Corona-Pandemie Impfungen durch Tierärzte: Klarer Wille, unklarer Weg

"Wer eine Spritze halten kann, soll impfen" – dieser Satz war in den vergangenen Wochen häufig zu hören. Die Forderung dahinter: Neben den Ärzten sollen auch Apotheker, Zahn- und Tierärzte die Corona-Schutzimpfung verabreichen dürfen. Am 10. Dezember wurde das im Bundestag beschlossen. Doch gerade bei den Tierärzten sind noch viele Fragen offen: von der Bezahlung bis hin zu den Räumlichkeiten.

Ein Arzt füllt einen Impfpass aus
Ein Arzt füllt einen Impfpass in einer kommunalen Impfstelle in Jena aus. Nach dem Willen der Ampelkoalition können das bald unter anderem auch Tierärzte. Bildrechte: dpa

Fünf Anrufe von "Wildfremden" habe seine Praxis in den letzten Tagen erhalten, erzählt Dr. Jörg-Peter Popp. Der Tierarzt aus Dresden ist eigentlich auf Chirurgie bei Kleintieren spezialisiert. Nun wollten sich plötzlich Menschen bei ihm impfen lassen. Aus den Medien hätten sie erfahren, dass das jetzt möglich sei. Popp muss sie vertrösten, zumindest vorerst.

Baldiger Start der Impfungen unwahrscheinlich

Tatsächlich hat die Ampelkoalition am 10. Dezember ein "Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen COVID-19" erlassen. Dort heißt es: "Zahnärzte, Tierärzte sowie Apotheker [sind] zur Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bei Personen, die das zwölfte Lebensjahr vollendet haben, berechtigt". Doch gerade die Tierärzte stehen nun vor Herausforderungen, die einen baldigen Impfstart in ihren Praxen unwahrscheinlich machen.

Wer als Tierarzt gegen Corona impfen will, muss zunächst eine Schulung absolvieren – das steht ebenfalls im Gesetz. Die Themenpalette umfasst etwa Anamnese, Kontraindikationen und Dokumentation. Ein Muster-Curriculum soll bis Ende des Jahres erarbeitet sein.

Henning Neukötter, Geschäftsführer der Landestierärztekammer Thüringen, liegt die Rohfassung vor. Das sehe auch Präsenzschulungen vor, sagte Neukötter MDR AKTUELL: "Die Referenten werden wohl Ärzte sein – und die haben derzeit vieles, aber nicht Zeit im Überfluss." Schon über Termine für einen Impfstart zu reden, sei daher verfrüht.

Forderung: Gleiche Vergütung wie für Ärzte

Ähnlich unklar ist aktuell, mit welcher Vergütung impfende Tierärzte rechnen können. Anders als bei den Humanmedizinern fehlt bislang eine gesetzliche Regelung. Eine Verordnung werde derzeit erarbeitet, heißt es auf Anfrage von MDR AKTUELL aus dem Bundesgesundheitsministerium. Die solle möglichst noch in diesem Jahr erscheinen, konkrete Daten gebe es aber noch nicht.

Ein Sprecher des Ministeriums bleibt vage: "Es soll alles sehr zeitnah jetzt passieren. Herr Lauterbach macht da tatsächlich jetzt Dampf."

Für die Tierärztekammern steht fest: Tierärzte verdienen die selbe Vergütung wie Humanmediziner – 28 Euro pro Impfung. Katharina Freytag, Geschäftsführerin der Bundestierärztekammer, teilte MDR AKTUELL mit, man werde "darauf drängen, dass die Bezahlung dieselbe wie bei den Humanmedizinern ist". Denn wie bei den Ärzten umfasse die Impfung auch bei den Tierärzten Zusatzaufgaben wie Datenübermittlung und Aufklärung.

Impfungen eher außerhalb der Tierarztpraxis

Schließlich ist auch noch unklar, wo Tierärzte überhaupt impfen sollen: in ihren eigenen Praxen oder in Impfzentren und mobilen Impfteams. Auch unter den Tierärzten ist das umstritten.

Dr. Uwe Hörügel ist Pferdetierarzt und normalerweise auf Höfen in ganz Sachsen unterwegs. Er sieht offene Fragen für den Fall, dass bei Kollegen in der Praxis Probleme auftreten: "Wenn wirklich etwas passiert, zum Beispiel eine anaphylaktische Reaktion oder ein Schock nach der Impfung, wie reagiert man dann? Ob man dann die Medikamente vorrätig hat, ob man die injizieren darf als Tierarzt, das ist alles noch nicht zu hundert Prozent abgeklärt."

Die Bundestierärztekammer teilte mit, ihre Mitglieder würden "zunächst nur die Ärzteschaft in externen mobilen Einheiten, Arztpraxen und Impfzentren unterstützen". Impfungen in der Tierarztpraxis seien allenfalls "perspektivisch" geplant.

Hörügel, der auch der Landestierärztekammer Sachsen vorsteht, hält das für richtig: Erst müssten alle rechtlichen Fragen wie die nach der Haftung geklärt sein. Die geplanten Schulungen durch Humanmediziner seien zudem unerlässlich.

Ausreichend Impfstoff ist Voraussetzung

Trotz aller Probleme stehen viele mitteldeutsche Tierärzte bereit, an der Impfkampagne mitzuwirken – das ist aus allen Landestierärztekammern zu hören. Uwe Hörügel möchte auf jeden Fall mitimpfen, Jörg-Peter Popp aus Dresden kann es sich zumindest vorstellen.

Aber: Bei aller Bereitschaft würden impfende Tierärzte wenig nützen, wenn, wie von Bundesgesundheitsminister Lauterbach angekündigt, bald nicht mehr genügend Impfdosen vorhanden wären.

Dann sei die Zahl der impfenden Tierärzte nicht mehr der limitierende Faktor, meint auch Hörügel: "Wenn dann noch die Apotheker und Zahnärzte aktiviert werden, dürfte das wirklich ausreichen."

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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