Corona-Impfstoff Astrazeneca für jeden, der will

Hausärzte können ab sofort den Corona-Impfstoff von Astrazeneca unabhängig von der Priorisierung verimpfen. Bund und Länder vereinbarten zudem, dass die Zweitimpfung mit dem umstrittenen Vakzin vorgezogen werden kann.

AstraZeneca-Impfstoff liegt in einer Dose.
Das Astrazeneca-Vakzin gilt bei vielen wegen einiger Fälle von schweren Nebenwirkungen als Impfstoff zweiter Klasse. Bildrechte: dpa

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca kann in Deutschland künftig an jede Person ab 18 Jahren verimpft werden, die dazu bereit ist. Die Gesundheitsminister von Bund und Länder vereinbarten, die Priorisierung nach Risikogruppen bei dem umstrittenen Präparat aufzuheben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte: "Das heißt, dass beim Impfen in den Praxen die Ärzte entscheiden, wer jetzt wann mit dem Impfen dran ist." Es gehe um "mehr pragmatische Flexibilität". Das gilt auch für die Zweitimpfung mit Astrazeneca. Spahn zufolge muss diese jetzt nicht mehr erst nach zwölf Wochen erfolgen. Die Ärzte könnten die zweite Spritze jetzt auch schon eher geben. Gemäß Zulassung soll die Zweitimpfung nach vier bis zwölf Wochen erfolgen. Bislang war gängige Praxis, diese Frist auszureizen – vor allem deshalb, um möglichst vielen eine schnelle Erstimpfung zu ermöglichen.

Drei Millionen Dosen auf Halde?

Hintergrund sind offenbar erhebliche Vorräte beim Astrazeneca-Vakzin wegen der Vorbehalte bei vielen Menschen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums wurden in Deutschland bislang 9,3 Millionen Astrazeneca-Dosen ausgeliefert und etwa 6,3 Millionen Dosen verimpft.

Empfehlung gilt weiter für über 60-Jährige

Grund für das verhaltene Interesse an einer Impfung mit Astrazeneca sind Berichte über Gesundheitsrisiken. Der von der britischen Oxford-Universität entwickelte Vektor-Impfstoff hat in wenigen Fällen bei Geimpften Blutgerinnsel im Gehirn ausgelöst. Vor allem in jüngeren Altersgruppen und bei Frauen traten diese teils tödlichen Hirnvenenthrombosen auf.

Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) den Einsatz für Menschen ab 60 Jahren. In der Altersgruppe falle die Nutzen-Risiko-Abwägung "eindeutig zu Gunsten der Impfung" aus, da mit dem Alter das Risiko einer schweren Covid-Erkrankung steige.

Dennoch können sich auch Jüngere nach individueller Beratung durch ihren Arzt mit Astrazeneca impfen lassen. Einige Bundesländer haben die Priorisierung für den Impfstoff bereits aufgegeben. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hält den Impfstoff Vaxzevria nach eigenen Angaben für gleichermaßen geeignet wie die Vakzine anderer Hersteller. Die Risiken seien extrem gering.

Für mRNA-Impfstoffe gilt weiter die Impfreihenfolge

Für die anderen in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gilt nach dem Beschluss weiterhin die Impfreihenfolge, nach der besonders gefährdete Gruppen zuerst dran sind. Die Priorisierung soll nach Aussage der Bundesregierung voraussichtlich im Juni aufgehoben werden. In den meisten Bundesländern wird derzeit schon die letzte Priorisierungsgruppe 3 geimpft.

Quellen: DPA, Reuters, EPD

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 06. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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