Bei Ende kostenloser Bürgertests Corona-Testzentren wollen Betrieb aufrechterhalten

Das Angebot kostenloser Schnelltests wird bald abgeschafft. Dass dort dann bezahlt werden muss, bedeutet aber nicht automatisch die Schließung aller Testzentren. Viele Betreiber sehen sich in der Verantwortung, zunächst weiterzumachen.

Ein Mitarbeiter testet einen Mann an einer Corona-Teststation.
Auch wenn Corona-Schnelltests künftig kostenpflichtig werden sollen, wollen viele Testzentren ihren Betrieb vorerst nicht einstellen. Bildrechte: dpa

Das Testzentrum am Marktplatz in Halle ist eines der letzten seiner Art hier. Die meisten Läden sind zu ihrem Kerngeschäft zurückgekehrt und die Pop-Up-Testzelte sind verschwunden. Das Alltagsleben läuft wieder ohne Nachweis und Stäbchen in der Nase.

Martin Roschig ist Mitinhaber der Halloren Apotheke und Betreiber des Testzentrums am Marktplatz. Er beobachtet zwei Gruppen, die jetzt noch zum Coronatest kommen: "Zum einen Leute, die aus irgendwelchen Gründen den Eindruck haben, es hat sie dann jetzt doch erwischt mit Corona. Und dann gibt es auch eine ganze Reihe von Menschen, die sich wohl daran gewöhnt haben." Der Selbsttest für zu Hause koste Geld, das sei hier nicht der Fall. "Auch an das Sicherheitsniveau haben sich die Leute gewöhnt."

Doch die Nachfrage sei erheblich gesunken, sagt Roschig. Von seinen insgesamt vier Teststellen hat er bereits eine schließen müssen – die gegenüber vom Baumarkt habe sich nicht mehr gelohnt.

DRK: Testen habe sich im Laufe der Pandemie verändert

Das Testen hat sich im Laufe der Pandemie verändert, beobachtet auch Katja Fischer vom DRK Landesverband Sachsen-Anhalt: "Wir haben jetzt eine feste Teststation an einem großen Krankenhaus in Halle, weil die Besucher, die dort ihre Angehörigen besuchen wollen, einen Test mitbringen müssen, um als Besucher reinzukommen." Gleiches gilt für Pflegeeinrichtungen, Alten- und Behindertenheime, so Katja Fischer.

Bis zum 30. Juni sollen die kostenlosen Bürgertests weiterhin angeboten werden, teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage von MDR AKTUELL mit. Immerhin haben sie den Staat seit ihrer Einführung im März vergangenes Jahr über zehn Milliarden Euro gekostet.

Wirtschaftlichkeit fraglich

Doch was bedeutet das für die Betreiber, wenn die Tests künftig kostenpflichtig werden? Martin Roschig erklärt: Es ändere schon etwas, wenn man denn weitermachen wolle, da man dann Bargeldverkehr habe. Das wäre aber kein großer Akt, denn im Oktober habe man diese Situation schon einmal gehabt. "Die Frage ist dann, ob es noch wirtschaftlich ist", sagt Roschig.

Um mindestens ein Plus-Minus-Null-Geschäft zu machen, müsse er 20 Euro für den Schnelltest verlangen, erzählt Martin Roschig.

Doch Durchhalten lohnt sich manchmal.

Bitte der Gesundheitsämter: keine vorschnelle Schließung

Der Magdeburger Florian Seidel arbeitet eigentlich im Event-Bereich. Weil das in der Pandemie nicht möglich war, hat er ein Testzentrum im Elbepark eröffnet. Als dann im November die kostenlosen Bürgertests wieder eingeführt wurden, war die Nachfrage so groß, dass Seidel ein zweites Testzentrum in Wolmirstedt im Landkreis Börde eröffnet hat. Zu Hochzeiten wurden in seinen beiden Zentren täglich bis zu 600 Corona-Tests durchgeführt.

Nun sind es eher die Hälfte oder gar ein Viertel. Florian Seidel will das Angebot zumindest so lange aufrechterhalten, wie Bedarf da ist und er schwarze Zahlen schreiben kann: Es seien nicht so viele Tests, dass man sagen könnte, "man macht nochmal den großen Umsatz". Es sei aber wichtig, die Testkapazitäten auch in den Landkreisen aufrecht zu erhalten. "Denn auch die Gesundheitsämter kommen zu uns und sagen: Bitte macht nicht sofort zu", erzählt Seidel.

Weiterhin Bereitschaft freiwilliger Helfer

Einfacher hat es da das DRK. Die Hilfsorganisation muss keinen Profit machen und kann flexibel auf die Coronatest-Nachfrage reagieren. "Wir haben uns durch diese zwei Jahre Pandemie einen großen Pool an ungebundenen Helfern in der Stadt Halle aufgebaut", sagt Katja Fischer. Man habe etwa 250 Menschen in der Hinterhand, die sich bei Bedarf als "Kurzzeit"-Engagierte anheuern ließen.

Auch wenn Martin Roschig mit seinem Kerngeschäft, der Apotheke, sehr zufrieden ist, das Testzentrum am Marktplatz in Halle will er mindestens bis zum Herbst betreiben – auch wenn die Tests kostenpflichtig werden. Es wünsche sich keiner, "nicht einmal wir", dass ein großer Bedarf wiederkomme, "aber so ganz sicher kann man sich ja nicht sein, dass es wirklich vorbei ist."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2022 | 08:17 Uhr

2 Kommentare

Euphemismus vor 14 Wochen

Wenn die MDR Meldungen im Rückspiegel betrachtet falsch waren, sind dann die MDR schaffenden für diese Art spezieller Fakenews verantwortlich? oder sind es die die immer falsch abschreiben?

MDR-Team vor 14 Wochen

Lieber User, was genau meinen Sie? Wenn Sie uns Fake News vorwerfen, dann bitte mit Belegen. Liebe Grüße

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