Coronavirus Experte: Totimpfstoff könnte ideal für Booster-Impfungen sein

Valneva enthält abgetötete Krankheitserreger. Er könnte der erste "Totimpfstoff" sein, der gegen das Coronavirus zugelassen wird. Wir haben die Virologen Dr. Thomas Grünewald und Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert zum aktuellen Stand befragt.

Impf-Experten setzen im Kampf gegen Corona Hoffnungen auf den neuen Totimpfstoff Valneva. "Er vermittelt eine breitere Immunreaktion", sagt Dr. Thomas Grünewald, Infektiologe und Leiter Klinik für Infektions- und Tropenmedizin in Chemnitz, "und könnte für Booster-Impfungen sehr geeignet sein." Prof. Uwe Gerd Liebert, ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig, sieht zudem neue Chancen: "In Südostasien, Amerika oder Afrika gibt es viel höhere Todesfälle als bei uns. Da wäre dieser neue Impfstoff eine wirkliche Option".

Totimpfstoff mit ganzzelligem Virus eröffnet vierte Impfstoffklasse

Der Impfstoff von Valneva enthält nicht nur Bauteile oder einzelne Bestandteile des abgetöteten Virus, sondern das ganze inaktivierte Virus. Er eröffnet neben den mRNA-, den Vektoren- und den proteinbasierten Impfstoffen eine vierte Impfgruppe. Als Totimpfstoff arbeitet das Vakzin von Valneva ähnlich wie Impfstoffe gegen Grippe und Tetanus. Jüngste Studienergebnisse klingen laut Unternehmen vielversprechend.

Ganzzelliger Impfstoff könnte Alternative beim Boostern sein

Seit Anfang Oktober hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für Auffrischungsimpfungen gegeben. Für Erwachsene mit normalen Immunsystem können laut EMA sogenannte "Booster"-Impfungen mit dem Impfstoff Comirnaty (Biontech/Pfizer) mindestens sechs Monate nach der zweiten Dosis in Betracht gezogen werden.

Grünewald
Dr. Thomas Grünewald ist Infektiologe und Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hier könnte zukünftig auch Valneva zum Einsatz kommen, glaubt Dr. Thomas Grünewald, der auch Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission ist. Das Spannende dabei: "Es werden nicht nur Antikörper gegen ein Eiweißbestandteil des SARS-CoV-2 gebildet, sondern gegen mehrere. Das erhöht die Immunreaktion in der Breite auch im Vergleich zu anderen Impfstoffen", sagt er im Gespräch mit dem MDR Gesundheitsmagazin "Hauptsache Gesund". Konkret hat er dabei mögliche neue Corona-Varianten im Blick, die das Virus in Zukunft noch entwickeln könnte. So einen Impfstoff als Booster einzusetzen, kann vielversprechend sein, so Grünewald.

Großes Potential zur weltweiten Pandemie-Bekämpfung

Prof. Uwe Gerd Liebert, ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig, sieht in Valneva aufgrund seiner günstigeren Herstellung und längeren Haltbarkeit zudem eine große Chance, die Pandemie weltweit bekämpfen zu können: "Blicken wir über Europa hinaus in Richtung Südostasien, Amerika oder Afrika, dann gibt es dort viel höhere Todesfälle durch das Corona-Virus als bei uns."

Hier sieht er den neuen Impfstoff eine echte Option. Der Experte betont aber auch, dass in der Entwicklung auch eine gute Wirksamkeit erreicht werden müsse. Denn: "Bei solchen Totimpfstoffen kann es sein, dass die T-Zellen nicht ganz so gut angesprochen werden. Von denen brauchen wir aber viele, denn sie sind mit verantwortlich dafür, wie gut der Körper die Infektion bekämpft."

Zulassung des neuen Totimpfstoffes noch offen

Noch ist der Impfstoff des französisch-österreichischen Konzerns nicht zugelassen. Er befindet sich aktuell in der klinischen Phase-3-Studie mit mehr als 4.000 Teilnehmenden. Diese berichten u.a. auch von weniger Nebenwirkungen. Doch das und auch die endgültige Wirksamkeit müssen noch wissenschaftlich geprüft werden.

Was die Zulassung betrifft, sagt Dr. Grünewald, müsse man daher noch geduldig sein: "Auch wenn die Ergebnisse der Phase-3-Studie gut sind, es wird noch ein bisschen dauern, bis der Wirkstoff zugelassen wird. Denn er muss nicht nur wirksam, sondern auch sicher sein." Damit erinnert er an den Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac, der nach großen Hoffnungen seinen ersten Impfstoff aus dem Zulassungsverfahren genommen hat, weil dieser nicht wirksam genug war.

Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert, Virologe am Uniklinikum Leipzig
Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert ist ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig. Bildrechte: Stefan Straube / UKL

Breite Palette an Impfstoffen: maßgeschneidertes Impfen für Jeden möglich

Mit dem neuartigen Ansatz, bald auch ganzzellige Covid-19-Impfstoffe zu haben, blickt der Chemnitzer Infektiologe Grünewald optimistisch in die Zukunft: "Mit den verschiedenen Vakzinen kann für jeden Impfwilligen der maßgeschneiderte Impfstoff gefunden werden. Ein Beispiel sind Menschen, die Allergien gegen gewissen Bestandteile haben. In Zukunft könne hier gezielt geimpft werden." Grünewald und Liebert hoffen Ende dieses Jahres bzw. Anfang kommenden Jahres mit seiner Zulassung für Valneva.

 

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 30. September 2021 | 21:00 Uhr

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