Coronavirus So viele Impfdosen sind in Mitteldeutschland eingelagert

In Deutschlands Impfzentren lagern Medienberichten zufolge Hunderttausende ungenutze Impfdosen. Nicht alle werden für Zweitimpfungen vorgehalten. Auch in Mitteldeutschland bleiben etliche gelieferte Corona-Impfdosen bislang ungenutzt.

Eine Spritze ist vor den Logos der Unternehmen Sanofi, Biontech, Pfizer, AstraZeneca, Curevac, Johnson & Johnson, Sanofi und GlaxoSmithKline zu sehen. Alle Unternehmen stellen bereits Corona-Impfstoffe her, oder werden es in naher Zukunft tun.
Ob, und wenn ja, wie viele Impfdosen eingelagert werden, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Bildrechte: dpa

Sachsen: Arztpraxen sind Schlüssel bei der Impfstrategie

In Sachsen sind derzeit rund 95.000 Impfdosen eingelagert (Stand 3. März 2021) Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums betrifft das 35.898 Dosen von Biontech, 44.060 Dosen von Astrazeneca und 15.100 von Moderna. Die Einlagerungszahl sei allerdings nicht mit den tatsächlich gelieferten Dosen gleichzusetzen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der überwiegende Teil des Impfstoffs sei bereits auf die Impfzentren verteilt worden.

Den Angaben des Ministeriums zufolge werden die eingelagerten Impfdosen hauptsächlich für Zweitimpfungen zurückgehalten – bei Biontec 25 Prozent der gelieferten Menge, bei Moderna 50 Prozent.

Bei Astrazeneca gibt es demnach noch die Besonderheit, dass dieser Impfstoff nur in geringerem Umfang an die Prio-Gruppe 1 (unter 65-Jährige) verimpft wird.

Da diese Prio-Gruppe aber natürlich auch weiterhin Impftermine (für den Impfstoff BioNTech) in den Impfzentren buchen kann, wird der Impfstoff Astrazeneca sukzessive und parallel ins System mit eingespeist, aber eben nicht alleinig verimpft. Es wurden über das Impfportal 74.100 Termine für Astrazeneca bis Ende März zur Buchung freigegeben. Die Nachfrage ist hoch.

Sozialministerium Sachsen

In Sachsen solle voraussichtlich noch im Laufe des Monats ein Pilotprojekt starten, an dem landesweit etwa 40 Hausarztpraxen beteiligt würden, in denen künftig Impfdosen verabreicht werden sollten, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Mehr sei zurzeit nicht möglich, weil die geltende Verordnung des Bundes keine Festlegungen über die Honorierung der Impflinge in Arztpraxen enthalte. Daher hätte die Zahl der Hausarztpraxen erst einmal beschränkt werden müssen.

Die Arztpraxen seien aber der Schlüssel bei der Impfstrategie. Man hoffe, dass der Bund hier jetzt schnell grünes Licht für die flächendeckende Impfung in Praxen gebe. Das sei auf Bundesebene in Vorbereitung.  

Sachsen-Anhalt: Sammeltermine für Prio-Gruppe 2

In Sachsen-Anhalt wurden rund 109.000 Impfdosen noch nicht verbraucht (Stand 3. März 2021). Den Angaben des Sozialministeriums zufolge sind aber Tausende Impftermine bereits gebucht und mehrere zentrale Impfaktionen in Vorbereitung. Bisher haben in Sachsen-Anhalt demnach rund 106.455 Menschen eine Erstimpfung erhalten, fast 55.000 von ihnen auch eine Zweitimpfung.

Grund für die Einlagerung sei vor allem das Vorhalten der Zweitdosen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Lange Zeit habe das Land Sachsen-Anhalt den Impfzentren die Vorgabe gegeben, Impfstoff für die zweite Impfung mit Biontech und Moderna vollständig zurückzuhalten. Unterdessen erschienen die Impfstofflieferungen stabiler, es seien aber weiterhin 20 Prozent bei Biontech und 50 Prozent bei Moderna zurückzuhalten, um die Zweitimpfungen abzusichern. Bei Astrazeneca sei aufgrund des größeren zeitlichen Abstands zwischen Erst- und Zweitlieferung derzeit kein Rückbehalt gefordert, sagte die Ministeriumssprecherin.

Da die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen de facto abgeschlossen sei und man auch beim Pflegepersonal und dem medizinischen Personal in Krankenhäusern gut vorangekommen sei, könnten Impftermine mit dem Astrazeneca-Impfstoff nun auch nach und nach für Impfberechtigte der zweiten priorisierten Gruppe angeboten werden. Seit Mittwoch gehörten auch Erzieher und Grund- und Förderschullehrer in diese Gruppe. In einigen Landkreisen seien bereits Sammeltermine organisiert worden.

Nach Angaben des Ministeriums ist auch in Sachsen-Anhalt das Ziel, möglichst schnell Impftermine über Hausarztpraxen anbieten zu können. Dazu sei das Ministerium im Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Ziel sei es, niedergelassene Ärzte zunächst modellhaft in den Impfprozess einzubeziehen. Ein Impfstart in ausgewählten Hausarztpraxen könnte noch im Frühjahr realistisch sein.

Thüringen: Alle Impfdosen "mit Terminen untersetzt"

In Thüringen wird kein Impfstoff eingelagert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind aktuell alle Impfdosen mit Terminen untersetzt. Demnach wurden alle Dosen des Moderna-Vakzins, die bis Ende Februar nach Thüringen geliefert wurden, verimpft. Die Lieferung, die am vergangenen Freitag im Freistaat ankam – rund 8.400 Impfdosen – würden in den nächsten Wochen für Zweitimpfungen verwendet. "Wenn weitere Lieferungen kommen, können wir wieder neue Termine für Erstimpfungen anbieten", sagte ein Ministeriumssprecher.

Zudem soll Thüringen den Angaben zufolge bis Ende des Monats 120.000 Impfdosen von Astrazeneca erhalten, inklusive derer, die bereits im Februar geliefert wurden. Knapp 15.000 Astrazeneca-Dosen seien bislang verabreicht worden. Für das kommende Wochenende seien alle 10.000 verfügbaren Impftermine bereits ausgebucht, vor allem von Erzieherinnen und Erziehern sowie Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern.

Von Biontech wird wegen kurzfristiger Lieferkürzungen in der Vergangenheit ein Teil der gelieferten Impfdosen für Zweitimpfungen zurückgehalten. Damit wird sichergestellt, dass bei erneuten Lieferkürzungen keine Impftermine abgesagt werden müssen.

Frank Schenker Gesundheitsministerium Thüringen

Nach Angaben des Ministeriumssprechers eröffnen am 10. März die überregionalen Impfzentren in Gera und Erfurt, in denen jeweils pro Woche 10.000 Impfungen stattfinden sollen. Außerdem gehe ein Teil der Impfdosen an die Thüringer Krankenhäuser, weitere Termine an Wochenenden seien geplant.

Voraussichtlich ab Mitte März sollen demnach Thüringer Hausärzte in die Impfkampagne einbezogen werden. Dabei gehe es zunächst vor allem um die Impfung von Pflegebedürftigen, die nicht in Einrichtungen lebten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. März 2021 | 19:00 Uhr

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