Helmholtz-Studie Hohe Dunkelziffer bei infizierten Kindern

Schulen auf oder zu, Testpflicht in Kitas ja oder nein? Seit Beginn der Pandemie wird gerätselt, wie häufig Kinder an Corona erkranken und ob sie das Virus übertragen, obwohl sie symptomfrei sind. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums in München belegt nun, dass sich Kinder häufiger als gedacht infizieren.

Eine Schülerin träufelt in einem Klassenraum im "֖kumenischen Domgymnasium" eine Lösung nach einem selbst durchgeführten Corona-Test auf einen SARS-CoV-2-Antigentest.
In Bayern haben sich drei- bis viermal so viele Kinder mit Corona infiziert, als über PCR-Tests gemeldet wurden. Das ergab eine Studie des Helmholtz-Zentrums in München, die jetzt veröffentlicht wurde. Bildrechte: dpa

Kinder infizieren sich deutlich häufiger mit dem Coronavirus als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in München. Studienleiter Markus Hippich sagte dem MDR, in der zweiten Coronawelle hätten sich in Bayern drei- bis viermal so viele Kinder mit Corona infiziert, als über PCR-Tests gemeldet wurden.

Im Testzeitraum von November 2020 bis Februar 2021 wurden bei 5,6 Prozent der Vorschulkinder Antikörper nachgewiesen. Bei den Schulkindern seien es sogar 8,4 Prozent gewesen. Diesen erheblichen Unterschied zwischen Antikörper-Screening und den PCR-Tests erklären die Wissenschaftler damit, dass die Infektion bei Kindern sehr häufig mit wenigen oder gar keinen Symptomen stattfindet.

Von den 446 Kindern, die in der zweiten Welle positiv getestet wurden, füllten mehr als 90 Prozent einen Fragebogen zu Symptomen aus. Der Anteil positiver Kinder ohne Symptome lag bei den Vorschulkindern bei 68 Prozent. Bei den Schulkindern waren es immer noch knapp mehr als die Hälfte.

Die Forscher hatten für die Studie Blutdaten von 11.400 Kindern ausgewertet. Ursprünglich untersuchte die Studie Kinder in Bayern anhand von Blutproben auf Frühmarker von Diabetes Typ 1. Mit Beginn der Coronakrise 2020 erweiterten die Wissenschaftler die Studie auf Antikörper gegen Sars-CoV-2. Schon damals waren bayernweit sechsmal mehr Kinder mit dem Virus infiziert, als über PCR-Tests nachgewiesen worden waren.

Zudem wurde in der Studie belegt, dass Antikörper auch bei Kindern über mehrere Monate hinweg nachweisbar sind. Unklar ist aber noch immer, welche Rolle symptomfrei Infizierte bei der Ausbreitung des Virus spielen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 10. April 2021 | 12:00 Uhr

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