Covid-19 und Aerosole Kaum Ansteckungsgefahr beim Spazierengehen

Sonne und milde Temperaturen locken jetzt aus dem Haus. Kann man sich draußen beim Spazierengehen oder Joggen infizieren? Und was hilft gegen belastete Aerosole in den gerade geöffneten Klassenräumen? Mehr Fragen und Antworten zur Übertragung durch Aerosole und zum Schutz davor im Überblick.

Spaziergänger und Radfahrer genießen das schöne Wetter an der Saale in Halle
Experten halten es für unmöglich, sich im Vorbeigehen mit einem Coronavirus zu infizieren. Bildrechte: dpa

Schon lange sind sich Experten einig: In Innenräumen ist die Gefahr einer Corona-Infektion wesentlich höher als an der frischen Luft. Dennoch ziehen auch dort manche ihre FFP2-Masken über Nase und Mund. Grund dafür ist wohl die Sorge, in eine sogenannte Aerosol-Wolke zu geraten. Diese bildet sich bei allen durch das Ausatmen vor dem Mund und kann bei Infizierten Coronaviren enthalten. Reden Menschen miteinander, dann werden diese Aerosole dem Gesprächspartner quasi ins Gesicht gepustet.

Experte: Kurze Begegnung im Freien ist ungefährlich

Während sich in ungelüfteten Zimmern die Viren sammeln können, wird die ausgeatmete Luft im Freien aber schnell verdünnt und abtransportiert, wie die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln mitteilt. Eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft hält der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, für ungefährlich. Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus, sagte der Berater der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA jüngst dem Deutschlandfunk Kultur.

Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich.

Experte für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch

Auch die GAeF gibt in ihrem Positionspapier Entwarnung: "Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt." Als Beleg dafür verweist Experte Scheuch im DLF-Interview auf eine chinesische Studie von Anfang 2020. Dafür seien rund 7.000 Infektionen nachverfolgt worden mit dem Ergebnis, dass nur eine einzige im Freien stattgefunden hat. Daran sehe man, wie gefährlich es eigentlich in Innenräumen und wie ungefährlich es im Freien ist, erklärte Scheuch.

Vorsicht bei längeren Unterhaltungen

Wenn man sich im Freien in Gruppen aufhalte, bei denen keine Mindestabstände eingehalten und/oder keine Masken getragen werden, sollte man jedoch vorsichtig sein – zum Beispiel bei längeren Unterhaltungen. Bisher gelten für das Robert Koch-Institut (RKI) Menschen, die auch im Freien ohne jeglichen Schutz länger als 15 Minuten und mit weniger als 1,5 Meter Abstand mit einem Infizierten zusammenstehen als Kontaktpersonen mit "höherem Infektionsrisiko".

Regelmäßiges Stoßlüften in Klassenzimmern

Die Ansteckungsgefahr durch belastete Aerosole in Innenräumen ist auch Thema bei den gerade vollzogenen Schul- und Kita-Öffnungen in vielen Bundesländern. Angesichts des Risikos preisen zahlreiche Hersteller mobile Luftreiniger als ideale Lösung für öffentlich Räume an. Viele Wissenschaftler aber zeigen sich zurückhaltend: Deren Einsatz allein sei kein Ersatz für ausreichendes Lüften an Schulen, stellt die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) beim Umweltbundesamt fest. "Mobile Luftreiniger wälzen die Raumluft lediglich um und ersetzen nicht die notwendige Zufuhr von Außenluft." Um die Infektionsgefahr über Aerosole in der Luft zu verringern, ist regelmäßiges Stoßlüften über weit geöffnete Fenster das Maß aller Dinge.

Luftfilter nur als ergänzende Maßnahme

Sollten sich Fenster allerdings nicht ausreichend weit öffnen lassen und auch keine Zu- und Abluftanlagen eingebaut werden können, kämen Luftreiniger "als flankierende Maßnahme zur Minderung eines Infektionsrisikos" in Frage, erklären die Experten des Umweltbundesamtes. Dabei setzen sie jedoch weniger auf mobile als auf zentral oder in einzelnen Räumen fest installierte Geräte.

Klar ist laut Umweltbundesamt aber, dass weder Stoßlüften noch Lüftungsgeräte eine Infektion komplett verhindern können – und die üblichen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus auch im Klassenzimmer erforderlich bleiben: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Februar 2021 | 06:00 Uhr

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