Virusvarianten Omikron und Delta: Wann kommt der angepasste Impfstoff?

Ende November gaben südafrikanische Forscher bekannt, eine neue Variante des Coronavirus entdeckt zu haben – Omikron. Sie warf erneut die Frage auf, ob nun die Impfstoffe angepasst werden müssen. Eine Frage, die auch MDR-AKTUELL-Hörer Wolfram Fuchs aus Dresden beschäftigt. Er wundert sich, dass die aktuellen Impfstoffe nach vielen Monaten noch nicht auf Delta angepasst sind, obwohl die Hersteller nach eigenen Angaben innerhalb weniger Wochen Veränderungen vornehmen könnten.

 Mehrere kleine Flaschen stehen zum Aufziehen von Spritzen bereit
Bisher wird Impfstoff gespritzt, der nicht an die Virusvarianten angepasst ist. Das soll sich ändern. Bildrechte: dpa

Wird es für die neuen Virusvarianten wie Delta und Omikron angepasste Impfstoffe geben? Der angepasste Impfstoff kommt – sagt die Politik. Am Donnerstag kündigte Gesundheitsminister Karl Lauterbach es fast beiläufig an, als er über Impfstoff-Lieferungen für die nächsten Monate sprach. Diese würden zum größten Teil bereits angepassten Impfstoff enthalten, so Lauterbach.

Am Freitag folgte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: Die EU-Staaten hätten bei Biontech und Pfizer 180 Millionen Dosen bestellt. Und sie twitterte ein interessantes Detail: "Unsere Verträge sehen vor, dass die Unternehmen auf Anfrage innerhalb von 100 Tagen angepasste Impfstoffe entwickeln werden." Demnach gibt die Politik den Startschuss für die Produktion. Biontech selbst hatte nach ersten Studien zur Omikron-Variante mitgeteilt, dass auch das herkömmliche Vakzin wenigstens nach drei Dosen effektiv wirke.

Warum sind die Impfstoffe nicht längst angepasst?

Es stellt sich dennoch die Frage, warum die Impfstoffe nicht bereits auf die Delta-Variante angepasst sind, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. Der Virologe Alexander Kekulé hat die Hersteller Biontech und Moderna in seinem MDR-Podcast mehrfach kritisiert. Der Vorteil ihrer mRNA-Impfstoffe sei es schließlich, schnell auf Varianten reagieren zu können. Er sei enttäuscht, dass die Hersteller sich auch aus wirtschaftlichen Beweggründen dagegen entschieden haben, "weil sie natürlich das Zeug, was sie sowieso schon verkaufen, auf die Weise ein drittes Mal loswerden".

Die Hersteller haben sich dagegen entschieden, weil sie natürlich das Zeug, was sie sowieso schon verkaufen, auf die Weise ein drittes Mal loswerden. Und das braucht man niemandem zu erklären, dass man damit mehr Geld verdienen kann, als jetzt was Neues zu entwickeln.

Alexander Kekulé, Virologe

Dabei wären die Unternehmen auch bei früheren Varianten weitestgehend startklar gewesen. Das bestätigt Rolf Hömke vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller: "Mehrere Hersteller haben im Laufe der Zeit Varianten-Impfstoffe im Labor entwickelt und auch schon zum Teil mit Freiwilligen erprobt für den Fall , dass sie nötig sind. Sie waren aber eben nicht nötig."

Wenn neuer Impfstoff kommt, wird der alte unattraktiv

So verwiesen die Hersteller zum Beispiel bei der Delta-Variante auf den anhaltenden Schutz vor schweren Verläufen. Aber die wirtschaftlichen Gründe gibt es auch: Wenn klar wird, dass ein neuer Impfstoff kommt, wird der aktuelle womöglich unattraktiv. Und: Die Anpassung des Impfstoffs mag eine Sache von wenigen Wochen sein. Danach muss er aber noch zugelassen werden – und dazu gehört laut Rolf Hömke eine neue klinische Studie. Also eine umfangreiche Studie mit Tausenden Teilnehmern.

Bei geringen Anpassungen keine umfangreichen Studien nötig

Auf Seiten der Prüfer will man dieses Argument entkräften. Laut Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, ist in der EU bei geringen Änderungen im Vergleich zum ursprünglichen Impfstoff nur eine kleine klinische Prüfung erforderlich. Cichutek rechnet mit einer Zulassung in drei bis vier Monaten. Das deckt sich zumindest teilweise mit den Angaben der Hersteller: Biontech könnte bis Ende März einen angepassten Impfstoff auf den Markt bringen. Moderna geht von einer Zulassung frühestens im März aus – aber eher im zweiten Quartal.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. Dezember 2021 | 06:24 Uhr

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