Russischer Corona-Impfstoff Bundesregierung plant Sputnik-V-Vertrag ohne EU

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, mit Russland über den Kauf des Vakzins Sputnik V zu verhandeln, um für die nächsten Monate mehr Impfstoff zu haben. Erst müsse das Vakzin aber zugelassen sein. Die EU-Kommission will dagegen keine Vorverträge schließen, weil genug Impfstoff bestellt sei.

Eine Krankenschwester hält eine Ampulle mit Sputnik V Impfstoff in den Händen.
Sputnik V war der erste Impfstoff gegen das Coronavirus. Bildrechte: dpa

Die Bundesregierung hat Gespräche mit Russland über die Lieferung des Corona-Impfstoffs Sputnik V angekündigt. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte im WDR, die EU-Kommission habe am Mittwochabend erklärt, dass sie in bei Sputnik V keine Verträge schließen wolle so wie mit anderen Herstellern, wie zum Beispiel Biontech/Pfizer. Deutschland werde daher im Alleingang ohne die EU bilateral mit Russland über eventuelle Lieferungen reden. Um in der aktuellen Lage tatsächlich zu helfen, müsste eine Lieferung aber schon in den nächsten zwei bis fünf Monaten kommen. "Ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff", sagte Spahn.

Zunächst braucht Sputnik V EU-Zulassung

Der CDU-Minister verwies darauf, dass der russische Impfstoff in der EU zugelassen sein müsse. Dafür müsse Russland Daten liefern. Solange das nicht geschehe, könne es keine Zulassung geben.

Haseloff und Kretschmer begrüßen Pläne

Die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Sachsen, Reiner Haseloff und Michael Kretschmer, begrüßten das Vorgehen der Bundesregierung. Das sei der richtige Weg, sagte Haseloff der Nachrichtenagentur Reuters. Kretschmer sagte: "Das Angebot für Sputnik V haben viele Bundesländer erhalten. Es ist richtig, wenn der Bund die Verhandlungen übernimmt". Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner forderte im Gespräch mit MDR AKTUELL, die Bestellung von Sputnik V bundesweit zu regeln. Sie reagierte damit auf einen Vorstoß Bayerns. Ministerpräsdient Markus Söder hatte am Mittwochabend angekündigt, einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Impfdosen für Sputnik V abschließen zu wollen.

Sputnik-Bestellung auch aus Schwerin

Auch Mecklenburg-Vorpommern will einen Vertrag über die Lieferung von einer Million Impfdosen nach Moskau schicken. Das bestätigte Gesundheitsminister Harry Glawe. Laut NDR rechnet Glawe Ende Mai oder Anfang Juni mit einem Einsatz des Impfstoffs. Die Kosten solle der Bund übernehmen.

EU-Kommissar: Haben genügend Impfstoff bestellt

Die Bundesregierung drängt seit Längerem darauf, dass die EU-Kommission auch über einen möglichen Ankauf von Sputnik V verhandelt. EU-Kommissar Thierry Breton hatte das als nicht notwendig bezeichnet, weil sich die EU bereits genügend Impfstoff von anderen Herstellern gesichert habe, um bis Ende Juni etwa 70 Prozent der Erwachsenen zu impfen. Er rechne für das zweite Quartal mit 360 Millionen Dosen Impfstoff. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Lieferung im ersten Quartal von 108 Millionen. Etliche EU-Staaten haben sich aber auf bilateralem Weg bereits Dosen von Sputnik V gesichert.

Quelle: MDR, dpa, afp

Dieses Thema im Programm: 08. April 2021 | 09:00 Uhr

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