Hörer machen Programm Gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht auch für Ehrenamtliche?

Ab dem 15. März 2022 gilt in Deutschland die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Pflege- und Krankenhauspersonal. Viele soziale Einrichtungen beschäftigen auch ehrenamtliche Mitarbeitende. Deshalb fragt sich eine Hörerin aus Chemnitz, ob man auch dann einen Impfnachweis erbringen muss, wenn man unentgeltlich in einem Pflegeberuf arbeitet.

Ehrenamt Seniorenhilfe
Ab dem 15. März gilt für Pflegeberufe eine Impfpflicht. Doch betrifft das auch ehrenamtliche Mitarbeitende? Bildrechte: Colourbox.de

Auf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten? Liane Schiewer von den sächsischen Johannitern fällt das nicht leicht.

Die Bereichsleiterin Soziale Dienste ist für 35 Pflegeeinrichtungen in Sachsen verantwortlich, in denen rund 50 Ehrenamtliche arbeiten – die, so Liane Schiewer, durchaus gebraucht werden: "Ehrenamtliche Mitarbeiter sind genauso wichtig wie hauptamtliche. Sie haben ihre Aufgaben in sozialen Einrichtungen, in den Tagespflegen besonders, auch in den Seniorenclubs. Sie helfen beim Essenausteilen mal in der Tagespflege, machen mit in der Sportgruppe oder beschäftigen sich auch mal mit jemandem einzeln. Was ein Ehrenamtlicher übernimmt, das ist immer on top."

"Heimbewohner dürfen nicht gefährdet werden"

Mit Sorge blickt Liane Schiewer auf die Zeit ab Mitte März. Denn dann dürften es in den Einrichtungen der Johanniter ein paar Ehrenamtler weniger werden.

Sie sagt: "Insgesamt ist das eine schwierige Situation. Jeder, der mit den älteren Herrschaften in Kontakt kommt, möchte ja nichts übertragen oder selbst erkranken. Und deswegen gilt für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die bei uns unterwegs sind, die Impfpflicht."

Einrichtungsbezogene Impfpflicht für jeden Tätigkeitsbereich

Die Johanniter setzen damit um, was der Gesetzgeber im Dezember mit einer Änderung im Infektionsschutzgesetz vorgeschrieben hat. Diese Änderung sieht ab Mitte März eine sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht vor. Das heißt, sie richtet sich an alle, die in einer Pflege- oder Gesundheitseinrichtung tätig sind.

Es ist also egal, ob das Personal dort haupt-, neben- oder ehrenamtlich arbeitet. Auch geringfügig Beschäftigte, Leiharbeiter, Praktikanten und Studentinnen sind eingeschlossen.

Dr. Anja Bieber von der Universität Halle, neben ihr der Text: "Ich würde fragen: Wie gut sind die Leute informiert? Wo haben die Pflegenden ihre Informationen her?" 1 min
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Impfskepsis ist auch bei Mitarbeitenden in der Pflege oder in Krankenhäusern verbreitet. Woher diese kommen könnte und was die Einrichtungsleitung dagegen tun kann, erklärt Dr. Anja Bieber von der Uni Halle.

MDR SACHSEN-ANHALT Mi 08.12.2021 18:00Uhr 00:40 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/video-corona-impfung-pflege-kritik-gruende-100.html

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Attest als Ausnahme

Das Bundesgesundheitsministerium teilt schriftlich mit: "Die Art der Beschäftigung ist hier ohne Bedeutung. Bei den von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht erfassten Personen handelt es sich beispielsweise um medizinisches bzw. Pflege- und Betreuungspersonal, einschließlich zusätzlicher Betreuungskräfte, aber auch andere dort tätige Personen wie z.B. Hausmeister und Transport-, Küchen-, oder Reinigungspersonal. Erfasst sind daher auch Auszubildende, Personen, die ihren Freiwilligendienst ableisten sowie Zeitarbeitskräfte."

Klinikmitarbeiterin erhält Corona-Impfung.
Die Impfpflicht gilt unabhängig davon, ob die Tätigkeit haupt-, neben- oder ehrenamtlich ausgeübt wird. Bildrechte: dpa

Alle Betroffenen, auch Ehrenamtler, müssen bis zum 15. März ihrer Einrichtungsleitung einen Impfnachweis vorlegen. Wer das nicht tut, der darf danach nicht mehr in der Einrichtung beschäftigt werden und soll von der Einrichtungsleitung dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Das Gesetz sieht jedoch eine Ausnahme vor: Atteste. Wer sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen kann, der kann sich eine ärztliche Bescheinigung holen. Und mit der ist die Arbeit dann doch weiterhin möglich. Diese Ausnahme kritisiert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe heftig.

Pflegeverband kritisiert Ausnahmeregelung

Präsidentin Christel Bienstein sagt: "Es reicht absolut nicht aus, ein Attest vorzulegen. Weil diese Menschen können wieder infiziert sein und würden damit im Grunde diese Infektion weitergeben."

Als Verbandspräsidentin weiß Christel Bienstein von mehreren Pflegeunternehmen, die bereits angekündigt haben, einen Schritt weiter gehen zu wollen als der Gesetzgeber. Diese Unternehmen wollen ab Mitte März auch ungeimpfte Mitarbeiter nicht mehr in ihre Einrichtungen lassen, die ein ärztliches Attest vorlegen. Auch Liane Schiewer von den Johannitern in Sachsen geht davon aus, dass ungeimpfte Ehrenamtler dann erstmal draußen bleiben müssen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Januar 2022 | 08:24 Uhr

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