Behandlung von Corona Antikörper-Medikament an mitteldeutschen Unikliniken noch nicht im Einsatz

Ende Januar teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit, sein Ministerium habe 200.000 Dosen Antikörper-Medikamente in den USA zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten gekauft. Die in Europa noch unzugelassenen Mittel sollten vor allem Unikliniken zur Verfügung gestellt werden. MDR AKTUELL hat recherchiert, wie die Versorgung in Mitteldeutschland aussieht.

Das St. Georg Klinikum in Leipzig ist ein Schwerpunktzentrum für Infektionskrankheiten
Blick ins St. Georg Klinikum in Leipzig Bildrechte: IMAGO / Christian Grube

An den Unikliniken in Mitteldeutschland werden bislang keine Antikörper-Medikamente aus den USA zur Behandlung von Covid-19-Patienten eingesetzt. Das ergaben Recherchen von MDR AKTUELL. Die Unikliniken in Dresden, Magdeburg, Halle und Jena teilten mit, bislang kein solches Medikament geliefert bekommen zu haben. Von der Universitätsklinik Leipzig hieß es:

Wir haben am Universitätsklinikum Leipzig das Antikörper-Medikament erst vor Kurzem erhalten. Bisher gab es noch keinen Einsatz.

Pressestelle Uniklinik Leipzig

Den Nutzen der Medikamente wollte das Klinikum nicht kommentieren. Auch im Leipziger Klinikum St. Georg sind nach Informationen des MDR Ende Januar Antikörper-Medikamente angekommen.

Das Bundesgesundheitsministerim teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL hingegen mit, dass die Auslieferung der gekauften monoklonalen antikörperhaltigen Arzneimittel derzeit noch organisiert werde.

Der Bund hat sich insgesamt knapp 200.000 Dosen (Anwendungen) gesichert und stellt diese in den kommenden Wochen Zug um Zug über spezialisierte Krankenhäuser kostenlos zur Verfügung.

Bundesministerium für Gesundheit

Geheimwaffe gegen Corona?

Rund 400 Millionen Euro hat das BMG für die noch nicht zugelassenen Medikamente ausgegeben. Bei den beiden Mitteln handelt es sich um Bamlavinimab vom US-Pharmakonzern Eli Lilly und um Casirivimab/Imdevimab (kurz: REGN-COV2) vom US-Biotechunternehmen Regeneron Pharmaceuticals. Regeneron hat das Medikament gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Hoffmann-La Roche entwickelt.

Die monoklonalen Antikörper-Medikamente gelten als großer Hoffnungsschimmer bei der Behandlung von Covid-Erkrankten mit leichten oder milden Symptomen aber einem hohem Risiko für schwere Verläufe.

Das US-Unternehmen "Regeneron Pharmaceuticals" stellt ein Antikörpermedikament her, das Covid-Erkrankten helfen kann.
Das US-Unternehmen Regeneron Pharmaceuticals stellt Antikörpermedikamente her Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency

Monoklonale Antikörper Die mit Hilfe von Gentechnik hergestellten Antikörper gegen das Sars-Coronavirus-2 können nach aktuellem Kenntnisstand zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion das Virus neutralisieren und so eine Corona-Erkrankung rasch heilen. Sie docken an die Spike-Proteine des Coronavirus an und verhindern so, dass das Virus weitere Zellen befällt. Monoklonale Antikörper wirken also noch bevor Erkrankte in Kliniken kommen. Daher muss das Medikament vor allem ambulant verabreicht werden. Das aber ist schwierig, da die Verabreichung aktuell über eine etwa einstündige intravenöse Injektion erfolgt und damit nur in Kliniken vorgenommen werden kann. Die Kosten pro Dosis betragen rund 2.000 Euro.

EMA-Prüfung läuft noch

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft REGN-COV2, das auf den beiden Antikörpern Casirivimab und Imdevimab beruht, seit Anfang des Monats in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren. Dabei bewerten Experten Daten aus Studien, auch wenn diese noch nicht abgeschlossen sind und noch kein Antrag auf Zulassung gestellt wurde. Das Zulassungsverfahren kann so verkürzt werden. Die EMA bestätigte MDR AKTUELL, dass Regeneron noch keine Zulassung für den europäischen Markt beantragt hat. Derzeit könne man nicht sagen, wann die Prüfung des Medikaments abgeschlossen sei, hieß es von der EMA.

In den USA hat das Medikament bisher nur eine Notfallzulassung. Mit Regeneron war Ex-US-Präsident Donald Trump während seiner Corona-Erkrankung behandelt worden.

Labor für Infektionskrankheiten der US-Firma Regeneron
Labor für Infektionskrankheiten der US-Firma Regeneron Bildrechte: dpa

Dünne Datenlage macht Mediziner skeptisch

Die Entscheidung, ob monoklonale Antikörper bei deutschen Patientinnen und Patienten zum Einsatz kommen, obliegt derzeit der behandelnden Ärzteschaft. Laut Bundesgesundheitsministerium soll die Anwendung nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung stattfinden.

Aus Medizinkreisen sind zurückhaltende bis kritische Stimmen zu hören. So zeigte sich der Direktor des Instituts für Tropenmedizin der Uniklinik Tübingen, Peter Kremser, Ende Januar in einem ARD Extra zur Corona-Lage verdutzt über den Einsatz von REGN-COV2. Die Daten, die bislang zum Medikament vorlägen, seien weder zur Sicherheit, zur Verträglichkeit und erst recht nicht zur Wirksamkeit aussagekräftig. Er werde das Medikament sicher nicht verwenden. Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnte vor der Nutzung der nicht zugelassenen Medikamente und machte auf ungeklärte Haftungsfragen aufmerksam.

Doch es gibt auch Zuspruch. So sagte der Biochemiker Patrick Cramer vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie dem ZDF: "Monoklonale Antikörper werden seit vielen Jahren als Medikamente verwendet, die Technologie ist grundsätzlich ausgereift." Der Kauf der monoklonalen Antikörper-Medikamente sei eine sinnvolle Handlungsoption im Kampf gegen Corona.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 02. Februar 2021 | 08:30 Uhr

1 Kommentar

KalterBrunnen vor 36 Wochen

In Leipzig ist es immerhin schon angekommen, na ja wir haben ja Zeit, besonders die kleinen und mittleren Firmen.

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