Corona-Impfungen Hausärzte fordern zuverlässigere Impfstoff-Lieferungen

Hausärzte, Internisten, andere Fachärzte – sie alle impfen seit einigen Wochen. Doch die Praxen klagen über zu wenig Impfstoff. Und über unzuverlässige Lieferungen. Für Erstimpfungen werde schon bald kaum noch Impfstoff von Biontech übrig sein. Das könnte zu Problemen bei Zweitimpfungen führen. Was ist dran?

Ein älteres Ehepaar erhält in einer Hausarztpraxis ihre Corona-Schutzimpfung.
Ein älteres Ehepaar erhält in der Hausarztpraxis die Corona-Schutzimpfung. Bildrechte: dpa

Die Hausärzte fordern zuverlässigere Impfstoff-Lieferungen. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt wirft der Politik im Gespräch mit MDR AKTUELL vor, die Hausärzte bei der Belieferung schlechter als die Impfzentren zu behandeln.

Die Praxen seien die Resterampe der Impfzentren, sagt Weigeldt. Viele Hausärzte würden das, was sie an Impfstoff bestellen, nicht bekommen. "Wir bestellen für die Patienten, die wir haben und die geimpft werden wollen, und das sind viele", erklärt Weigeldt. "Aber wir erhalten dann nicht die bestellte Menge, sondern wir erhalten weniger." Zudem wüssten die Ärztinnen und Ärzte nicht, von welchem Hersteller Impfstoff geliefert würde und wie viel. "Das ist nicht unkritisch", sagt Weigeldt. "Wenn Menschen sich impfen lassen wollen und wir müssen dann absagen, das ist Aufwand und Enttäuschung zugleich."

Drei Millionen Impfdosen für Arztpraxen

Drei Millionen Impfdosen erhalten die Arztpraxen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in dieser Woche. Knapp ein Zehntel davon geht nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Um Impfstoff zu bekommen, müssen ihn die Praxen bestellen. Eine Woche später kommt in der Regel die Lieferung. Doch das, was dann kommt, das sei oftmals ein Überraschungspaket, sagt Ulrich Weigeldt. Viele Ärztinnen und Ärzte in ganz Deutschland hätten ihm das in den vergangenen Wochen berichtet. Meist werde zu wenig geliefert, oft aber auch falscher Impfstoff für eine Zweitimpfung.

Hinzu komme, dass der Impfstoff von Biontech in den nächsten Wochen in den Praxen knapp werden könnte, befürchtet Weigeldt. "Das soll ab nächste Woche, übernächste Woche losgehen. Das ist das, was wir hören. Und das ist das, was in den Praxen wieder zu Verwerfungen führen wird", sagt Weigeldt. Die Ärzte würde langfristig ihre Patienten einbestellen und nach diesen Einbestellungen die Bestellungen vornehmen, um möglichst viele Menschen in kurzer Zeit zu impfen. Wenn dann Impfstoff nicht geliefert werde, müssten reihenweise Termine entfallen.

Angekündigte Mengen reichen nicht aus

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet damit, dass den Praxen bald der Biontech-Impfstoff ausgehen könnte. Die vom Bundesgesundheitsministerium angekündigten Mengen reichten nicht aus, um damit ab Mitte Mai Erstimpfungen in nennenswertem Umfang durchführen zu können, schrieb die KBV in einer Mittelung an die Arztpraxen. 

Verantwortlich dafür sei eine Privilegierung der Impfzentren, sagt Ulrich Weigeldt vom Hausärzteverband. Bund und Länder seien gefordert, diese Privilegierung aufzugeben. 

Silke Fließ vom Gesundheitsministerium Thüringens weißt das zurück. "Alles, was an zusätzlichem Impfstoff kommt, geht mit steigender Zahl auch an die Hausärzte", sagt Fließ. "Das heißt, die Länder werden gleichbleibend versorgt, um die Struktur aufrecht zu erhalten. Und um die Masse der Impfungen weiter zu bewältigen. Aber alles, was mehr kommt, das geht auch an die Hausärzte." Die Hausärzte machten im Grunde jetzt die gleiche Erfahrung wie die Zentren am Anfang, als immer zu wenig Impfstoff da war, so Fließ.

Bundesweit gibt es rund 50.000 Praxen, die impfen. Das ist weit weniger als möglich. Nach Angaben des Hausärzteverbands impfen zwei Drittel der Praxen nicht, obwohl sie dazu in der Lage wären.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Mai 2021 | 12:00 Uhr

21 Kommentare

nasowasaberauch vor 1 Wochen

Der Impfstoff von Biontech/Pfizzer und Moderna ist knapp und alles was der EU dazu einfällt ist die Aufhebung des Patentschutzes. Warum wird die Produktionskapazität nicht mit EU Mitteln ausgebaut, damit die Pandemie weltweit bekämpft wird. Patentschutz ist ein hohes Gut und kann nicht einfach enteignet werden. Wissenschaftliche Leistung muss sich lohnen, sonst wird die nächste Pandemie ohne Impfschutz grassieren.

Juergen31 vor 1 Wochen

Der Hausarzt bekommt 20 Euro für eine Impfung, die gleiche Impfung kostet im Impfzentrum 200 Euro ! Hier wird unnötig Geld ( Steuergeld ) verschwendet, wie auch bereits bei den Maskendeals geschehen, der Gesundheitsminister gibt's mit vollen Händen aus, aber ist ja nicht seins - der Steuerzahler wird's schon richten.
Fazit: Impfzentren dicht machen und alle Impfdosen über Ärzte und Betriebsärzte verimpfen , dann bleiben auch keine Impfdosen als Reserve liegen.

Reuter4774 vor 1 Wochen

Das Problem liegt in Deutschland. In anderen Ländern gab es die Option Impfung oder Nichtimpfung ohne extra Impfstoffwahl. Das finde ich, ausser Sonderfälle- Schwangerschaft, richtig. Und wer den Impfstoff nicht wollte ist nach hinten gerückt.
Und ich glaube Frauen sehen das generell pragmatischer und weniger empfindlich.

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