ÖPNV Hoher Krankenstand im öffentlichen Nahverkehr

Bei den Verkehrsbetrieben in Mitteldeutschland fallen aktuell viele Beschäftigte wegen Krankheit aus. Fahrpläne werden eingeschränkt, Linien zusammengelegt. Dazu kämpft die Branche auch noch mit einem generellen Fachkräftemangel.

Eine Straßenbahn steht während starken Schneefalls am Augustusplatz in Leipzig
Im ÖPNV fallen derzeit viele Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe aufgrund von Krankheit aus. Bildrechte: dpa

Verkehrsbetriebe wechseln in den Winterfahrplan, und zusätzlich fallen Fahrten aus. Wer gerade dringend irgendwo hin muss, hat das Nachsehen. Und auch sonst, lädt das Wetter ja nicht gerade dazu ein, länger als nötig an Haltestellen zu stehen. Faktisch passiert das aber gerade immer wieder. Der Grund: kein Personal. Mal für die Leipziger Verkehrsbetriebe gesprochen: 60 Fahrerinnen und Fahrer fehlten derzeit, sagt Sprecher Marc Backhaus. Er spricht von einer angespannten Situation, wegen der "einzelne Fahrten" ausfallen könnten.

Das Unternehmen dünnt vor allem auf Strecken aus, die auf weiten Teilen von zwei oder mehr Linien bedient werden. Das Nachsehen hat, wer an den weniger frequentierten Streckenabschnitten zusteigen will.

Ausfälle wegen Krankheit im gesamten MDV

Einen erhöhten Krankenstand melden einer Sprecherin zufolge auch andere Verkehrsunternehmen im Mitteldeutschen Verkehrsverbund. Hier komme es ebenfalls zu "temporären Reduzierungen im Angebot". Weitere Einschränkungen seien nicht ausgeschlossen, sollte sich die Lage verschärfen.

Im Verkehrsverbund Mittelsachsen fahren nach Angaben von Sprecher Falk Äster gerade weniger Züge auf der Strecke Chemnitz – Zwickau: "So fallen die Verstärkerfahrten in Berufsverkehrszeiten weg. Was aber durch Homeoffice kein ganz großes Problem ist, und es gibt auch noch einige Nachtverbindungen, die wir nicht halten. Es ist aber auch relativ wenig Verkehr um die Zeit."

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Doppelt so hoher Krankenstand bei Magdeburger Verkehrsbetrieben

Probleme auch in Sachsen-Anhalt: Tim Stein, Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe, berichtet von einem Krankenstand von 16 Prozent. Normal sei gerade mal die Hälfte. Trotzdem werde immer noch der Regelfahrplan gefahren. "Es kann aber zu einzelnen Ausfällen einzelner Fahrten kommen. Da reden wir so von zwei bis drei Prozent aller Fahrten, die betroffen sind", sagt Stein.

Zusätzliches Problem: Fachkräftemangel

Nicht alle haben so viel Glück wie Sina Fleischmann. Sie leitet den Busbetrieb Fleischmann-Reisen. Das kleine Unternehmen bringt sowohl Fahrgäste im Linienverkehr im Wartburgkreis an ihr Ziel als auch Urlauber. Und da Busreisen gerade nicht anstehen: keine Ausfälle im Linienverkehr. Sie habe in den Wintermonaten ohne kurzfristige Ausfälle genügend Personalpuffer, dafür aber ein anderes Problem: "Wir haben in unserer Branche über das ganze Jahr gesehen einen Fahrermangel."

Und genau dieser Fachkräftemangel fällt den Verkehrsbetrieben aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn jetzt auf die Füße. Den Ehrenvorsitzenden Karl-Peter Naumann wundert die aktuelle Lage absolut nicht: "Wir brauchen eine langfristige Initiative zur Gewinnung von Personal im öffentlichen Personenverkehr. Im Nahverkehr, im Fernverkehr, in den Regionen, in den Städten. Hier braucht es Anstrengungen der Politik. Es muss eine gute Bezahlung geben."

Frust, weil der Bus, die Bahn, der Zug nicht kommt? Naumann ist sich sicher, dass das so bleibt, solange auch der Fachkräftemangel bleibt. Die Verkehrsunternehmen empfehlen gerade, vor jeder Fahrt, den Fahrplan zu prüfen. Online.   

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Dezember 2021 | 06:39 Uhr

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