Corona-Pandemie Sind 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten realistisch?

Um die Corona-Lage in den Griff zu bekommen, wollen Bund und Länder bis Weihnachten 30 Millionen Menschen impfen. Diese Zahl nannte Olaf Scholz in der letzten Woche bei einer Pressekonferenz. Dafür muss das Impftempo deutlich erhöht werden. Um das Ziel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu erreichen, müssten besonders die Haus- und Fachärzte deutlich mehr impfen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder sind unterschiedlicher Meinung, ob das Vorhaben in der kurzen Zeit umsetzbar ist.

Ein Mann bekommt von einer Frau in blauem Kittel eine Spritze in den Arm, daneben mehrere Dosen mit Impfstoff
30 Millionen Impfungen wollen Bund und Länder bis Weihnachten realisieren. Bildrechte: MDR/dpa

Bund und Länder haben sich das Ziel gesetzt, bis Weihnachten noch 30 Millionen Menschen in Deutschland ein Angebot für eine Erst-, Zweit- oder Auffrischimpfung zu machen. Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz sagte am vergangenen Donnerstag nach einer Telefonschalte: "Wenn irgendwie erreichbar, sollte man dies tun."

Fest steht: Das Impftempo ist in den vergangenen Wochen bundesweit angestiegen, so auch in Sachsen und Thüringen. In Sachsen-Anhalt erhielten in der vergangenen Woche so viele Menschen eine Corona-Impfung wie noch nie, knapp über 100.000 Menschen wurden geimpft. Das ist ein deutlicher Fortschritt. Um den Plan von Bund und Ländern umzusetzen, müsste jedoch die doppelte Menge an Menschen geimpft werden.

Sachsens KV-Chef Heckemann hält Plan für unrealistisch

Auch in Sachsen werden wieder deutlich mehr Menschen geimpft. In der letzten Woche waren es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen ca. 200.000 Impfungen.

Klaus Heckemann
Klaus Heckemann hält das Ziel von 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten für unrealistisch. Bildrechte: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

KV-Chef Klaus Heckemann sieht eine sehr positive Tendenz. Besonders bei den Haus- und Fachärzten werde viel mehr geimpft als noch vor wenigen Wochen, sagte Heckemann MDR AKTUELL. Den Plan, bis Weihnachten deutschlandweit 30 Millionen Menschen zu impfen, hält er jedoch für unrealistisch. Der Freistaat Sachsen müsste bis dahin 1,5 Millionen Menschen impfen. Solche Zahlen habe man im Frühjahr und Sommer mit den Impfzentren nach mehreren Monaten erreicht, sagt Heckemann: "Wie kann man denn glauben, dass man etwas, was man in vier Monaten geschafft hat, jetzt innerhalb von drei Wochen schaffen kann?"

Gute Organisation ist Grundvoraussetzung

Klaus Heckemann ist verärgert darüber, dass ambitionierte Ziele ausgerufen werden, ohne vorher zu überdenken, wie das vor Ort konkret umsetzbar ist. "Es wäre schön, wenn sich die Politiker ein bisschen mehr informieren könnten, was die Realitäten sind", sagt er.

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen sieht für sein Bundesland 300.000 Impfungen pro Woche als realistisch an. Dafür müssten jedoch noch ein paar Weichen gestellt werden: Ärztinnen und Ärzte müssten neben den normalen Sprechzeiten zusätzliche Impfangebote machen. Außerdem sieht Heckemann die Kommunen in der Pflicht. Diese müssten die Ärzteschaft beispielsweise bei der Terminvergabe besser unterstützen, um sie vor zusätzlicher Belastung zu schützen. Das müsse sofort passieren, wenn man 300.000 Impfungen pro Woche schnell erreichen wolle.

Es wäre schön, wenn sich die Politiker ein bisschen mehr informieren könnten, was die Realitäten sind.

Klaus Heckemann Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen

Optimistische Stimmung in Thüringen

In Thüringen ist die Zahl der Impfungen zuletzt ebenfalls deutlich angestiegen. Man wolle die Hälfte aller vollständig Geimpften bis zum Jahresende boostern und somit insgesamt zwischen 550.000 und 650.000 Personen impfen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen auf Anfrage von MDR AKTUELL mit. Man halte das mit den niedergelassenen Ärzten und den Impfungen an den Impfstellen für realistisch, die Kapazitäten seien bereits aufgestockt. Außerdem sei auch die Bundeswehr erneut im Einsatz. Um den Anteil an den 30 Millionen bundesweiten Impfungen zu decken, müssten die Thüringer mehr als 700.000 Impfungen durchführen.

Lieferung von Impfstoff muss sichergestellt werden

Um die Impfkampagne auf stabil hohem Niveau zu halten, ist die zuverlässige Lieferung der Impfstoffe zentral. Von der KV Thüringen heißt es dazu, es sei wichtig, dass man "Planungssicherheit bei den Impfstoffen für die Erwachsenen sowie für Kinder" habe. Bedeutet also, dass die zugesicherten Impfstoffe auch ihren Weg in die Praxen finden müssen.

Dieser Meinung ist auch der sächsische KV-Chef Klaus Heckemann. Nach seiner Ansicht hat die Impfkampagne einen immensen Schaden genommen, weil zuletzt immer wieder Impfstoffe fehlten. "Das hätte nicht passieren dürfen", sagt er und nimmt die Ärzteschaft in Schutz: "Da ist die Verantwortung nicht bei denen, die impfen wollen."

Anmerkung: MDR AKTUELL hat auch eine Anfrage an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt gerichtet, die bislang aber noch nicht beantwortet wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

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