Gesundheitsminister Ab 7. Juni bundesweit keine Reihenfolge beim Impfen mehr

Ältere und Kranke bei den Corona-Impfungen zuerst, hieß es Ende Dezember, als die deutschlandweite Impfkampagne startete. Stetig wurde sie um neue Gruppen erweitert. Ab 7. Juni wird es keine Priorisierung mehr geben. Bereits vereinbarte Impftermine bleiben aber verbindlich bestehen.

Impflinge warten im Corona Impfzentrum Messe Berlin auf ihre Impfung.
Impflinge warten im Corona Impfzentrum Messe Berlin auf ihre Impfung. Bildrechte: dpa

In Deutschland kann sich ab 7. Juni jeder Erwachsene gegen das Corona-Virus impfen lassen. Gesundheitsminister Jens Spahn teilte am Montag nach Beratungen mit seinen Länder-Kollegen mit, dass die Priorisierung nach Risiko- und Berufsgruppen dann aufgehoben werde. Damit könnten alle Bürger ab 16 Jahren in Arztpraxen, Impfzentren oder bei Betriebsärzten einen Termin buchen. In die Kampagne sollen Spahn zufolge ab diesem Zeitpunkt auch Privatärzte einbezogen werden.

Vereinbarte Impftermin bleiben bestehen

Der CDU-Minister rief zugleich zu Geduld auf. Die Aufhebung der Reihenfolge bedeute nicht, dass jeder Interessierte auch gleich geimpft werden könne. Die Impfungen würden wie angekündigt, "bis weit in den Sommer hinein" fortgesetzt. Bereits vereinbarte Termine würden aber nicht hinfällig, sondern sollten wahrgenommen werden. Bis zum 7. Juni seien noch mindestens 15 Millionen Erst- und Zweitimpfungen vorgesehen – darunter viele noch entsprechend der Priorisierung.

Kritik an geplanter Prio-Aufhebung

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg ( KVBB ), Peter Noack, kritisierte die geplante Abschaffung der Impfreihenfolge. Damit würden in der breiten Bevölkerung Hoffnungen auf sehr schnelle Impftermine geweckt, die nicht erfüllt werden könnten. Es werde viele enttäuschte Impfwillige geben.

Ethikrat-Mitglied Andreas Lob-Hüdepohl sagte, die Aufhebung verstoße gegen das Prinzip der Gerechtigkeit. Die noch nicht durchgeimpften Personen mit höherer Dringlichkeit würden damit "dem Windhund- und Ellenbogenprinzip" ausgesetzt, sagte der Berliner Theologe in einem Interview mit der "Welt".

Im Vorfeld hatten zahlreiche Ärztevertreter gewarnt, dass immer noch nicht genügend Impfstoff für alle vorhanden sei.

Impfpriorisierung beim Hausarzt teils schon aufgehoben

Einige Länder waren mit der Freigabe der Impfreihenfolge in Arztpraxen schon vorgeprescht. So dürfen sich in Baden-Württemberg und Berlin seit Montag Bürger bei ihren Hausärzten bereits ohne Eingruppierung impfen lassen. Bayern folgt vermutlich im Laufe der Woche, Sachsen am 24. Mai. Vom Thüringer Gesundheitsministerium hieß es dagegen am Montag, man werde die Priorisierung in Arztpraxen erst aufheben, wenn genügend Impfstoff vorhanden sei.

Keine Reihenfolge bei Astrazeneca und Johnson & Johnson

Mit den Impfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson können sich Impfinteressierte schon jetzt bundesweit ohne Zugehörigkeit zu einer Prio-Gruppe impfen lassen. Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen bei jüngeren Menschen werden die Vakzine aber nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Bei Jüngeren sind vorab ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben.

Quellen: MDR AKTUELL, dpa

Junger Mann wird geimpft 3 min
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Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 17. Mai 2021 | 18:00 Uhr

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