Corona-Impfstoff für Kinder Zustimmung im EU-Parlament nach EMA-Freigabe

Matthias Reiche
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Die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur für die Freigabe eines Corona-Impfstoffes für Kinder ab fünf Jahren ist im EU-Parlament begrüßt worden. Nun muss noch die EU-Kommission grünes Licht für die europaweite Zulassung geben, was aber als Formsache gilt.

Corona Impung für Kinder
Die EMA hat nun den ersten Impfstoff für Kinder zwischen fünf und elf Jahren freigegeben. Bildrechte: Colourbox.de

Seit dem Sommer schnellen in vielen EU-Ländern die Infektionszahlen vor allem bei Jüngeren in die Höhe. Schwere Krankheitsverläufen treten bei Kindern selten auf, doch gebe es keinen Grund, im Umgang mit den jüngeren Altersgruppen sorglos zu sein, sagt Marco Cavaleri. Er leitet die Impfstoffstrategie der Europäischen Arzneimittelagentur.

Cavaleri sagt: "Auch Kinder können von gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer Erkrankung an COVID-19 betroffen sein. Das ist erwiesen, aber wir glauben, dass wir da bisher nur die Spitze des Eisbergs sehen, und auch noch sehr wenig über Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen wissen. Deshalb bin ich sehr froh, dass das Comirnaty genannte Vakzin von Biontech/Pfizer ab heute auch für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassen ist."

Impfung wichtig bei Vorerkrankung

Die Dosis für diese Altersgruppe werde geringer sein als für Patienten ab zwölf Jahren. Empfohlen sind zwei Injektionen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Die Entscheidung der EMA bringe in jedem Fall mehr Sicherheit, meint Peter Liese. Der CDU-Politiker ist gesundheitspolitischen Sprecher der EVP, der größten Fraktion im EU-Parlament.

Liese erklärt: "Das ist eine sehr gute Nachricht für Eltern und Kinder. Vor allem für Kinder, die an Vorerkrankungen leiden, wie Down Syndrom, Herzfehler oder Lungenerkrankungen ist es dringend notwendig, bei den jetzigen hohen Zahlen so schnell wie möglich eine Impfung zu bekommen."

Eine Hand mit einer Spritze 1 min
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Ärzte warten auf Stiko-Empfehlung

Die Entscheidung der EMA heißt allerdings nicht, dass nun auch die Impfung von Kindern empfohlen wird. Das können nur die nationalen Regierungen beziehungsweise Gesundheitsbehörden entscheiden. In Deutschland sei deshalb nun die Ständige Impfkommission gefragt, sagt Tiemo Wölken, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Europaabgeordneten.

Für Wölken ist klar: "Die Zulassung erfolgt, weil der Impfstoff sicher und erprobt ist. Deswegen erwarte ich jetzt auch, dass die Stiko schnell eine Empfehlung für Deutschland ausspricht, denn viele Ärzte und Ärztinnen warten auf diese Empfehlung."

In Deutschland stehen nach Angaben des amtierenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn ab 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Impfstoffs für Kinder zur Verfügung. Angesichts der Pandemieentwicklung wäre schwer nachvollziehbar, wenn bis dahin die Empfehlung Stiko nicht vorliegen würde, glaubt auch Jutta Paulus.

Die Pharmazeutin sitzt für Bündnis90/Die Grünen im EU-Parlament und sagt: "Selbstverständlich besteht die Gefahr, dass bisher unerkannte Impfnebenwirkungen auf Kinder und Jugendliche einen negativen Einfluss haben. Aber leider besteht ja auch die Gefahr, dass eine Infektion mit dem Virus Langzeitfolgen nach sich ziehen wird, die diese Menschen ein Leben lang begleiten werden."

Moderna-Impfstpoff wird geprüft

Die Experten der Ständigen Impfkommission argumentieren, dass die Zahlen aus den aktuellen Studien noch nicht ausreichten, um seltene Nebenwirkungen auszuschließen. Ein Restrisiko, das nun mit dem Nutzen der Injektion abzuwägen ist. Unterdessen könnte es sehr bald einen zweiten Impfstoff für Kinder geben.

So sind die EMA-Impfexperten dabei, einen entsprechenden Antrag des US-Herstellers Moderna zu prüfen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2021 | 06:00 Uhr

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