Schärfere Corona-Regeln Kommt 2G für ganz Deutschland?

Die Infektionszahlen im ganzen Land steigen und erneut steht uns ein Corona-Winter bevor. Angesichts der angespannten Lage ist eine Debatte um eine Verschärfung der Corona-Regeln entbrannt. Gesundheitsexperten und Städtebund fordern, dass nur noch Geimpfte und Genesene Zugang zum Beispiel zu Restaurants, Clubs und Fußballstadien haben sollten. Dagegen heißt es, 2G gebe nur "Scheinsicherheit".

Vor einer Bar in Hamburg steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2GRegel hinweist.
Sachsen und Österreich machen es vor: Sie lassen nur noch Geimpfte und Genesene in Restaurants, Bars, Kinos, Clubs und Fußballstadien. Bildrechte: dpa

Angesichts der stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen in Deutschland läuft eine Debatte darum, ob die sogenannte 2G-Regel auf ganz Deutschland ausgeweitet werden sollte. Damit hätten dann nur noch Geimpfte oder Genesene Zutritt zu öffentlichen Innenräumen wie Restaurants oder Friseurgeschäften. Das würde auch für Besuche von kulturellen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen wie Konzertsäle, Museen oder Diskotheken gelten sowie für Fußballstadien.

Experten: 2G schützt Ungeimpfte

Zuvor hatte Sachsen angekündigt, ab Montag nur noch Geimpfte und Genesene in öffentliche Innenräume zu lassen. Ärztepräsident Klaus Reinhardt verlangte in der "Passauer Neuen Presse", in ganz Deutschland nur noch Geimpften oder Genesenen den Besuch von Restaurants, Veranstaltungen oder Kinos zu erlauben. Ähnlich äußerten sich auch der Gesundheitsexperte der Grünen, Janosch Dahmen und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Der Immunologe Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund sagte in den ARD tagesthemen am Freitag, man wisse schon seit einiger Zeit, dass sich besonders die Ungeimpften infizierten. Das beträfe auch die schweren Verläufe in den Krankenhäusern. Daher sei es nur folgerichtig, wenn man wie in Sachsen die Ungeimpften von Situationen ausschließe, wo sie sich anstecken könnten – und das hieße nun mal 2G.

Auch Deutscher Städtebund will 2G

Auch der Deutsche Städtetag hat sich für eine bundesweite Einführung einer 2G-Regel stark gemacht. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", die Politik sollte noch einmal über kostenlose Tests nachdenken. "Noch besser wäre aus unserer Sicht aber, konsequenter 2G im Freizeitbereich einzuführen." Wenn nur Geimpfte und Genesene Clubs, Theater, Kinos und Fitnessstudios besuchen könnten, werde das die Zahl der Infektionen dämpfen.

Dedy rief auch dazu auf, erneut eine Impfpflicht in Alten- und Pflegeheimen in den Blick zu nehmen. "Wir erwarten von den Ländern, dass für die Beschäftigten in Pflegeheimen 2G eingeführt wird." Das sei sinnvoll, um zusätzliche Sicherheit zu schaffen.

Virologe: 2G gibt "Scheinsicherheit"

Dagegen warnte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit davor, die Wirkung von 2G-Regeln zu überschätzen. 2G gebe eine "Scheinsicherheit", sagte Schmidt-Chanasit am Samstag im Deutschlandfunk. Geimpfte könnten sich infizieren und das Virus übertragen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer sei.

Wenn man wirklich Sicherheit wolle, helfe nur 1G weiter – also alle zu testen, egal ob geimpft, ungeimpft oder genesen. Das sollte vor allem für problematische Bereiche gelten, wo vulnerable Menschen gefährdet seien. Man sollte das wichtige Instrument des Testens nicht aus der Hand geben, mahnte der Virologe. Er warb zugleich für eine "Testoffensive" und kritisierte, dass die kostenlosen Bürgertests Mitte Oktober abgeschafft wurden.

Österreich macht 2G vor

In Österreich gilt bereits 2G – ab Montag landesweit in öffentlichen Innenräumen. Das hat das Kabinett am Freitag beschlossen. Nach Regierungsangaben haben dann nur noch Geimpfte oder Genesene Zutritt zu Lokalen, Veranstaltungen, Friseuren oder auch Tourismusbetrieben. Seit dieser Woche gilt bereits eine 3G-Nachweispflicht am Arbeitsplatz. Impfpässe sind künftig nur neun Monate lang nach der zweiten Teilimpfung gültig. Damit will die Regierung mehr Menschen dazu bringen, sich Booster-Impfungen zu holen. In Österreich liegt die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei etwa 470.

dpa, AFP (cga)

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. November 2021 | 10:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland

Menschen in einer Tropfsteinhöhle 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK