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Ab dem 15. März 2022 gilt für Personal des Pflege- und Gesundheitswesens eine Impflicht. Bildrechte: dpa

ReaktionenImpfpflicht in Heimen und Kliniken: Hoffnungen und Befürchtungen

von Peer Vorderwülbecke, MDR AKTUELL

Stand: 11. Dezember 2021, 09:21 Uhr

Bundestag und Bundesrat haben nun eine einrichtungsbezogene Impfpflicht beschlossen. Jeder Beschäftigte im Pflege- und Gesundheitswesen muss damit ab dem 15. März 2022 verpflichtend eine vollständige Corona-Impfung nachweisen. Dazu gibt es sowohl erleichterte, aber auch kritische Reaktionen.

Der deutsche Caritasverband, mit fast 700.000 Beschäftigten der größte Wohlfahrtsverband in Deutschland, sieht die Impfpflicht positiv. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa hätte sich zwar auch eine andere Lösung vorstellen können, aber: "Summa-Summarum sind wir froh, dass jetzt eine Regelung kommt, die darauf zielt, die Impfquote zu erhöhen. Das scheint uns im Moment das wichtigste Ziel zu sein. Darum ist es gut, dass der Bundestag und der Bundesrat sich verständigen konnten und es nun eine neue Regelung gibt."

Doch diese Regelung betrifft nicht nur Pflegekräfte, sondern das gesamte Personal, dass in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen arbeitet.

Marburger Bund begrüßt Impfpflicht

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat das neue Gesetz umgehend begrüßt. Der sächsische Landesvorsitzende Torsten Lippold war am Freitag beruflich so eingespannt, dass er nur eine schriftliche Stellungnahme abgeben konnte: "Der Marburger Bund hat bereits Anfang November eine einrichtungsbezogene Corona-Impflicht gefordert. Diese muss unbürokratisch und praktikabel umgesetzt werden, damit die Gräben in der Bevölkerung und damit auch zwischen den Beschäftigten in Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen nicht noch tiefer werden."

"Ambulanter Pflege droht der Zusammenbruch"

Diese Gräben sind besonders bei den Pflegekräften zu spüren – von denen lange nicht alle geimpft sind. Anna-Maria Fischer arbeitet als Krankenschwester auf einer Intensivstation. Sie ist bereits dreimal geimpft. "Ich glaube, dass diese Impfpflicht dazu führt, dass weitere Personen sich in der Pflege sich gegen die Pflege entscheiden werden. Sie werden dem Pflegeberuf den Rücken kehren und andere Wege gehen", befürchtet die Krankenschwester.

Drastischer formuliert diese Befürchtung Carmen Kurz-Ketterer. Sie ist Präsidentin des Arbeitgeber- und Berufsverbands ambulante Pflege und sagt: "Ich sehe ein riesiges Chaos auf uns zu kommen, den Zusammenbruch der ganzen Pflege. Die Pflegekräfte, die sich nicht impfen lassen wollen, werden sich nicht impfen lassen. Meine Mitarbeiter haben schon gesagt, da gehen sie lieber zu Aldi an die Kasse, als sich zwingen zu lassen, etwas zu tun. Das wird ganz fatal werden."

Siko hofft auf gleichen Effekt wie in Frankreich

Thomas Grünewald sieht das entspannter. Er ist Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz und Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission (Siko). "Das hat man in Frankreich auch befürchtet. Tatsächlich war es aber nicht so, dass die Impfpflicht zu einem Abspringen aus ihren abgestammten Berufen geführt hat. Ich glaube nicht, dass es so dramatisch wird, wie es am Anfang befürchtet wurde. Wir haben gute Beispiele aus Frankreich, Italien und Griechenland, wo das eben Gott sei Dank nicht der Fall gewesen ist", sagt der Mediziner.

Wie es in Deutschland sein wird, weiß man erst ab dem 15. März – dann gilt die Impfpflicht in Kranken- und Pflegeeinrichtungen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 11. Dezember 2021 | 09:05 Uhr