Corona-Pandemie 2G: Was gilt für Menschen, die sich nicht impfen lassen dürfen?

Nikta Vahid-Moghtada
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Angesichts weiter steigender Corona-Zahlen wird auch über generelle Verschärfungen der Zutrittsregeln für Ungeimpfte, wie z.B. 2G-Regeln, diskutiert. Im Freizeitbereich sowie im Einzelhandel würde dann gelten: Nur wer vollständig geimpft und nachweislich genesen ist, hat Zutritt. Aktuell wird viel über Impfunwillige gesprochen – was aber gilt für Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können?

2G Regel Zutritt für Genesene und Geimpfte
Was gilt für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, im Falle von 2G? Bildrechte: IMAGO / Political-Moments

Lange war eine gesellschaftliche Debatte nicht mehr so emotional wie jene über Ungeimpfte. Neben vielen Impfunwilligen gibt es aber auch Menschen, die nicht vollständig gegen Sars-CoV-2 geimpft werden können – etwa wegen einer Allergie auf Impfstoffbestandteile. Was gilt für diese Personengruppe im Falle von 2G-Regelungen? Müssen sie Einschränkungen wie willens Ungeimpfte befürchten?

Wie sind die aktuellen Regelungen?

Die Corona-Verordnung sagt: Nein. Für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht gegen das Coronavirus impfen lassen können, gilt, genau wie für Minderjährige, für die noch keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorliegt, eine Ausnahme.

In Sachsen zum Beispiel gilt landesweit schon die 2G-Regelung. Zugang zu etwa Gastronomie und Einzelhandel hat nur, wer vollständig geimpft und nachweislich genesen ist. Wer aus medizinischen Gründen nicht vollständig geimpft werden kann, wird nicht ausgeschlossen: Solche Ausnahmefälle müssen in Form einer gültigen ärztlichen Bescheinigung attestiert und, wann immer 2G-Nachweise erforderlich sind, vorgelegt werden.

In § 3 der Sächsischen Notfallverordnung, die seit vergangener Woche gültig ist, heißt es dazu: (2) Der Impf- oder Genesenennachweis kann durch einen Testnachweis ersetzt werden, wenn

1. die verpflichtete Person das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder

2. für die verpflichtete Person aus gesundheitlichen Gründen keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) ausgesprochen wurde.

"Die Sächsische Corona-Norfallverordnung sieht im Falle der 2G-Regelung allein Ausnahmen für Personen vor, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder für die die Stiko bislang keine Impfempfehlung ausgesprochen hat. Letztere müssen dies mit einem Attest belegen und für den Zutritt einen negativen Testnachweis vorlegen können. Darüberhinausgehende Ausnahmen sind nicht vorgesehen", teilte das Sozialministerium Sachsen auf Anfrage des MDR mit.

Wer kann nicht geimpft werden?

Die Anzahl derer, die aus medizinischen Gründen nicht gegen das Coronavirus geimpft werden kann, ist gering. Zahlen, wie groß diese Gruppe ist, können weder das RKI noch das Paul-Ehrlich-Institut nennen. Mediziner sind sich jedoch einig: "Es gibt relativ wenige Menschen, die nicht gegen Corona geimpft werden sollten", das stellt auch der Mainzer Virologe Bodo Plachter im Interview mit dem SWR klar.

Wie bei anderen Impfungen auch, sollte man sich laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nicht impfen lassen, wenn man akut krank ist und beispielsweise Fieber hat. Nach Abklingen der Krankheit könne die Corona-Impfung aber problemlos nachgeholt werden.

Das gilt für die Impfung in der Schwangerschaft

Da eine Schwangerschaft das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe erhöht, empfiehlt die Stiko mittlerweile auch Schwangeren und Stillenden eine Corona-Impfung. Die Impfung von Schwangeren sollte ab dem zweiten Trimester erfolgen. Auch für die Zweitimpfung sollte der Beginn des zweiten Trimesters abgewartet werden, wenn die Erstimpfung vor Bekanntwerden der Schwangerschaft erfolgt ist.

Keine Impfempfehlung bei Allergien gegen Impfstoff-Bestandteile

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt auf der Webseite klar: "Es gibt nur sehr wenige Gründe, warum eine Person sich dauerhaft oder vorübergehend nicht gegen COVID-19 impfen lassen kann." Die Impf-Empfehlung der Stiko gilt explizit auch für Menschen mit Immundefizienz.

  • Nicht impfen lassen sollte sich, wer an einem akuten fieberhaften Infekt leidet. Aber: Nach Abklingen des Fiebers kann geimpft werden.

  • Bei einer bekannten Allergie gegen Bestandteile der Impfstoffe sollte ebenfalls nicht geimpft werden. "In der Regel können Personen, die mit einem der Impfstofftypen (mRNA vs. Vektor-basiert) nicht impfbar sind, mit dem jeweils anderen geimpft werden", so die BZgA weiter.

  • Auch für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen gilt kein Impfverbot – die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt die Corona-Schutzimpfung in ihrer Stellungnahme ausdrücklich.

  • Auch für Patientinnen und Patienten, die Blutgerinnungshemmer (Antikoagulanzien) einnehmen, ist die Corona-Impfung möglich. So werden bei der Verabreichung sehr feine Injektionskanülen verwendet und die Einstichstelle wird nach der Impfung mindestens 2 Minuten lang komprimiert (gedrückt).

Fazit

Die Gruppe derer, die sich aufgrund medizinischer Gegebenheiten nicht vollständig impfen lassen kann, ist klein. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.

In Bereichen, in denen sonst die 2G-Regel gilt, müssen gültige ärztliche Atteste, die keinen Hinweis darauf liefern, gefälscht zu sein, akzeptiert werden. In Sachsen muss einem solchen Attest zusätzlich ein negatives Testergebnis einer offiziellen Teststelle beigelegt werden.

Ob das in der Praxis funktioniert und ob Lokalitäten diese Atteste auch akzeptieren, muss sich noch zeigen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 25. November 2021 | 19:30 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland

Michael Kellner, politischer Bundesgeschäftsführer der Grünen, verkündet das Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag. 1 min
Bildrechte: Phoenix
06.12.2021 | 16:11 Uhr

Nach der Zustimmung der Grünen zum Koalitionsvertrag mit SPD und FDP ist der Weg für eine Ampel-Regierung endgültig frei. Grünen-Bundesgeschäftsführer Kellner sieht in dem klaren Votum Rückenwind für die Koalition.

Mo 06.12.2021 15:57Uhr 00:49 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wahlen/bundestagswahl/video-579318.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Der Mediziner und Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, wird Bundesgesundheitsminister. 1 min
Bildrechte: ZDF