Covid-19 Proteinbasierte Impfstoffe: Warum spielen sie eine so kleine Rolle?

Während der zweiten Corona-Welle Ende vergangenen Jahres gab es im Grunde genommen nur zwei Themen: die hohen Infektionszahlen und die Entwicklung neuartiger Impfstoffe. Jetzt könnte es schon bald neue, proteinbasierte Impfstoffe geben. Aber das öffentliche Interesse daran ist in keiner Weise mit dem im vergangenen Winter vergleichbar. Eine MDR-AKTUELL-Hörerin wollte wissen, warum das so ist.

Spritze mit einem Impfstoff wird vorbereitet
Von den proteinbasierten Antigen-Impfstoffen ist bisher kein einziger zugelassen. Bildrechte: dpa

Berichte über die neuen Impfstoffe sind tatsächlich gar nicht so selten. Beiträge zu proteinbasierten Vakzinen, etwa der Firma Novavax, finden sich in diversen Zeitungen und Onlineangeboten – auch hier bei MDR AKTUELL. Etwa in Folge 200 des Podcasts "Kekulés Corona Kompass" Ende Juni. Der Hallenser Virologe sagte damals: "Man kann grundsätzlich sagen, dass so ein Impfstoff, der auf einem eher klassischen Wirkprinzip beruht – also in dem Fall ist es ein künstlich hergestelltes Protein – jetzt keine völlig exotischen Langzeit-Nebenwirkungen haben wird. Unterschreiben kann es natürlich auch keiner, aber das ist irgendwie plausibel, weil man das Wirkprinzip ja seit Jahrzehnten kennt."

Warum die neuen Impfstoffe keine Zulassung bekommen

Alexander Kekulé benannte gleich noch einen größeren Haken im Zusammenhang mit dem neuen Impfstoff. Der Hersteller habe die Zulassung noch nicht einmal beantragt. Momentan läuft ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren. Dabei werden Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests untersucht, bevor am Ende dann alle nötigen Daten für einen formellen Zulassungsantrag vorliegen. Der ist für dieses Quartal geplant.

Dieses Verfahren ist wohl einer der Hauptgründe, warum der Impfstoff in der öffentlichen Wahrnehmung bislang im Schatten der bekannten Vakzine steht – denn es hakt noch etwas. Dazu sagt Peter Liese, gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament: "Das Problem ist, dass die Firma seit vielen Monaten nicht in der Lage war, in den vielen Orten, wo sie den Impfstoff herstellen wollen, zum Beispiel auch in Deutschland, in Halle, in Westfalen oder in vielen anderen Teilen Europas, auch weltweit, dass sie nicht die gleiche Qualität herstellen können, wie in den klinischen Prüfungen."

Novavax-Impfstoff: Klassisches Wirkprinzip

Liese gehört zu den Befürwortern des Impfstoffs von Novavax. Der könne womöglich Impfskeptiker überzeugen, weil er eben auf einem klassischen Wirkprinzip beruhe. Der Gesundheitspolitiker sagt aber auch: Den Impfstoff jetzt zu bewerben, sei deutlich verfrüht. Man dürfe keine falschen Erwartungen wecken. Auf lange Sicht könne das Vakzin helfen, für die anstehende Infektionswelle aber sicher nicht: "Es ist gut, diesen Impfstoff weiter zu prüfen. Aber es wäre fahrlässig zu sagen, ich lass mich nicht impfen, weil der dann irgendwann kommt. Das kann zu spät sein – und im schlimmsten Fall kommt er auch nie."

Bundesregierung plant mit proteinbasierten Impfstoffen

In den USA zum Beispiel musste Novavax den Zulassungsantrag schon mehrfach verschieben. Und so plant man auch Deutschland allenfalls mittelfristig mit dem Impfstoff. Auf Nachfrage von MDR AKTUELL verweist das Bundesgesundheitsministerium auf den Bericht zur Impfstoffbeschaffung 2022. Demnach sollen rund 204 Millionen Dosen beschafft werden, größtenteils handelt es sich dabei um mRNA-Impfstoffe. Weiter heißt es da: "Zusätzlich sollte das Portfolio ergänzt werden durch eine ausreichende Menge an proteinbasierten Impfstoffen, die bei einem höheren Bedarf an Booster-Impfungen, als Alternativpräparat bei Akzeptanzproblemen oder bei unvorhergesehenen Problemen mit den mRNA-Impfstoffen zum Einsatz kommen könnten."

Mit rund 60 Millionen Dosen solcher proteinbasierter Impfstoffe plant Gesundheitsminister Jens Spahn. Neben Novavax ist noch der französische Hersteller Sanofi im Rennen. Aber auch da steht die Zulassung noch aus.

Junger Mann wird geimpft 3 min
Bildrechte: IMAGO / Antonio Balasco

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 27. August 2021 | 08:22 Uhr

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