Auffrischungsimpfung Booster-Impfung notwendig – aber noch ist unklar, wann

Die Impfungen gegen Covid-19 müssen wahrscheinlich aufgefrischt werden – darauf weisen Experten und Expertinnen immer wieder hin. Doch wann genau die Booster-Impfung nötig wird, darüber wird derzeit noch viel diskutiert.

Patienten sitzen im Anschluss an die Impfung im Corona-Impfzentrum Messe Berlin.
Nach sechs Monaten? Im Winter? Oder doch erst nächtes Jahr – wann die Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 nötig wird, ist bisher noch unklar. Bildrechte: dpa

Im kommenden Jahr müssen möglicherweise alle gegen Covid-19 geimpften Menschen ihren Impfschutz auffrischen. Das sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, Mitte Juni. Zudem sei es denkbar, dass der Impfschutz bei einzelnen Gruppen bereits wieder nachlasse oder generell zu schwach sei.

Dass eine Booster-Impfung nötig ist, darüber herrscht auch in Mitteldeutschland Einigkeit. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen warten aber noch auf Ergebnisse aus den wissenschaftlichen Untersuchungen, bevor sie ein weiteres Vorgehen konkret planen.

Mitteldeutsche Länder noch zurückhaltend

Das sächsische Sozialministerium etwa teilte mit, man diskutiere intensiv über die sogenannten Booster-Impfungen und "sobald es eine fachliche Empfehlung gibt, werden wir in Sachsen selbstverständlich dementsprechend diese Auffrischungsimpfungen anbieten".

Auch in Thüringen warte man auf konkrete Aussagen darüber, wann welche Auffrischungsimpfung notwendig werde, erklärte das Sozialministerium. Es verwies zugleich auf die Gesundheitsministerkonferenz, wo noch einmal alle Fragen genauer beraten werden sollen.

Auffrischung auch gegen Mutationen hilfreich

Biontech-Chef Ugur Sahin rät vor allem mit Blick auf die neu entstehenden Virusvarianten zu einer Auffrischungsimpfung. Es sei zu beobachten, dass die Immunität von Geimpften mit der Zeit nachlasse und neue Varianten entstünden. "Ich gehe davon aus, dass eine dritte Impfung für die Auffrischung der Immunität von einem hohen Wert sein könnte", erklärte Sahin. Unklar sei aber, wann und wie oft eine Auffrischung notwendig wäre.

Andere Gesundheitsexperten gehen wiederum davon aus, dass der Impfschutz circa sechs Monate anhält und dann aufgefrischt werden sollte. Der Virologe Christian Drosten auf der anderen Seite rechnet mit einer Auffrischung zum Winter hin, wie er in seinem Corona-Podcast im NDR erklärte.

Klinische Studien sollen weitere Erkenntnisse bringen

Das Bundesgesundheitsministerium hält sich in punkto Booster-Impfung bislang bedeckt. Die Frage der Notwendigkeit etwaiger Auffrischungsimpfungen sowie die Dauer der Immunität nach der Impfung, werde aktuell noch in klinischen Studien untersucht, teilte eine Sprecherin mit.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich bisher noch sehr vage, wenn es um die Auffrischungsimpfung ging. Der "Bild am Sonntag" sagte er kürzlich, dass er davon ausgehe, dass die dritte Impfung möglicherweise im Winter anstehe. Die EU habe zudem schon frühzeitig Impfstoff für 2022 und 2023 bestellt – und auch Deutschland bereite bereits die nächste Impfkampagne vor. Im Sommer will Spahn sich mit Ärzten, Ärztinnen, Ländern und Kommunen treffen, um über die Organisation und die konkrete Umsetzung zu sprechen.

Impfzentren: Förderung läuft Ende September aus

Auch inwiefern Impfzentren weiter betrieben werden sollen, wird derzeit diskutiert. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge werden bestehende Impfzentren noch bis 30. September 2021 mitfinanziert. Was danach mit der Finanzierung passiert und wie es mit den Impfzentren weitergeht, sei aktuell noch Gegenstand von Diskussionen zwischen Bund und Ländern.

Aus Sicht der Länder ist es wichtig, dass die Impfzentren weiter betrieben und genutzt werden können. Vor allem, wenn im Herbst möglicherweise die ersten Auffrischungsimpfungen starten, brauche man die Infrastruktur, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller nach dem letzten Bund-Länder-Treffen.

Die notwendigen Kosten für den Betrieb von Impfzentren und auch mobilen Impfteams werden derzeit noch jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern getragen. Würde die Finanzierung weitergeführt, wäre beispielsweise Sachsen-Anhalt in der Lage, nahezu alle geschaffenen Strukturen aufrecht zu erhalten, teilte das Sozialministerium mit.

Quelle: MDR, DLF, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 22. Juni 2021 | 15:45 Uhr

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