Behördengänge Wann kehren Ämter aus dem Corona-Modus zurück?

In den Großstädten Mitteldeutschlands gibt es jeweils mehrere Bürgerämter und Behörden. Diese laufen aktuell noch unter Corona-Auflagen. Ohne Termin, den man online buchen oder per Telefon vereinbaren kann, sieht es für die Bürgerinnen und Bürger aktuell schlecht aus. Ist ein Ende der lange Wartezeiten bald in Sicht?

Ein Schild weist auf die Schiedsstelle (neben dem Bürgeramt und dem Familieninfobüro) hin.
Aktuell bekommt man lediglich online oder per Telefon einen Termin bei sämtlichen Ämtern. Bildrechte: dpa

In Leipzig gibt es zwölf Bürgerämter. Einen kurzfristigen Termin für die Ummeldung innerhalb der Stadt zu bekommen, scheint schier unmöglich. Bis Ende November sind alle ausgebucht – auf den ersten Blick. Man muss eben genau hinsehen. Wenn man sich in Richtung Terminbuchung klickt, steht da der Hinweis, dass man tagesaktuell Termine bekommen kann, wenn man sich um Punkt 8 und um 12 Uhr vor den Rechner setzt. Die Bürgerinnen und Bürger, die gerade das Technischen Rathaus verlassen, wussten offenbar wie der Hase läuft. "Man muss halt morgens um acht Uhr online sein und dann gucken, ob man irgendwo einen freien Termin bekommt. Wenn man erst um 9 Uhr nachschaut, gibt es keine Termine mehr", sagt einer der Glücklichen.

Inzidenz bestimmt Terminvergabe

Gewusst wie. Obwohl es in seinem Fall schnell ging, wünscht sich ein anderer Leipziger Behördengänger das Ende des amtlichen Coronamodus: "Mit Maske muss man sowieso drinsitzen. Man könnte wirklich wieder zur Normalität zurückkehren. Das würde vieles erleichtern. Früher konnte man ja einfach zur KfZ-Zulassung hingehen. Man musste zwar warten, man war aber noch an dem Tag dran."

Aber warum arbeiten die Ämter überhaupt immer noch im Corona-Modus, also nur mit Terminvergabe? Hanna Saur, Abteilungsleiterin Bürgerservice, verweist auf die aktuell hohen Inzidenzwerte in Leipzig: "Allein vor dem Hintergrund, dass wir vor der Pandemie auch sehr oft unkontrollierte Situationen in den Wartebereichen hatten. Und wir jetzt in der aktuellen Situation die Abstands- und Hygieneregeln nicht einhalten könnten."

Ein Ende des Terminvergabesystems ist derzeit in Leipzig nicht in Sicht. Ähnlich lautet die Antwort aus Gera und Dresden. Ist das Bestellsystem am Ende für die Ämter bequemer? Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, weist das zurück. "Wenn sie ganz viel Publikumsverkehr haben, ist das Risiko einer Ansteckung nach wie vor hoch." Die epidemische Notlage, die zwar möglicherweise nicht mehr verlängert wird, laufe noch bis zum 25. November, sagt Landsberg. Er könne deshalb die Vorsicht der Behörden gut nachvollziehen.

Terminrückstau wegen Pandemie

Außerdem sei das Bestellsystem nicht besser oder schlechter geeignet als das Wer-zuerst-kommt-System, um den Rückstand aufzuholen, der während der Pandemie entstanden ist. "Man braucht natürlich immer eine "Fastline" für Notfälle. Jemand will zum Beispiel jetzt nach Amerika, hat aber seinen Personalausweis verloren. Dem können Sie nicht sagen: Wir haben hier einen schönen Termin für Sie in acht Wochen. Das wird auch weitgehend gemacht."

Im Übrigen sitzt Leipzig laut Hanna Saur derzeit nicht auf einem Berg unbearbeiteter Termine. Ganz anders in Dresden, wo man aktuell bis zu acht Wochen auf einen Termin wartet. Genauso lang wie in Magdeburg, erklärt Holger Platz, Beigeordneter für Verwaltung. "Wir haben einen gewissen Rückstau, weil Termine in der Coronaphase nicht wahrgenommen wurden, die jetzt vermehrt nachgefragt werden."

Wartezeiten sollen ab 2022 kürzer werden

Die Stadt versucht jetzt, was den Sommer hinweg nicht gelungen ist: die Wartezeit zu verringern – mit mehr Personal, längeren Öffnungszeiten. In dringenden Fälle kann man in Magdeburg neuerdings außerdem zwischen 8 und 9 Uhr auch ohne Termin kommen. Und so prognostiziert der Beigeordnete, zum Jahresanfang werde es schon wesentlich besser aussehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Oktober 2021 | 08:08 Uhr

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