Hörer machen Programm Hochdosierter Grippe-Impfstoff verhindert 30 Prozent mehr Infektionen

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie ist die anstehende Grippe-Saison etwas in den Hintergrund gerückt. Für Menschen über 60 hat die Ständige Impfkommission einen neuen Impfstoff empfohlen, der viermal so hoch dosiert ist wie üblich. MDR AKTUELL-Hörer Andreas Bolda aus Würzburg fragt sich, wie es um die "Reaktogenität" und vor allem die Wirkung bestellt ist und ob es wirklich sinnvoll ist, sich damit impfen zu lassen.

Spritze mit Aufschrift 'Influenza-Impfstoff'
Nach der Impfung ist vor der Impfung – gegen die Grippe gibt es diesmal auch einen speziellen Impfstoff für ältere Menschen. Bildrechte: imago images / Laci Perenyi

Reaktogenität ist der Fachausdruck für das, was im Zusammenhang mit den Corona-Impfungen schon sehr häufig thematisiert wurde: Es handelt sich dabei um die Fähigkeit eines Vakzins, Impfreaktionen hervorzurufen – also etwa Schmerzen, Schwellungen und Rötungen. Nun liegt die Vermutung nahe, dass ein vierfach höher dosierter Impfstoff auch stärkere Reaktionen hervorruft. Und so ist es auch.

Stärkere Reaktionen trotzdem nicht bedenklich

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist die besagte Reaktogenität höher als bei konventionellen Grippe-Vakzinen. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass die genannten Impfreaktionen auftreten und auch intensiver sind, ist höher.

Große Bedenken müsse man aber nicht haben, sagt Jan Anastassis Skuras, Vorstandsmitglied im sächsischen Hausärzteverband: "Natürlich ist es nicht so, dass jetzt große und schwere Nebenwirkungen auftreten. Eher handelt es sich hier um lokale Befunde, zum Beispiel Rötungen an der Impfstelle oder Juckreiz, Fieber vielleicht, Kopfschmerzen. Aber nicht mehr, und schwerwiegende Komplikationen, die treten nicht auf." Wie bei den Corona-Impfstoffen gelte aber auch hier: Die Beschwerden klingen in der Regel nach wenigen Tagen von alleine wieder ab.

Bis zu 250.000 zusätzliche Fälle könnten verhindert werden

Und wie steht es um die Wirkung? Mehrere Studien zeigen, dass der hoch dosierte Impfstoff bei Erwachsenen ab 65 besser gegen die Grippe-Erreger wirkt. Dazu erklärt Professor Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uni-Klinikum Jena: "Es gibt hier unterschiedliche Studien. Und da gab es zwei Studien, die gezeigt haben, dass es eine Wirksamkeitssteigerung von etwa 30 Prozent gibt – dass man also 30 Prozent mehr Infektionen bei den mit Hochdosis-Impfstoff Geimpften verhindern kann."

Die Ständige Impfkommission habe vor ihrer Empfehlung alle verfügbaren Studien ausgewertet. Bei ihren Kalkulationen sei die Stiko erfahrungsgemäß konservativ und sehr gewissenhaft, sagt Pletz. Man sei dort davon ausgegangen, dass das neue Vakzin nur um 15 Prozent wirksamer ist als die konventionellen Impfstoffe. Selbst mit diesem niedrigen Wert könnten der Stiko zufolge bis zu 250.000 zusätzliche Grippefälle verhindert werden.

Neuer Impfstoff nicht als Booster gedacht

Wer die Grippeschutzimpfung mit einem konventionellen Impfstoff aber womöglich schon hinter sich habe, der müsse sich nicht etwa nachimpfen lassen, sagt Amrei von Braun, Oberärztin im Bereich Infektiologie und Tropenmedizin an der Uniklinik Leipzig: "Wenn die normale Grippeschutzimpfung erfolgt ist, dann hat man eigentlich schon alles richtig gemacht und braucht sich eigentlich keine weiteren Gedanken über den hoch dosierten Impfstoff zu machen. Denn der konventionelle Impfstoff schützt auch gut. Es ist mehr eine Frage des Zugangs. Es gibt nur ein eher geringes Kontingent dieses hoch dosierten Impfstoffes."

Und so rät auch die Stiko davon ab, sich in solch einem Fall zweimal impfen zu lassen – zumal der Grippeimpfstoff nicht als Booster entwickelt worden sei. Somit lässt sich zusammenfassen: Der hoch dosierte Impfstoff schützt besser, ist aber nur in Maßen verfügbar und sollte deswegen vor allem denjenigen verabreicht werden, deren Immunsystem ihn besser gebrauchen können.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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