Folgen der Krise Corona hat Einfluss auf Drogenkonsum

Nastassja von der Weiden
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Hat die Krise zu mehr oder zu weniger Drogenkonsum geführt? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Sicher ist nur, dass die Folgen der Corona-Krise in allen sozialen Bereichen nachhallen, auch in der Drogenberatung.

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Weniger Gesellschaft, mehr Langeweile, mehr Sehnsucht nach Euphorie und Entspannung: Welchen Einfluss hat Corona auf den Konsum von Drogen? Bildrechte: dpa

Corona und Drogenkonsum

Die Folgen der Corona-Krise hallen in allen sozialen Bereichen nach, auch in der Drogen- und Suchtberatung. Zum Beispiel bei den Drug Scouts in Leipzig. Das Informations-Projekt ist durch die aufsuchende Arbeit in Clubs und dem präventiven Schwerpunkt vor allem in der Partyszene gut vernetzt.

Katrin Schröder und Pia Eigenstetter sind beide Sozialarbeiterinnen und arbeiten schon mehrere Jahre gemeinsam bei den Drug Scouts. Die Frage, ob Corona zu mehr oder weniger Konsum von bestimmten Rauschmitteln und Abhängigkeiten geführt habe, lasse sich nicht pauschal beantworten, erklärt Katrin Schröder:

"Wir als Drug Scouts haben vermehrt mit Konsumentinnen und Konsumenten aus dem Partykontext zu tun. Der Konsum von speziell dort verbreiteten Drogen wie Ecstasy oder Speed ist durch die Schließung von Clubs eher zurückgegangen. Andererseits wurde uns aus anderen Projekten und Umfragen berichtet, dass der Konsum von sogenannten Downern, also Substanzen, die sedierend wirken, bei bestimmten Gruppen eher zugenommen haben. Dazu zählen zum Beispiel Cannabis und Benzodiazipine."

UN-Weltdrogenbericht

Diese Beobachtungen passen zu den Ergebnissen des aktuellen UN-Weltdrogenberichts. Die Coronakrise treibt dem Bericht zufolge mehr Menschen zum Drogenmissbrauch. Denn durch die Pandemie verstärken sich Faktoren wie Ungleichheit, Armut und psychische Probleme – Faktoren, die Drogenmissbrauch gegünstigen. Die Lage werde sich voraussichtlich auf Jahre hinaus verschlimmern.

Dem Bericht zufolge konsumierten im Jahr 2020 weltweit rund 275 Millionen Menschen Drogen, 2018 waren es noch 269 Millionen. Als möglichen Treiber sowohl für den Konsum wie auch für die Produktion illegaler Drogen nennt die UN-Behörde die wirtschaftliche Krise, die als Folge der globalen Pandemie zu Arbeitslosigkeit und Existenzängsten geführt habe.

Die weltweite Versorgung, zum Beispiel mit Kokain, sei fast ohne Probleme möglich gewesen, trotz Krise und Luftfahrteinschränkungen. Zwar seien viele Lieferketten am Anfang der Pandemie – bedingt durch Reise- und Transportbeschränkungen – unterbrochen worden. Doch die Drogenschmuggler hätten sich schnell mit der neuen Lage arrangiert und seien auf Seewege umgestiegen.

Psychische Belastungen haben Einfluss auf Drogenkonsum

Zurück nach Deutschland, genauer zurück nach Leipzig. Ein wichtiger Teil der Arbeit der Drug Scouts findet "on location", also vor Ort, zum Beispiel während einer Partynacht oder eines Festivals, statt. Dort informieren sie mit Aufklärungsbroschüren zu nachgefragten Drogen, sind für persönliche Gespräche und Nachfragen da. "Diese Arbeit fiel während der Lockdown-Zeit gänzlich weg", sagt Pia Eigenstetter.

Im letzten halben Jahr werden persönliche Beratungen, die im Lockdown nur telefonisch oder per Video-Anruf stattfinden konnten, wieder stärker nachgefragt. Die Auswirkungen der Pandemie werden aber voraussichtlich noch lange nachwirken und zeigen sich nicht ad-hoc, sagt Katrin Schröder:

"Was abzusehen ist, dass es mehr Menschen mit psychischen Problemen gibt, die durch die Krise verstärkt wurden oder aufkamen – gerade bei jungen Menschen gibt es eine starke Zunahme. Und Drogenkonsum wird von einigen als eine Bewältigungsstrategie verwendet, psychischen Herausforderungen zu begegnen. Bis sich diese Menschen entscheiden, Kontakt zu uns oder einer anderen Beratungsstelle aufzunehmen, können Monate oder Jahre vergehen."

Hilfe bei Suchtproblemen Illegale Drogen oder Alkohol beeinträchtigen Ihr Leben und Ihre psychische Gesundheit? Oder aber Essstörungen, Depression, zu viele Medikamente oder Glücksspiel belasten Sie und auch Ihre Freunde und Familie? Sie benötigen eine erste Beratung oder intensivere Unterstützung, um einen Weg aus der Abhängigkeit zu finden?

Suchtberatung bei Ihrem Kreisverband vor Ort des Deutschen Roten Kreuz finden Sie unter https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/gesundheit-und-praevention/suchtberatung/

"Drug.com" ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und bündelt Informationen zu den Themen Drogen und Sucht. Unter www.drugcom.de können Sie von Montag bis Freitag von 15 bis 17 Uhr eine Chat-Beratung in Anspruch nehmen.

Information und Beratung zum Konsum von legalen und illegalisierten Drogen durch die Drug Scouts in Leipzig ist Dienstag 9 bis 13 Uhr und Donnerstag 15 bis 19 Uhr telefonisch unter 0341 211 22 10 möglich.

Quelle: MDR AKTUELL/vdw

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. Oktober 2021 | 10:10 Uhr

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