Urteil am Bundessozialgericht Vom Bett zum Schreibtisch: Arbeitsweg im Homeoffice ist versichert

Stürzt eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer auf dem Weg vom Schlafzimmer in seinen häuslichen Arbeitsbereich, besteht Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung. Das hat das Bundessozialgericht in Kassel entschieden. Bisher galt der Versicherungsschutz erst beim Betreten des Arbeitszimmers.

Eine Frau sitzt zuhause an einem Esstisch und telefoniert. Vor ihr steht ein Laptop.
Wer sich auf dem Weg vom Bett an den heimischen Arbeitsplatz verletzt, hat künftig Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Bildrechte: dpa

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice stehen auch auf dem Weg zur erstmaligen Arbeitsaufnahme in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Maßgeblich ist die "Handlungstendenz" hin zur beruflichen Tätigkeit, wie am Mittwoch das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel entschied. Dies gelte auch für Unfälle vor der jüngsten Gesetzesänderung im Juni. (Az: B 2 U 4/21 R)

Weg vom Schlafzimmer ins Homeoffice gilt als Arbeitsweg

Der Kläger, ein Angestellter im Außendienst, ist bereits im Jahr 2018 auf dem Weg vom Schlafzimmer zum häuslichen Arbeitszimmer ein Stockwerk tiefer auf der Wendeltreppe ausgerutscht und gestürzt. Dabei hatte er sich einen Brustwirbel gebrochen. Die zuständige Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik erkannte den Sturz jedoch nicht als versicherten Wegeunfall an.

Obwohl der Unfall schon länger zurückliegt, hatte der Klägeranwalt auch auf die Corona-Pandemie verwiesen. Diese zeige, wie wichtig ein guter Schutz der Arbeitnehmer auch im Homeoffice sei.

Kläger erhält übliche Leistungen der Unfallversicherung

Das Gericht sprach dem Kläger nun Leistungen der Unfallversicherung zu. Neben den Behandlungskosten können das, je nach Unfallfolgen, auch Rentenzahlungen sein. Zur Begründung erklärte das BSG, der Weg auf der Treppe habe in einem engen Zusammenhang mit der Arbeit gestanden. Der Verkaufsleiter habe seine Arbeit aufnehmen wollen. Diese "objektive Handlungstendenz" sei entscheidend. Die Kasseler Richter betonten, dass dies unabhängig von einer Gesetzesänderung zum 18. Juni 2021 gilt und auch vorher galt. Nach der Neuregelung besteht Unfallschutz im Homeoffice "in gleichem Umfang wie bei Ausübung der Tätigkeit auf der Unternehmensstätte".

Die Gesetzesänderung sichert die neuere BSG-Rechtsprechung ab, wonach auch betriebliche Wege innerhalb der Wohnung versichert sind, künftig auch Wege bis zur Küchentür, um zu essen oder zu trinken.

Quelle: MDR AKTUELL(nvm)

Dieses Thema im Programm: 08. Dezember 2021 | 07:15 Uhr

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