Corona-Pandemie Aus finanzieller Not vom IT-Experten zum Hacker

Die Pandemie ist in allen Bereichen des Lebens allgegenwärtig. Auch am Computer. Viele Menschen arbeiten von Zuhause aus. Sie nutzen dort ihr eigenes WLAN und vielleicht sogar ihren eigenen Rechner – also Systeme, die Hacker viel einfacher angreifen können. Und manche Experten befürchten sogar, dass Hackerangriffe auch aus einem anderen Grund zunehmen können: Weil IT-Experten arbeitslos werden und die Seiten wechseln.

Illustration - In der Brille eines Mannes spiegelt sich grüne Nullen und Einsen eines Bildschirmes.
IT-Experten, die durch Corona in finanzielle Schieflage geraten, könnten selbst ein Sicherheitsrisiko darstellen. Bildrechte: dpa

Denken wie ein Hacker. Das gehört zum Alltagsgeschäft von Marian Kogler. Der Chef der Firma Syret aus Halle führt auch sogenannte Penetration-Tests durch. Bei denen versucht er, in die Computersysteme seiner Auftraggeber einzudringen – manchmal testet er sogar, ob er direkt in die Büros und an die Rechner kommt.

Kogler befürchtet, dass die Pandemie für mehr Hackerangriffe sorgt. Man habe das in der Wirtschaftskrise 2007 bis 2009 gesehen: "Wenn es in einer Wirtschaftskrise zu höherer Arbeitslosigkeit kommt, auch unter ITlern, da kommt der eine oder andere schon auf die Idee, ich könnte doch jetzt eigentlich Unternehmen angreifen, dort zum Beispiel Lösegeld erpressen und dann auf diese Art und Weise meinen Lebensunterhalt finanzieren."

Wirtschaftlicher Druck macht ITler zu Hackern

IT-Experten, die aus wirtschaftlichem Druck die Seiten wechseln – das komme vor allem in Ländern Osteuropas, Asiens oder Afrikas vor, in denen es keine ausreichende Existenzsicherung gäbe, sagt Kogler. Sie würden dann selbst zum Erpresser werden oder einen Auftrag annehmen, um Geld zu verdienen, entweder aus eigenem Antrieb, oder "die andere Möglichkeit ist natürlich, dass es da aktive Rekrutierungen gibt. Tatsächlich auch über ganz helle Wege, nicht irgendwo im Darknet, sondern über LinkedIn, wo der Kontakt hergestellt wird und dann vielleicht über eine andere Plattform, auf der die kriminelle Idee diskutiert wird." Es sei auch durchaus bekannt, dass LinkedIn genutzt werde von Geheimdiensten oder von Kriminellen, um da Kontakte zu knüpfen.

LinkedIn ist das Netzwerk für Geschäftskontakte und gehört zu Microsoft. Jeder kann dort seine Berufserfahrung angeben und wer einen Menschen mit bestimmten Fähigkeiten sucht, wird dort entsprechend fündig.

Die meisten haben ein ethisches Grundgerüst

Für Kogler ist aber auch klar: Die meisten IT-Experten haben ein ethisches Grundgerüst und kämen nie auf die Idee, bewusst etwas Kriminelles zu tun. Das habe er weder beim Studium in Wien nach an der Uni Halle gesehen, sagt der Firmenchef. "Ich kann jetzt nur von meinem Studium sprechen. Da haben solche Aspekte auch eine Rolle gespielt. Aber im Endeffekt ist es so, wenn jemand sich dafür entscheidet, auf die kriminelle Seite zu wechseln – und er sagt, ich habe da jetzt keine Probleme damit, Erpressungen zu starten – dann kann die beste Ausbildung nichts dagegen tun."

Und gegen die Machenschaften von Kriminellen nützen mitunter nicht einmal die Softwarelösungen, die eigentlich gegen Schwachstellen in der Software helfen sollen. Denn die Lösungen können von Kriminellen dazu benutzt werden, die Schwachstelle erst recht zu finden – Systeme, die nicht auf dem neuesten Stand sind, werden dann gnadenlos angegriffen. Wenn Kriminelle also wissen, welche Löcher gestopft werden müssen, können sie die offenen Löcher umso einfacher finden.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 11. April 2021 | 06:00 Uhr

4 Kommentare

Freies Moria vor 4 Wochen

IT Experten arbeitslos? Das kann nur in Digital-Deutschland passieren. Dem Land wo alle unterm Datenschutz leiden, aber die Schulen medizinische Testdaten vor der ganzen Klasse zelebrieren.
Ganz im Ernst: Echte IT Experten sind niemals arbeitslos, außer sie wollen diesen Zustand. Denn sie können sich hinsetzen, und rein aus der Kraft ihres Geistes etwas neues schaffen, das sich meist sogar verkaufen läßt. Wirklich guten ITlern reicht dazu sogar Bleistift und Papier, aber diese Leute arbeiten meist nicht mehr in Deutschland.

kleinerfrontkaempfer vor 4 Wochen

Wer will da wo eine Grenze ziehen. Kriminelle werden immer einen Schritt voraus sein. Wettlauf Hase - Igel.
Und wenn ein Kanzlerin-Mobilphone gehackt und abgehört wird ist das sicher die (fahrlässig) bekannt gewordene Spitze eines gewaltigen Eisberges.

wer auch immer vor 4 Wochen

In der Not vom :
Kriminalkommissar zum Verbrecher
Einkaufskunden zum Ladendieb
usw.

In der Not frisst der Teufel Fliegen !
Pfui sage ich da nur !

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