Hörer machen Programm Warum variieren die Abstände zwischen den Corona-Impfungen?

Die Abstände zwischen der ersten und der zweiten Impfung sind mancherorts unterschiedlich: Sie liegen zwischen drei und sechs Wochen, beim Impfstoff von Astrazeneca gibt es sogar einen Abstand bis zu zwölf Wochen. MDR AKTUELL-Hörerin Frau Maliki fragt sich deswegen, für wen die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts beziehungsweise der Ständigen Impfkommission bindend sind?

Patienten bekommt in einer Hausarztpraxis eine Schutzimpfung.
In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind die Abstände zwischen den Impfungen teilweise unterschiedlich. Bildrechte: dpa

Fangen wir an mit der Definition. Das Robert Koch-Institut ist der faktische Nachfolger des Bundesgesundheitsamts. Seit 1994 ist das Institut eine selbstständige Bundesoberbehörde, die direkt dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt ist. Dort angesiedelt ist auch die Ständige Impfkommission, ein Gremium aus 18 Mitglieder. Die Impfkommission gibt Empfehlungen aus, die als Wegweiser durch die Pandemie und durch die Impf-Prozedur gedacht sind.

Sachsen: Schnellerer Schutz der Geimpften

Bindenden Charakter haben diese Empfehlungen nicht, denn Impfen ist Ländersache. So steht es auch in der Antwort des sächsischen Sozialministeriums auf die Anfrage von MDR AKTUELL: "Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission haben keine bindende Wirkung. Wichtig sind die Vorgaben zum Impfabstand laut Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Wir halten uns an die Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission, diese besagt drei Wochen. Daran sind auch die Impfzentren und die dazugehörigen mobilen Teams gebunden. Die Ärzte in den Praxen sind dagegen frei, im Rahmen der zulässigen Frist laut Zulassung der Impfstoffe die Zweitimpfungen vorzunehmen."

Der Freistaat Sachsen geht damit allerdings einen Sonderweg und ignoriert die Empfehlungen des Ständigen Impfkommission. Das Sozialministerium begründet das so: "Die Zweitimpfung bedeutet maximalen Schutz vor schwerer Erkrankung. Tod und der Übertragung der Viren." Mehr Schutz, dafür weniger Tempo bei der Zahl der geimpften Menschen in Sachsen.

Längere Abstände in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Sachsen-Anhalt und Thüringen setzen die Prioritäten anders. Dort folgt man den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und hat die Abstände für Erst- und Zweitimpfung ausgeweitet. "Bei Biontech haben wir in Thüringen ein Impf-Intervall von sechs Wochen, bei Astrazeneca sind es zwölf Wochen", sagt Silke Fließ, die Sprecherin des Erfurter Sozialministeriums. Außerdem hätten sie inzwischen die Priorisierungsgruppe 3 in Thüringen geöffnet, und bei den Hausärzten würde die Priorisierung für Astrazeneca aufgehoben. "Das heißt, wer sich auch mit unter 60 Jahren mit Astrazeneca impfen lassen möchte, kann das bei seinem Hausarzt tun", erklärt Fließ.

Tempo, das sich inzwischen gut in Zahlen veranschaulichen lässt. So haben im Freistaat Thüringen mit Stand 6. Mai 28,2 Prozent der Menschen ihre Erstimpfung bekommen, in Sachsen-Anhalt sind es 30,6, in Sachsen 27,5 Prozent. Bei den Zweitimpfungen liegt Thüringen sogar deutschlandweit auf Platz 1 mit 12,6 Prozent – gegenüber 11,2 Prozent in Sachsen und 8,2 Prozent in Sachsen-Anhalt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Mai 2021 | 08:22 Uhr

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