Corona-Impfkampagne Boostern wird über die Feiertage zur Herausforderung

Die neue Bundesregierung und Gesundheitsminister Lauterbach setzen vor allem auf Booster-Impfungen, um die Omikron-Variante auszubremsen. Doch ausgebremst werden könnte bald die Booster-Kampagne selbst: Ein schlüssiges Konzept, wie auch über die Weihnachtsfeiertage das aktuell hohe Impftempo erhalten bleiben kann, fehlt. Die Bundesregierung versucht, mit mehr Geld für Ärzte gegenzusteuern.

Eine selbstgebastelte Lichterkette aus leeren Corona-Impfstofffläschchen von Biontech/Pfizer hängt als Dekoration in einem Impfcontainer
Boosterimpfungen gegen Omikron: Corona dominiert auch das diesjährige Weihnachtsfest. Bildrechte: dpa

"Die Impfkampagne wird auch über Weihnachten, an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester und an Silvester weiterlaufen." So steht es im Bund-Länder-Beschluss vom Dienstag – fett gedruckt. Ein klares Signal: Der Bundeskanzler und seine Länderkollegen wollen die aktuelle Dynamik beim Impfen ins neue Jahr retten.

Booster zentral im Kampf gegen Omikron

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach betonte am Mittwoch auf der Bundespressekonferenz (BPK), es sei das Herzstück bei der Bekämpfung der Omikron-Variante, "dass wir eine intensive Boosterkampagne fahren. Das ist die Strategie unseres Hauses." Tatsächlich sind die aktuellen Zahlen beeindruckend: 1,1 Millionen Dosen wurden in Deutschland zuletzt täglich im Mittel verimpft. Selbst auf dem ersten Höhepunkt der Impfkampagne im Juni waren es nur rund 800.000 gewesen.

Ausgerechnet ein Erfolgsrezept der aktuellen Impfkampagne droht nun jedoch zum Flaschenhals zu werden: Die starke Beteiligung der niedergelassenen Ärzte. Etwa zwei von drei Impfungen würden derzeit von ihnen verabreicht, erklärte auf der BPK ein erkennbar stolzer Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): "Die niedergelassenen Ärzte mit ihren Teams haben Großartiges geleistet." Doch nun steht wie jedes Jahr für viele von ihnen die Weihnachtspause an.

Niedergelassene Ärzte bei Booster-Impfungen im Fokus

Die niedergelassenen Ärzte hatten noch im Sommer darauf gedrängt, die Führung in der Impfkampagne zu übernehmen. Die Schließung der Impfzentren begrüßte KBV-Chef Gassen damals im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Es gibt kaum jemanden, der so viel Erfahrung im Umgang mit Corona hat wie die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen." Auf Anfrage von MDR AKTUELL konnte nun jedoch keine der mitteldeutschen Kassenärztlichen Vereinigungen einen speziellen Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte für Corona-Impfungen über die Feiertage nennen.

Der Politik stehen nur wenige Hebel zur Verfügung, um Ärzte zum Impfen zu motivieren – einer davon ist das Geld. Lauterbach kündigte daher auf der BPK an, dass Ärzte im Zeitraum vom 24. Dezember bis 9. Januar durchgängig den Sonn- und Feiertagszuschlag erhalten sollen: 36 statt 28 Euro pro Impfung. Man sehe das als "ein Zeichen der generellen Anerkennung der Leistung der Ärzte", sagt André Reiche von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen auf MDR AKTUELL-Anfrage. Doch auch er räumt ein: Eine wesentliche Motivation für niedergelassene Ärzte, ihren Weihnachtsurlaub abzusagen und stattdessen zu impfen, dürfte das kaum sein.

Ärztin: Impfstoff immer wieder gekürzt

Doch gibt es auch Ärzte, die in den kommenden Tagen gerne impfen würden, aber nicht können. So erreichte uns nach Veröffentlichung unseres Beitrags ein Hinweis einer niedergelassenen Ärztin aus Sömmerda. So hätte sie gern kommende Woche Patienten geimpft, doch habe sie die Termine auf Januar verschieben müssen, da die Impfstofflieferung verschoben worden sei. "Wir würden deutlich mehr impfen, wenn Impfstoff vorhanden wäre", schreibt die Ärztin an unsere Redaktion. Eine solche Verzögerung gebe es nicht zum ersten Mal. Sie müsse seit Wochen ständig Termine verschieben, da Impfstofflieferungen gekürzt würden. Dies sei ein erheblicher Mehraufwand, den die niedergelassenen Ärzte zusätzlich zur Versorgung der Patienten zu stemmen hätten, merkt die Ärztin an.

Impfstellen: Gemischtes Bild in den mitteldeutschen Ländern

Für die kommenden Tage bleiben die dezentralen Impfstellen und mobilen Impfteams. Eine Recherche in den mitteldeutschen Bundesländern ergibt ein gemischtes Bild:

  • In Sachsen öffnen fünfzehn DRK-Impfstellen an den Weihnachtstagen, Silvester und Neujahr – freilich nicht alle auf einmal. Am 25. Dezember etwa ist eine Impfung über das DRK in ganz Sachsen nur in Chemnitz und Markkleeberg möglich.
  • Die Impfstellen in Sachsen-Anhalt werden dezentral von den Landkreisen und Städten organisiert. Dadurch gibt es regional große Unterschiede. In Halle etwa bleiben die Zentren an allen Weihnachtstagen geöffnet, in Magdeburg schließen sie – eine Entscheidung, die Magdeburgs OB Trümper verteidigte.
  • In Thüringen wird die Pause zum Jahreswechsel einheitlich umgesetzt – und von allen drei Ländern am striktesten: Über die Weihnachtstage haben sämtliche Impfstellen im Land geschlossen, über Silvester und Neujahr ebenso.

Dass die in Fahrt gekommene Impfkampagne ausgerechnet jetzt zu stocken droht, wirkt unglücklich. Denn gerade über die Feiertage haben ansonsten schwer beschäftigte Menschen mehr Zeit und Ruhe fürs Impfen – und mancher Impfskeptiker besucht seine Familie, die ihn zum Impfen ermutigt. Die 30 Millionen Booster-Impfungen bis Jahresende, die Bundeskanzler Olaf Scholz zum Ziel erklärt hat, dürften erreicht werden: Bereits heute sind über 29 Millionen Dosen verimpft (Stand: 23.12.2021). Ob das im Kampf gegen die Omikron-Variante ausreicht, muss sich aber erst noch zeigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 22. Dezember 2021 | 19:30 Uhr

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