Fragen und Antworten Cannabis erklärt: Heilung, Rausch und Risiko

Junge Frau mit Brille und dunkelbraunen Haaren blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/Elisabeth Winkler

Die Ampel-Regierung will Cannabis legalisieren. In dieser Woche hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nun erste Eckpunkte dafür vorgelegt. Es wird also höchste Zeit, ein paar drängende Fragen zum Thema Cannabis zu beantworten. Dieses FAQ erklärt, wie Cannabis wirkt, welche Gefahren die Droge birgt, ob sie süchtig macht, was für und gegen die Legalisierung spricht und wie viele Joints sich eigentlich mit 20 Gramm Gras bauen lassen.

Gustavo Escobar, CEO des Unternehmens Clever Leaves, inspiziert eine Cannabisblüte in Pesca, Kolumbien.
Zu Cannabis gibt es einige spannende Fakten. Bildrechte: dpa

Was genau ist Cannabis?

Auf jeden Fall schon mal kein Brokkoli. Cannabis ist eine Pflanze und gehört zu der Gattung der Hanfgewächse. Sie enthält den psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). In Deutschland werden für gewöhnlich zwei Teile der Pflanze verwendet: Die getrockneten Blütenblätter, Stängel und Blätter, die als Marihuana bezeichnet werden, und das getrocknete Harz aus den Drüsenhaaren der weiblichen Pflanze, Haschisch genannt.

Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bei der Vorstellung des Rauschgift-Lagebildes 2020 während einer Pressekonferenz.
Von Daniela Ludwig (CSU), der Drogenbeauftragen der letzten Bundesregierung, stammt die Aussage: "Cannabis ist kein Brokkoli!", die im Netz für viel Erheiterung sorgte. Bildrechte: dpa

Cannabis in Deutschland: Eine kurze Geschichte

Ein Drogenverbot gibt es in Deutschland seit Ende des ersten Weltkriegs. Damals war die Weimarer Republik durch den Versailler Vertrag dazu gezwungen, ein Gesetz zur Ausführung des "Internationalen Opiumabkommens" zu erlassen. Das wurde 1929 durch ein verschärftes Opiumgesetz ersetzt, das bis 1972 gelten sollte.

1961 wurde dann ein völkerrechtlicher Vertrag über Suchtstoffe verabschiedet, der alle vorher abgeschlossenen Abkommen zusammenfasste. In der Folge beschloss Deutschland ein neues Betäubungsmittelgesetz und ergänzte und verschärfte so das bis dahin geltende Opiumgesetz: Neben dem Verkauf standen ab sofort auch die Herstellung, der Import und Besitz von Betäubungsmitteln, darunter Cannabis, unter Strafe.

1994 wurde das Betäubungsmittelgesetz gelockert: Ab sofort war es möglich, die Strafverfolgung beim Besitz von „geringen Mengen“ Cannabis einzustellen. Seit 2017 kann man Cannabis zur medizinischen Verwendung „auf Rezept“ erhalten.

Die Debatte um die Legalisierung

Die Debatte um die Legalisierung oder Entkriminalisierung von Cannabis wird schon seit über 15 Jahren geführt. Dabei war und ist die Union ein firmer Gegner der Legalisierung – wenig verwunderlich also, dass diese erst jetzt, da CDU/CSU nicht länger Teil Regierung sind, umgesetzt wird.

Allem Anschein nach will die Bundesregierung Cannabis so schnell wie möglich legalisieren und vergisst dabei völlig den Schutz von Kindern und Jugendlichen

Simone Borchardt, CDU-Expertin für Sucht- und Drogenpolitik Redaktionsnetzwerk Deutschland

Die Ampel-Parteien Grüne und FDP plädieren schon länger in unterschiedlichem Umfang für eine Legalisierung oder Entkriminalisierung von Cannabis. So brachte die FDP-Fraktion bereits 2018 einen Antrag zur Ermöglichung von Cannabis-Modellprojekten in den Bundestag ein.

Die Grünen haben im selben Zeitraum mit dem Entwurf für ein Cannabiskontrollgesetz eine mögliche Grundlage für einen strikt kontrollierten legalen Markt für Cannabis vorgelegt. Beiden Vorschlägen wurde von der Großen Koalition jedoch nicht entsprochen. Die Drogenbeauftragte der ehemaligen Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), warnte SPD, Grüne und FDP auch im Oktober 2021 noch vor der Legalisierung.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der in dieser Woche erste Eckpunkte für die Legalisierung vorgelegt hat, war früher selbst gegen die Legalisierung von Cannabis, änderte seine Meinung jedoch, weil sich mit einer Legalisierung der Handel mit verunreinigtem Cannabis unterbinden ließe. Das erklärte der SPD-Politiker im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Rheinischen Post.

Dass sich mit der Legalisierung der Markt und damit die Qualität der Droge (Reinheit, THC-Gehalt) besser kontrollieren lasse, ist ein zentrales Argument der Befürworter. Mit der Legalisierung soll dem Schwarzmarkt die Existenzgrundlage entzogen und der Konsum sicherer gemacht werden. Außerdem soll eine Entkriminalisierung auch das Stigma lösen und es Betroffenen so leichter machen, sich bei Suchtproblemen Hilfe zu suchen. FDP-Politiker Jens Teutrine twitterte dazu im letzten Jahr: "Die Cannabislegalisierung ist eine überfällige Selbstverständlichkeit. Stigmatisierung, Prohibition & Kriminalisierung sind gescheitert".

Gegner der Legalisierung befürchten eine Verharmlosung der Droge und argumentieren mit dem Jugendschutz. So sagte CDU-Expertin für Sucht- und Drogenpolitik Simone Borchardt dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland": "Allem Anschein nach will die Bundesregierung Cannabis so schnell wie möglich legalisieren und vergisst dabei völlig den Schutz von Kindern und Jugendlichen“. Ihr fehlen wirksame "Aufklärung und Prävention“ in Lauterbachs Vorschlag zur Legalisierung.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte bereit 2021 davor, dass die Preise für Cannabis mit der Legalisierung steigen und so zu illegalem Handel mit billigeren Produkten führen würden. Diese Befürchtung wiederholte nun auch die Union in Reaktion auf Lauterbachs Eckpunkte.

Was ist (noch) die rechtliche Situation in Deutschland ?

Die Rechtslage rund um Cannabis ist in Deutschland im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) geregelt. Das stuft Cannabis als „nicht verkehrsfähig“ ein. Das macht den Besitz von Cannabis und Cannabisprodukten (Haschisch, Marihuana) illegal und damit strafbar.

Laut § 29 ff. des BtMG wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft, wer: „Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft.“

Der Konsum ist in Deutschland hingegen nicht strafbar. Allerdings muss man die Droge ja gewöhnlich besitzen bevor man sie konsumieren kann. Daher machen sich Menschen, die kiffen, meist doch strafbar. Seit 2016 gibt es außerdem das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG), das verhindert, dass man mit synthetischen Cannabinoiden durch kleine chemische Veränderungen Verbote umgehen kann.

Bei „geringen Mengen“ Cannabis, kann die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen – muss es aber nicht. Allerdings gibt es in den verschiedenen Bundesländern keine gemeinsame Definition dazu, wie viel eine „geringe Menge“ ist. Meistens sind es 6 Gramm, einige Bundesländer gehen bis zu 10 Gramm, Berlin liegt der Toleranzbereich sogar bei 10 bis 15 Gramm.

Wo auf der Welt ist Cannabis bereits legal oder entkriminalisiert?

Es gibt bereits einige Länder auf der Welt, in denen man für den Besitz von Cannabis nicht mehr bestraft wird, weil es dort entweder legalisiert oder entkriminalisiert wurde. Entkriminalisierung bedeutet, das Cannabis weiterhin als illegale Droge gilt, Konsumenten und Konsumentinnen für den Besitz aber nicht strafrechtlich verfolgt werden. Dabei gibt es dann meist Obergrenzen dafür, wie viel man besitzen darf, weil der Handel mit der Droge weiterhin verboten ist. Bei einer Legalisierung wäre die Droge nicht mehr illegal und auch, unter Auflagen, der Handel mit ihr erlaubt.

  • Uruguay: Cannabis war nie explizit verboten, 2014 wurde es dann endgültig entkriminalisiert.
  • Kanada: Hier dürfen Menschen seit 2019 bis zu 30 Gramm und vier Pflanzen Cannabis besitzen.
  • Peru: Der Besitz geringer Mengen Cannabis für den Eigengebrauch, bis zu acht Gramm, ist in Peru entkriminalisiert.
  • Spanien: Hier ist der private Anbau für den Eigengebrauch straffrei.
  • Niederlande: In den Niederlanden ist Cannabis zwar nicht legal, der persönliche Besitz ist jedoch bis zu fünf Gramm straffrei. Außerdem darf man fünf Pflanzen besitzen.
  • Portugal: In Portugal ist der Konsum von Drogen generell entkriminalisiert, wenn auch nicht legal. Bis zu 25 Gramm Cannabis sind straffrei - wer mit dieser Menge aufgegriffen wird, muss zu einem Beratungs-Termin.
  • Tschechien: Hier sind der Besitz und Konsum seit 2010 legal, solange es sich um weniger als 15 Gramm handelt.
  • Südafrika: In Südafrika ist der private Gebrauch von Cannabis legal.
  • USA: In 23 der 50 Bundesstaaten ist Cannabis für medizinische Zwecke zugelassen. In 18 Bundesstaaten sind sowohl Besitz als auch Konsum legal.

Neben diesen Ländern gibt es noch einige weitere, in denen Cannabis zur medizinischen Verwendung freigegeben ist, zum Beispiel Chile, England oder die Schweiz – aber auch Deutschland. Andere Länder planen, ähnlich wie Deutschland, die Legalisierung oder Entkriminalisierung – Luxemburg zum Beispiel.

Was sind THC und CBD und wie wirken sie?

Cannabis enthält eine Vielzahl von Wirkstoffen, die sogenannten Cannabinoide, über 100 kennt man inzwischen. Die bekanntesten sind CBD und THC. THC ist kurz für Tetrahydrocannabinol. Es ist der psychoaktive Wirkstoff im Cannabis, also das, was den Rauschzustand verursacht. Aber wie funktioniert das?

Konsumiert man Cannabis, dockt das THC an bestimmten Bindungsstellen im Gehirn an, den sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2). Die sind eigentlich für körpereigene Cannabinoide vorgesehen. Diese Endocannabinoide sind Neurotransmitter, also chemische Botenstoffe, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Sie spielen an ganz vielen Stellen im Körper eine Rolle, zum Beispiel beim Wachstum von Gehirnzellen, im Immunsystem oder beim Schmerzempfinden.

Das THC kommt nun diesen Botenstoffen in den Weg, weil es, zumindest kurzzeitig, ihre Rezeptoren belegt. Dabei verursacht das THC an manchen Stellen eine Überaktivierung, an anderen Stellen eine Hemmung, unser Nervensystem gerät aus dem Gleichgewicht und wir fühlen einen Rausch.

Hinzu kommt, dass THC auch Einfluss auf andere Neurotransmitter-Systeme nimmt, so hemmt es zum Beispiel den Botenstoff Gaba – der wiederum soll eigentlich die Dopamin-Ausschüttung hemmen. Durch seine Unterdrückung erhöht THC indirekt die Dopamin-Ausschüttung und das Belohnungszentrum in Gehirn wird stärker angeregt.

CBD ist kurz für Cannabidiol – im Gegensatz zu THC hat es keine berauschende Wirkung. Tatsächlich soll es sogar den psychogenen Effekt von THC ausgleichen. Und wie THC dockt auch CBD an den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems an und nimmt so auf bestimmte Körperfunktionen Einfluss.

Fun Fact: Das Endocannabinoid-System und seine Funktionsweise wurden nur entdeckt, weil Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen herausfinden wollten, warum Cannabis high macht.

Wie kommt der Rausch und wie fühlt er sich an?

Das kommt zum einen auf das Verhältnis von CBD und THC im Cannabis an. Je höher der THC-Gehalt, desto stärker ist in der Regel die psychoaktive Wirkung. Die Konzentration von THC in Cannabis ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: 2006 lag der THC-Gehalt der Blüten in Deutschland noch bei durchschnittlich 10,6 Prozent, 2022 waren es bereits 13,7 Prozent. Nach Lauterbachs Eckpunkten für die geplante Legalisierung soll in Deutschland aber nur Cannabis mit einem THC-Gehalt von maximal 10 Prozent verkauft werden.

Wie schnell der Rausch eintritt, hängt außerdem davon ab, wie man das Cannabis konsumiert. Wer sein Gras raucht oder dampft, sollte schon nach wenigen Sekunden bis Minuten etwas fühlen, weil der Wirkstoff über die Atemwege sehr schnell aufgenommen wird. Nach etwa 15 bis 30 Minuten erreicht die Wirkung dann ihren Höhepunkt, und nach zwei bis drei Stunden ist der Rausch wieder vorbei.

Wer Cannabis über Essen (z.B. Haschbrownies) oder Trinken zu sich nimmt, muss etwas länger auf die Wirkung warten. Bei der oralen Aufnahme erreicht die THC-Konzentration ihr Maximum nämlich erst nach ein bis zwei Stunden. Außerdem gelangt hierbei weniger THC ins Blut, weil ein Teil des Wirkstoffs von der Leber direkt zu inaktiven Substanzen verarbeitet wird. Dass die Wirkung verzögert eintritt, führt allerdings oft dazu, dass Menschen mehr essen, als sie sollten und das Risiko einer Überdosierung steigt. Eine Studie aus den USA zeigt, dass das Essen von Cannabisprodukten 33 Mal häufiger zu einem Aufenthalt in der Notfallaufnahme führt, als das Rauchen.

Wie sich der Rausch anfühlt, ist ganz verschieden – einfach, weil Endocannabinoide so viele verschiedene Funktionen haben, die beim Kiffen vom THC blockiert werden. Deswegen wirkt Cannabis entspannend, führt aber auch zu Lach-Flashs, beeinträchtigt das Kurzzeitgedächtnis oder führt zu Heißhungerattacken. Dazu kommen rote Augen und ein trockener Mund.

Welche Gesundheitsrisiken gibt es?

Cannabis-Konsum korreliert mit mehreren körperlichen und geistigen Problemen. Dabei ist es aber schwer mit Sicherheit zu sagen, ob das Kiffen die Ursache ist oder aus anderen Gründen mit diesen Problemen zusammenhängt.

Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim erklärt, warum das so ist

Mai Thi Nguyen-Kim
Mai Thi Nguyen-Kim Bildrechte: imago images/Future Image

"Wir haben hier keine randomisierten Gruppen, sondern Menschen, die sich selbst für oder gegen das Nehmen von Drogen entscheiden. Bei solchen Datensätzen ist es immer möglich, dass Menschen, die aufgrund ihrer Biologie (z.B. genetische Neigung) oder ihrer Umstände (z.B. Gegend, in der man aufwächst) ein erhöhtes Risiko für bestimmte Probleme haben, eben auch mit höherer Wahrscheinlichkeit Drogen wie Cannabis nehmen.

Man sieht dann Unterschiede zwischen den Kiffern und den Nicht-Kiffern, die aber gar nicht durchs Kiffen ausgelöst werden. Noch dazu hat Cannabis-Gebrauch ein Stigma, das bei unzureichender Verblindung das Ergebnis einer Studie beeinflussen kann. So kann man Menschen mit einer ganz guten Trefferquote ansehen, ob sie kiffen, z.B. an Kleidung und Frisur. Das können natürlich auch Studienleiter. Das erschwert eine Verblindung. In einer Studie zeigte sich dann auch, dass die Teilnehmer schlechter in Aufmerksamkeitstests abschnitten, wenn die Versuchsleiter davon ausgingen, dass sie Kiffer waren - selbst wenn das nicht stimmte.

Dementsprechend muss man davon ausgehen, dass Vorurteile gegenüber Kiffern Studienergebnisse unbewusst so beeinflussen, dass einige der psychologischen Nebenwirkungen schlimmer aussehen, als sie tatsächlich sind.

Was man dennoch festhalten kann:

  • Bei einer (zu) hohen Dosis kann es zu Panik und paranoiden Wahnvorstellungen kommen.
  • Wer Cannabis raucht oder dampft, schadet seinen Lungen.
  • Kiffen scheint außerdem das Herz-Kreislauf-System zu belasten, denn wenn Kiffer einen Herzinfarkt haben, dann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in den 60 min nach dem Kiffen. Im Moment ist die Datenlage aber noch zu schwach, um wirklich verlässliche Schlüsse ziehen zu können.

Einer Bestandsaufnahme des Bundesgesundheitsministeriums zufolge, erkranken Cannabiskonsumierende außerdem häufiger und früher an einer Psychose – insbesondere dann, wenn es über lange Zeiträume regelmäßig verwendet wird und der THC-Gehalt über zehn Prozent liegt. Dieser statistische Zusammenhang sagt aber nichts darüber aus, ob eine Psychose von Cannabiskonsum verursacht wurde. Andere Faktoren, wie eine Vorveranlagung oder dass Personen mit einer Psychose häufiger kiffen, können auch eine Rolle spielen. In der Regel ist eine psychische Störung immer auf mehrere Einflussfaktoren zurückzuführen.

Karl Lauterbach (SPD)
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat erste Eckpunkte für die Cannabis-Legalisierung vorgelegt. Bildrechte: dpa

Jugendliche sind gefährdeter als Erwachsene, weil sich ihr Körper und vor allem auch ihr Gehirn noch entwickelt. Dadurch sind sie besonders sensibel für Störeinflüsse – und wir hatten ja bereits beschrieben, dass das THC im Cannabis viele wichtige Prozesse im Körper aus dem Gleichgewicht bringt. Wenn Jugendliche häufig Cannabis konsumieren, kann das daher ihre Lernfähigkeit und ihr Gedächtnis einschränken, auch noch bis zu vier Monate nach dem letzten Konsum.

Doch während durch Alkohol oder Alkohol in Kombination mit Nikotin jährlich rund 74.000 Menschen sterben, gab es durch Cannabis noch keinen bestätigten Todesfall.

Macht Cannabis süchtig?

Die Gefahr, von einer Droge abhängig zu werden, steigt generell mit der Häufigkeit des Konsums. Eine Studie kam zu dem Schluss, dass etwa neun Prozent der Cannabiskonsumierenden im Laufe ihres Lebens eine Abhängigkeit entwickeln. Zum Vergleich: bei Alkohol sind es 23 Prozent, bei Nikotin 68 Prozent.

Welche medizinischen Anwendungsgebiete hat Cannabis?

Insbesondere für CBD werden oft medizinische Versprechungen gemacht, viele davon sind aber nicht wissenschaftlich bewiesen. Bei folgenden Erkrankungen kann Cannabis nachgewiesen einen positiven Effekt haben:

  • Epilepsie: Cannabidiol (CBD) wirkt antiepileptisch und ist bei zwei Formen schwerer Epilepsie als Medikament zugelassen.
  • Multiple Sklerose: Cannabis löst Spastiken.
  • Tourette: Cannabis kann bei Erwachsenen Tics und Zwangsverhalten mildern.

Cannabinoide zeigen außerdem Potenzial für die Krebstherapie, bisher gab es aber nur vorklinische Studien, also keine Versuche an Menschen. Außerdem können Cannabinoide unter bestimmten Umständen auch krebsfördernd sein, weil sie das Immunsystem hemmen.

Wann darf ich nach Cannabis-Konsum wieder Auto fahren?

Wer gekifft hat, sollte grundsätzlich 24 Stunden aufs Autofahren verzichten, um den Verkehr nicht zu gefährden. Allerdings gilt man nach den aktuellen rechtlichen Bestimmungen so lang als fahruntüchtig, wie sich THC im Blut nachweisen lässt – und das ist teilweise auch noch einen Monat nach dem Rauchen der Fall. Experten fordern deswegen die Erhöhung des THC-Grenzwertes im Straßenverkehr. "Der bisherige Grenzwert bei der THC-Konzentration taugt nicht, da er keine Aussage über Fahruntüchtigkeit trifft", sagte Andreas Krämer vom Deutschen Anwaltverein dazu.

Wie viele Joints kann man mit 20 Gramm Gras bauen?

Ein Joint auf getrockneten Cannabisblüten.
In einem Joint ist nicht nur Cannabis, sondern auch Tabak. Bildrechte: imago/Panthermedia

Das kommt darauf an: Fragt man das Internet oder verschiedene Kiffer und Kifferinnen, ist für gewöhnlich von 0,25 bis 0,5 Gramm Gras pro Joint die Rede. In einem Joint ist ja nicht nur Cannabis, sondern auch Tabak. Nutzt man nur Cannabis, spricht man von einem Blunt. Geht man von der niedrigsten Menge, also 0,25 Gramm, aus, kann man mit 20 Gramm Cannabis 80 Joints bauen.

Dieses Thema im Programm: Brisant | 19. Oktober 2022 | 17:15 Uhr

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