Hospitalisierung und Impfungen Neue Maßstäbe zur Bewertung der Coronavirus-Pandemie kommen

Kurz vor der Abstimmung über neue Maßstäbe zur Bewertung der Coronavirus-Pandemie im Bundesrat ist zumindest für die Hospitalisierungs-Inzidenzen noch klar geworden, dass sie regionalisiert vorliegen werden. Nicht ganz klar ist das – zumindest in Mitteldeutschland – für die regionalen Impfquoten.

Das Team eines Intensivtransportwagens fährt auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg einen Covid-19-Patienten, der aus einem anderen Krankenhaus verlegt wurde, auf einer Intensivtrage.
Einlieferung eines Covid-19-Patienten in ein Krankenhaus: Wie es hier aussieht, soll der wichtigste Maßstab für Infektionsschutzmaßnahmen werden. Bildrechte: dpa

Kurz vor der Abstimmung im Bundesrat über neue Maßstäbe zur Bewertung der Lage in der Coronavirus-Pandemie ist deren Erhebung zumindest in Teilen klarer geworden. Das Robert Koch-Institut (RKI) bestätigte MDR AKTUELL auf Nachfrage, dass tagesaktuelle Daten zur sogenannten Hospitalisierungs-Inzidenz demnächst abrufbar würden. Das sei in Arbeit, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher.

Bisher liefert das RKI regionale Zahlen der Krankenhaus-Einweisungen von Covid-19-Patienten pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen nur wöchentlich. Der Wert soll nun aber der wesentliche Maßstab für die Beurteilung der Pandemie-Lage in Deutschland und so für die Festlegung von Infektionsschutz-Maßnahmen werden, um die Sieben-Tage-Inzidenz in dieser zentralen Funktion ablösen.

Daten werden regionalisiert erhoben

Glasmacher sagte auch, dass Krankenhäuser die Einweisungen an die Gesundheitsämter melden, die für die Wohnorte der Patienten zuständig sind. Demnach steht nicht zu befürchten, dass die Lagebilder für größere Krankenhaus-Standorte mit vielen Einweisungen auch aus anderen Regionen verzerrt werden. Die Hospitalisierungs-Inzidenz wird demnach also regionalisiert ermittelt.

Die Berechnung erfolgt laut RKI auf Basis des Meldedatums an das lokale Gesundheitsamt. Zwischen einer Infektion und der Krankenhauseinweisung von Patienten vergehen im Schnitt allerdings etwa zehn Tage, weshalb dieser Wert die aktuelle Covid-19-Infektionslage nur deutlich verzögert wiedergeben kann.

Nach der im Bundestags-Gesundheitsausschuss beratenen Änderung des Infektionsschutzgesetzes soll zwar die Hospitalisierung der "wesentliche Maßstab" für zu ergreifende Maßnahmen werden. Es sollten jedoch weiter auch auch andere Indikatoren berücksichtigt werden – eine Sieben-Tage-Inzidenz nach Altersgruppen, die Kapazität an verfügbaren Intensivbetten in Kliniken und die Impfquote.

Probleme bei den regionalen Impfquoten

Bei der Ermittlung regionaler Impfquoten gibt es jedoch Probleme, denn bisher werden geimpfte Menschen nicht überall auch ihren Wohnorten zugerechnet. Die offiziellen Angaben in Sachsen etwa beziehen sich nach wie vor auf die Impforte, nicht aber auf die tatsächlichen Wohnorte, da seit Beginn der Impfkampagne der Impfort frei gewählt werden konnte. Offiziell heiß es daher: "Eine valide Aussage über die Durchimpfung der Bevölkerung in einem bestimmten Landkreis ist damit nicht möglich." Ob und wie dieses Problem gelöst werden soll, ist noch offen.

Gleiches gilt aktuell auch für Sachsen-Anhalt. Etwas anders ist es dagegen in Thüringen, wo nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung die Impfungen in den Impfstellen und Impfzentren gemäß Impfverordnung des Bundes nach Postleitzahlen erfasst werden. Dies geschieht zwar auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Daten werden bislang aber nicht entsprechend ausgewertet.

Doch auch in Thüringen kann es laut KVT zu regionalen Verzerrungen kommen, denn zum einen sind Impfungen durch Betriebsärzte und Krankenhäuser nicht Bestandteil dieser Darstellung. Zudem werden Impfungen bei niedergelassenen Ärzte auch hier "technisch nur für den Standort der Praxis" erhoben.

Der Bundestag hatte am Dienstag die jetzt gebilligte Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Die Länder sollen danach selbst festlegen, ab welchen Schwellenwerten und anhand welcher Indikatoren sie künftig Infektionsschutzmaßnahmen anordnen. Grundsätzlich haben die Länder am Freitag in der Sondersitzung des Bundesrats der Vorlage zugestimmt.

Die Zahl der in Krankenhäuser aufgenommenen Covid-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen hatte das RKI für Donnerstag mit dem statistischen Wert 1,89 angegeben, nach 1,79 am Mittwoch und 1,69 am Dienstag. In der Weihnachtszeit hatte der bisherige Höchstwert bei etwa 15,5 gelegen.

Bundesweite Schwellenwerte, ab wann denn die Pandemie-Lage nach der Hospitalisierungsrate als kritisch zu sehen ist, gibt es wegen großer regionaler Unterschiede vorerst nicht. Solche Werte sollen die Länder in ihren Verordnungen festlegen, was in den kommenden Tagen und Wochen erwartet wird.

weitere Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. September 2021 | 13:00 Uhr

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