Deutscher Herzbericht 2020 Corona verschlechtert Versorgungslage von Herzpatienten

Herzpatienten haben ein erhöhtes Risiko, bei einer Corona-Erkrankung einen schweren Verlauf zu erleiden, sagt Herzspezialist Prof. Thomas Voigtländer. Das Herauszögern von Herzbehandlungen verstärke dies noch.

Stethoskop und EKG Kurve
In der Corona-Pandemie haben Herzpatienten häufiger Termine hinausgezögert. Bildrechte: imago images/McPHOTO

Die COVID-19-Pandemie birgt spezielle Risiken für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das zeigt der aktuelle Deutsche Herzbericht 2020, der die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin darstellt.

"Die Pandemie hat besonders starke Auswirkungen auf Herzpatienten – zum einen, weil sie ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Verlauf zu erleiden oder zu sterben, zum anderen, weil Nicht-Infizierte zögern, bei akuten Beschwerden den Notarzt zu rufen", warnt Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Professor Voigtländer
Prof. Dr. Thomas Voigtländer ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Bildrechte: Deutsche Herzstiftung e.V.

Bluthochdruck und Herzschwäche erhöhen Risiko für schweren Verlauf

Mehr als 10.000 COVID-19-Patienten sind in einer Studie beobachtet worden, die während der ersten Pandemie-Welle zwischen 26. und 20. Februar 2020 stationär behandelt und zum Teil beatmet werden mussten. 55,6 Prozent der Patienten hatte als Vorerkrankungen eine arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und 19,6 Prozent eine Herzinsuffizienz angegeben.

Eine groß angelegte Metaanalyse von 77 Studien aus verschiedenen Ländern unter Berücksichtigung knapp 39.000 stationär behandelter COVID-19-Patienten bestätigt diese Beobachtungen. "Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig gerade in Pandemiezeiten eine konsequente Behandlung der Herz-Vorerkrankungen ist, um das Risiko eines schweren oder gar kritischen COVID-19-Verlaufs zu minimieren", betont der Kardiologe und Intensivmediziner Prof. Voigtländer.

Long-COVID eher untypisch für Herzpatienten

Langfristig kann eine Infektion mit COVID-19 Folgen für das Herz haben. Beispielsweise wurden auch zwei Monate nach der Infektion Veränderungen des Herzens festgestellt. Insgesamt sind die Folgeerscheinungen der sogenannten "Long-COVID"-Symptomatik aber eher unspezifisch für Herzpatienten.

Weniger Diagnosen, höhere Sterblichkeit

Vor allem während der ersten Welle zögerten Patienten mit akuten Beschwerden des Herz-Kreislaufsystems zum Arzt zu gehen oder mieden Routineuntersuchungen. Einen Anstieg der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen während eines strikten Lockdowns hat eine Untersuchung von Daten hessischer Krankenhäuser im Zeitraum 23. März bis 26. April 2020 belegen können.

7,6 Prozent mehr Menschen als im selben Zeitraum des Vorjahres waren demnach an einer Herz-Kreislauf-Komplikation gestorben, während die Sterblichkeit allein durch eine Herzerkrankung um 11,8 Prozent höher war. Im selben Zeitraum sank in den 26 Kliniken, die an der Untersuchung teilnahmen die Zahl der Herzkathetereingriffe um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Studienautoren vermuten, dass der Sterblichkeitsanstieg nicht allein mit SARS-CoV-2-Infektionen zu erklären ist, sondern dass Patienten viel später als üblich in die Kliniken kamen und dadurch deren Herz- oder Gefäßkomplikationen verzögert medizinisch versorgt wurden.

Ein Blick in andere Länder

Die Auswirkungen zeigten sich vor allem in den zeitweiligen Corona-Hotspots. In der Lombardei beispielsweise hatte die Zahl der plötzlichen Herzstillstände im Zeitraum vom 21. Februar 2020 bis zum 31. März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent zugenommen. Gleichzeitig war der Anteil der Patienten, die lebend das Krankenhaus erreichten, von 19,8 auf 8,6 Prozent geschrumpft. Eine ähnliche Entwicklung zeigt auch eine Studie aus Paris.

In New York war die Zahl der plötzlichen Herzstillstände im Zeitraum vom 1. März 2020 und dem 25. April 2020 im Vergleich zum Vorjahr sogar um das Dreifache gestiegen. "Es ist zu befürchten, dass die verzögerte oder überhaupt nicht durchgeführte Diagnostik erhebliche Langzeitfolgen für die kardiovaskuläre Gesundheit haben wird", betonen die Autoren der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) im Herzbericht.

Hier den ganzen Bericht lesen

Quelle: Hauptsache gesund /mk

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 06. Mai 2021 | 21:00 Uhr

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