Begrenzungspläne Ministerium beschwichtigt: Genug Corona-Impfstoff vorhanden

Die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums, den Biontech-Impfstoff zu begrenzen, stoßen auf massiven Widerstand. Das Ministerium versucht deshalb zu beruhigen: Es gebe genug Corona-Impfstoff für alle.

Zum Impfen vorbereitete Spritzen liegen bei der Betriebsimpfung der Sartorius AG mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in einer Schale.
Das Bundesgesundheitsminist erium will die Auslieferung des Biontech-Impfstoffs begrenzen. Bildrechte: dpa

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Begrenzung von Bestellmengen beim Biontech-Impfstoff verteidigt. Er sagte, er wisse, dass die kurzfristige Umstellung für Arztpraxen und Impfzentren zusätzlichen Stress bedeuteten. Die Nachfrage nach Biontech sei aber so stark gestiegen, dass sich das Lager sehr schnell leere. Allein in der neuen Woche würden fast sechs Millionen Dosen an die impfenden Stellen geliefert. Das sei mehr, als es bisher überhaupt an Booster-Impfungen in Deutschland gegeben habe. 

Ministerium: Genug Corona-Impfstoff vorhanden

Nach Angaben von Spahns Gesundheitsministerium gibt es in Deutschland trotz der geplanten Begrenzung bei Biontech genug Corona-Impfstoff für alle. Wie das Ministerium mitteilte, stehen bis Jahresende 50 Millionen mRNA-Dosen zur Verfügung. Konkret könnten rund 24 Millionen Dosen von Biontech und 26 Millionen Dosen von Moderna verimpft werden. Beide Impfstoffe seien sicher, wirksam und gleich gut für Auffrischungsimpfungen geeignet.

Moderna soll verstärkt verimpft werden

Spahns Pläne sehen vor, dass neben dem Präparat von Biontech/Pfizer vermehrt der Impfstoff von Moderna verabreicht werden soll. Der Grund ist, dass andernfalls eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen drohten.

Er will deshalb "Höchstbestellmengen" für Biontech festschreiben. Praxen sollen vorerst maximal 30 Dosen pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1.020 Dosen.

Ärzte kritisieren Spahn für Begrenzungspläne

Für seine Pläne wird Spahn von Ärztevertretern heftig kritisiert. Einige sprachen von einer weiteren Fehlorganisation. Der Thüringer Hausärzteverband erklärte, das Engagement der Ärzte werde mit Füßen getreten.

Vorsitzender Ulf Zitterbart sagte, Hunderttausende Impftermine seien bis Weihnachten vergeben, fast alle für Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Die vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte 30 Impfdosen pro Woche und Arzt würden manche Teams in einer Impf-Sprechstunde in 90 Minuten verimpfen.

Wir liefern, Herr Spahn nicht.

Ulf Zitterbart Vorsitzender des Thüringer Hausärzteverband

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, erklärte, während die amtierende Bundeskanzlerin, die Regierungschefs der Länder und der Bundestag die große Boosteroffensive ausriefen, torpediert Spahn das Vorhaben.

Bundesländer reagieren mit Unverständnis

Auch bei seinen Kollegen in den Bundesländern stieß Spahn mit seinen Plänen auf Unverständnis. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte, jetzt müssten mal alle einen richtigen Schritt vorwärts gehen. Das hieße auch, den Biontech-Impfstoff nicht zu kontingentieren, sondern es sollte weiter vor Ort eine Freiheit geben, mit Biontech oder Moderna impfen zu können.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg monierte Spahn rationiere mit Biontech ausgerechnet den Impfstoff mit der höchsten Akzeptanz in der Bevölkerung.

Es wird Zeit, dass er geht.

Heiner Garg Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek kündigte an, die Begrenzungspläne bei den nächsten Länderberatungen am Montag auf die Tagesordnung zu setzen.

Lauterbach verweist auf Vertrauen in Biontech

Auch die möglich künftigen Koalitionäre SPD und Grüne kritisieren die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach verwies im Deutschlandfunk darauf, dass viele Menschen in Deutschland besonders dem Biontech-Impfstoff vertrauten. Ihn zu begrenzen, könne man sich angesichts der stark steigenden Infektionszahlen nicht leisten. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnte, man brauche alles andere als eine Handbremse beim Impfen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 20. November 2021 | 15:00 Uhr

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