieht in die Ferne
Der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand war den "Thorak-Pferden" auf der Spur und stellte sich den Ermittlern als Zeuge zur Verfügung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Schreitende Pferde" von Josef Thorak Die überlebensgroßen Bronzepferde schuf der Bildhauer Josef Thorak (1889-1952) im Auftrag des Dritten Reichs. Sie standen vor der Reichskanzlei Adolf Hitlers in Berlin. Mit der zunehmenden Bombardierung Berlins gelangten sie 1943 auf ein Gelände in Wriezen in Brandenburg. Später wurden die monumentalen Skulpturen vermutlich Kriegsbeute der Roten Armee. Diese stellte sie auf einem Sportplatz in Eberswalde aus. Von dort verschwanden sie Anfang 1989.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo live - Tätern auf der Spur | 24. Februar 2021 | 21:15 Uhr

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