Impfstrategie Unklare Impfquote bei über 80-Jährigen

Der Medizinstatistiker Bertram Häussler hat bei MDR Aktuell angedeutet, dass die mitteldeutschen Bundesländer, speziell Thüringen, die über 80-Jährigen bei den Corona-Impfungen vernachlässigen. Stimmt das?

Eine ältere Frau bekommt eine Impfung
Wie hoch ist die Impfquote bei älteren Menschen? Bildrechte: dpa

Es ist wie so oft in der Corona-Diskussion: Es gibt keine eindeutigen Antworten. Schon allein deshalb, weil für die Corona-Impfungen kein einheitliches Datenmaterial vorliegt, was das Alter der geimpften Personen betrifft. Das sächsische Sozialministerium schreibt auf MDR-Anfrage, dass eine Unterscheidung nach Altersgruppen in Sachsen gar nicht erfasst wird. Nur elf Bundesländer melden das Alter ihrer geimpften Menschen auch automatisch dem Robert Koch-Institut.

Thüringen deutlich besser bei Zweitimpfungen

Thüringen liegt bei den Erstimpfungen der über 80-Jährigen tatsächlich am unteren Ende der Skala – mit nur 60 Prozent. Den besten Wert verzeichnet das Saarland mit 84 Prozent. Dafür ist Thüringen bei den Zweitimpfungen deutlich besser als das Saarland und liegt mit 50 Prozent komplett Geimpften unter allen Bundesländern im vorderen Mittelfeld in der Altersgruppe über 80.

Medizinisches Personal früh geimpft

Dass Thüringen bei der Erstimpfung etwas hinter anderen Bundesländern liegt, hat auch mit der Impfstrategie zu tun. "Bei den Impfquoten der über 80-Jährigen muss man auch sehen, dass in Thüringen von Anbeginn festgelegt wurde, dass auch Mitarbeiter in Krankenhäusern und niedergelassene Ärzte relativ früh geimpft wurden, damit diese sich auch um erkrankte Personen kümmern können", sagt Jörg Mertz, Chef des Pandemiestabs und Koordinator der Impfkampagne in Thüringen.

Insgesamt läuft die Impfkampagne in Thüringen sehr gut. Sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweit-Impfung liegt Thüringen im Vergleich der Bundesländer auf den vordersten Plätzen. Auch in den Pflegeheimen wurde flächendeckend geimpft. Allerdings leben in Thüringen nur 16 Prozent der über 80-Jährigen auch in solchen Einrichtungen – weniger als im Bundesdurchschnitt.

Immobilität bremst Impftempo bei über 80-Jährigen

Das heiße aber nicht, dass die Alten in Thüringen auch noch mobil sind, gibt Impfkoordinator Mertz zu bedenken. "Insgesamt gibt es eine höhere Krankheitshäufigkeit in Thüringen. Das heißt, der einzelne ist durchaus kränker als in anderen Bundesländern. Deswegen sind mehr Menschen immobil und konnten noch nicht erreicht werden mit einer Impfung." Ähnliche Einschätzungen gibt es vom sächsischen Sozialministerium.

Es ist gar nicht bekannt, wie viele über 80-Jährige sich überhaupt impfen lassen wollen. Weiterhin gibt es Hinweise, dass zahlreiche Menschen über 80 Jahre gewartet haben, bis sie die Impfung bei ihrem Hausarzt vornehmen lassen können.

Sächsisches Sozialministerium

Durchimpfung erfolgt in Hausarztpraxen oder beim Hausbesuch

Klar sei, dass bei den über 80-Jährigen keine 100-prozentige Durchimpfung erreicht werden kann, sagt Thüringens Impfkoordinator Mertz. "Ich rechne mit einer Durchimpfungsrate von 80 Prozent, sodass wir noch 20 Prozentpunkte oder 30.000 Impfungen vor uns haben. Dieses wird hauptsächlich in den Hausarztpraxen oder beim Hausbesuch geschehen."

Bis dahin werden die Corona-Fälle bei den über 80-Jährigen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen hoch bleiben – aber auch deshalb, weil die Inzidenzwerte in diesen Bundesländern die höchsten in Deutschland sind.

Quelle: MDR AKTUELL

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