Diskussion um Corona-Lockerungen Wie können Geimpfte und Genesene ihren Status nachweisen?

Schrittweise zurück zur Normalität – das will die Bundesregierung erreichen, indem sie Geimpfte und Genesene gleichsetzt mit Leuten, die einen aktuellen negativen Coronatest vorweisen können, zum Beispiel beim Friseur, beim Shoppen oder künftig dann auch im Kino oder Restaurant. Wie weise ich dort dann aber nach, dass ich genesen oder geimpft bin? Und was kommt auf die Inhaberinnen und Inhaber zu?

Frau zeigt Smartphone mit digitalem europäischen Impfpass mit QR-Code
Bildrechte: imago images/Michael Weber

Im ländlichen Neugersdorf an der tschechischen Grenze führt Anke Kothe einen Laden. Dort gibt es alles Mögliche: Töpfe, Geschenkartikel, Deko, Keramik. Eigentlich dürfte sie nur Kundschaft mit negativem Test bedienen. Um dieser Hürde auszuweichen, hat sie kurzer Hand Hygieneartikel in ihr Sortiment aufgenommen. Drogerien darf man ja schließlich auch ohne Test betreten.

Ungerecht findet sie das – ebenso wie den Plan, Genesene und Geimpfte gleichzusetzen mit denen, die einen negativen Test haben, zumindest solange es nicht genügend Impfstoff gibt. Als Inhaberin fühlt sich Anke Kothe außerdem weder dazu berechtigt noch dazu in der Lage, Impfausweise oder andere Nachweise zu kontrollieren. "Es kommt ja schnell mal jemand zur Tür rein, wenn man gerade mit einem anderen Kunden beschäftigt ist und dann jedes Mal wegzurennen und den nächsten Kunden zu fragen, ob er geimpft ist, halte ich eigentlich nicht für durchführbar."

Gastronomie fiebert Lockerungen entgegen

Was für die Einzelhändlerin nicht alltagstauglich klingt, klingt für Axel Klein nach einem Hoffnungsschimmer. Er ist Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen. "Wir sind davon als Gastronomie ja sehr abhängig, dass es wieder losgeht." Seit mittlerweile sechs Monaten habe man durchgängig geschlossen. "Und unser Heil und unsere Lösung besteht darin, wieder eine Öffnung hinzubekommen."

Klein begrüßt also ausdrücklich, dass Getestete, Geimpfte und Genesene nun deutschlandweit gleichgestellt werden sollen und hofft auf eine schnelle Öffnung von Hotels und Gaststätten. Probleme bei den Kontrollen sieht er nicht: "Der Getestete oder Geimpfte bekommt also so eine Art digitalen Ausweis, mit dem er sich dann beim Eingang ins Restaurant ausweist. Der wird gescannt und dann ist auch klar, wie lang er geimpft ist."

Impf- und Genesenenausweise sollen Nachweis bringen

Eine schnelle Öffnung von Hotels und Gaststätten sieht Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, bei Inzidenzwerten jenseits von einhundert nicht in greifbarer Nähe. Aber grundsätzlich sei das mit diesem Ausweis schon so gedacht. "Es wird einen Impfausweis geben, entweder digital oder aus Papier. Es wird einen sogenannten Genesenenausweis geben, aus Papier oder digital." Sobald die Ausgangsbeschränkungen nicht mehr für die Geimpften und Genesenen gälten, könne man so zum Beispiel der Polizei beweisen: "Ich bin geimpft oder ich habe die Krankheit schon durchgemacht."

Perspektivisch solle die Corona-Warnapp den Status anzeigen können. Zusätzlich sei ein digitaler Impfnachweis in der Planung: "Insbesondere in der Arztpraxis oder im Impfzentrum wird dann ein Barcode generiert. Man kann den abscannen und das wird dann auf eine Impfnachweis-App transportiert." Fragen und Antworten zur Corona-Impfung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen finden Sie hier.

Wirkungsdauer der Corona-Impfung weiterhin unklar

Als Nachweise könnten laut Karin Maag aber auch schlicht der gelbe Impfausweis oder ein positiver PCR-Test dienen – vorausgesetzt, er sei weder zu jung noch zu alt. "Sie haben den PCR-Test gemacht. 28 Tage danach bis zu sechs Monate, dann brauchen Sie eine Auffrischungsimpfung." Da genüge dann aber eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten und dann sei die Virenlast wieder so, dass man niemanden anstecken könne.

Wie lang die Impfung halte, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. Dazu fehlten belastbare wissenschaftliche Aussagen. Was die Gesundheitspolitikerin aber sagen kann: Die Gleichstellung von Genesenen, Geimpften und Getesteten nahe. Karin Maag ist guter Dinge, dass die Verordnung am Samstag in Kraft tritt – und damit auch die Lockerung von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für sie.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2021 | 06:07 Uhr

231 Kommentare

Klarheit vor 23 Wochen

sie haben das schon genau richtig wieder gegeben , ich habe das Interview/den Beitrag auch gehört und die Aussage war eindeutig - in Nasen /Rachenschleimhaut sind die Viren weiterhin aktiv und die Person infektiös , können also andere weiter infizieren !
Zudem wies der Wissenschaftler darauf hin das bis zu 25% der geimpften nicht ausreichend Schutz entwickeln !

Mir ein Rätsel wie unter diesen Gesichtspunkten heute im Bundestag die Privilegien für geimpfte beschlossen werden konnten !

Ernst678 vor 23 Wochen

Man kann sich nie sicher sein, weder beim PCR-Test und besonders nicht bei Schnell- und Selbsttests. Es gibt sogar sehr viele die garkeine Symptome haben. Ich habe es vorsorglich getan und das war der Lage entsprechend richtig richtig und Zweckmäßig, besonders in Zeiten wo es Erkältung und Grippe garnicht mehr zu geben scheint. Seitdem hatte ich nie wieder Symptome, also war meine Entscheidung absolut richtig! Und nun bin ich gespannt welcher Bockmist wieder bei "Privilegien" für Genesene gemacht wird. Sie selbst erkennen ja, man kann aus der Gruppe der Genesenen ratzfatz wieder rausfallen. Was nun? Doch noch Impfzwang für alle, da man Genesene nicht sicher einordnen kann?

Ernst678 vor 23 Wochen

Respekt! Sie haben nun ein weiteres Land entdeckt wo die meisten Menschen gestorben sind. Und was Staatsbankrott betrifft, sehen Sie sich mal den Schuldenberg Deutschlands an, daran werden ihre Urenkel noch abzustatten haben. Wahrlich ist nicht alles Gold was glänzt, auch hierzulande nicht.

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