Corona-Kriminalität Von gefälschten QR-Codes bis zu Jobportalen für Ungeimpfte

Geimpft, genesen, getestet – Impfverweigerer sind eine lukrative Einnahmequelle für Kriminelle, die gefälschte Nachweise anbieten. Arbeitgeber suchen sogar nach Personal auf Jobportalen für Ungeimpfte.

Eine Teilnehmerin einer Protestkundgebung der Initiative «Querdenken» trägt auf dem Cannstatter Wasen ein Schild gegen Impfungen auf ihrem Rücken.
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Falsche Nachweise sind in verschiedenster Form gefragt

Wer sich bei Telegram umschaut, dem Lieblingsportal vieler Coronaleugner und Impfverweigerer, findet zahlreiche Angebote für Impfpässe, Genesenennachweise, Zertifikate für eine Maskenbefreiung oder sogar schon QR-Codes als digitalen Nachweis für entsprechende Apps. In einem speziellen Telegram-Kanal mit dem Namen "covid-19-impfausweis" befinden sich allein über 200.000 Mitglieder. Daneben gibt es zahlreiche andere Börsen mit ähnlichem Angebot.

Schon lange bekannt ist der Verkauf gelber Impfausweise mit dem entsprechenden Sticker des angeblich verimpften Vakzins. Diese Impfausweise werden blanko verkauft, also ohne Namen. Der Käufer trägt nur noch seinen Namen ein und nutzt den gefälschten Impfausweis dann als Nachweis. Allerdings ist das Risiko, mit der Fälschung aufzufallen, recht hoch.

Neben gefälschten Impfpässen und Maskenbefreiungen werden zunehmend auch Genesenennachweise verkauft. Diese sind offenbar mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen besonders leicht zu fälschen. Denn sie enthalten nicht einmal eine Unterschrift oder einen Stempel, sondern nur eine standardisierte Vorlage. Nur einige persönliche Daten sind nötig, um den eigenen Nachweis erstellen zu können. Die Vorlagen bekommen die Fälscher häufig von Genesenen oder möglicherweise sogar von Behördenmitarbeitern, die sich damit einen zusätzlichen Nebenverdienst schaffen.

Neuer Renner: QR-Codes

Die größte Nachfrage herrscht aktuell jedoch für QR-Codes für den digitalen Nachweis, z.B. in Corona-Apps. Wer einen solchen QR-Code kauft, muss keine analogen Dokumente mitführen. Zwar lässt sich auch mit einem gefälschten (gelben) Impfausweis z.B. in einer Apotheke ein QR-Code ausstellen. Hier besteht die Gefahr, dass der Betrug erkannt wird, z.B. weil der gekaufte Blanko-Impfausweis keine weiteren Impfeinträge hat. Wird ein (gekaufter) QR-Code jedoch einmal von der offiziellen App erkannt, ist es äußerst schwer, die Fälschung zu entlarven.

Seit August 2021 gibt es diese QR-Codes nicht nur für den digitalen Impfpass, sondern auch für den Genesenennachweis. Dieser wird auf von den Händlern als kostengünstige Alternative zum Impfpass angepriesen. Während letzterer zwischen 200 und 500 Euro pro Stück kosten kann, ist der Genesenennachweis schon ab 75 Euro erhältlich. Angeblich soll er sogar sicherer sein als der Impfpass. Allerdings ist er auch nur sechs Monate gültig, dann muss ein neuer Nachweis bestellt werden. Die Verkäufer locken außerdem mit dem Vorteil, sich die Option einer Impfung weiterhin offen zu halten. Doch das Geschäft mit den gefälschten Dokumenten könnte demnächst erfolgreich eingedämmt werden.

Neue Rechtslage ermöglicht (mehr) Strafverfolgungen

Lange Zeit schien es so, als sei der Staat gegenüber den Betrügern machtlos. Bis zum 23. November 2021 konnten zum Beispiel nur Ärzte für das Ausstellen falscher Atteste und Patienten, die eine Fälschung benutzen, belangt werden – nicht aber die Fälscher und Händler selbst. Zudem war die Benutzung eines falschen Dokuments nur gegenüber Versicherungen oder Behörden strafbar. Die Verwendung des “Nachweises” in einer Apotheke oder z.B. in einem Restaurant galt nicht als strafbare Handlung. So urteilte das Landesgericht in Osnabrück noch vor einem Monat. Seitdem hat der Gesetzgeber versucht, diese Lücke zu schließen.

Seit dem 24.11.2021 gelten nun neue Regelungen: Bereits das Vorbereiten einer Fälschung gilt als strafbar. Besonders schwerwiegend ist die wiederholte Ausstellung dieser falschen Nachweise. Dazu heißt es im § 277 des StGB "Unbefugtes Ausstellen von Gesundheitszeugnissen": "In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von unrichtigem Ausstellen von Gesundheitszeugnissen verbunden hat, Impfnachweise oder Testzertifikate betreffend übertragbare Krankheiten unrichtig ausstellt.”

Im Klartext: Der Gebrauch falscher Dokumente kann sogar mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. In besonders schweren Fällen könne das Strafmaß sogar höher liegen.  

Jobbörse für Ungeimpfte

3G am Arbeitsplatz soll helfen, die aktuell hohen Infektionsraten zu senken. Doch das stößt bei einigen Arbeitgebern auf Widerstand. Mit eigenen Job-Portalen im Internet suchen Firmen gezielt nach ungeimpften Mitarbeiten, und Ungeimpfte nach Firmen, die sich nicht an die Regeln halten.  

Eine dieser Jobbörsen ist z.B. impffrei.work mit mehr als 300 Jobangeboten nur für Ungeimpfte, darunter viele ausgerechnet im Gesundheitswesen. Angebliches Ziel der Börse sei es, einer "Diffamierung von Arbeitnehmern entgegenzuwirken", wie es auf der Internetseite heißt. Wer hinter der Jobbörse steckt, ist nicht bekannt, ein echtes Impressum mit Ansprechpartner, Telefonnummer und Adresse gibt es nicht. Stattdessen wird behauptet: "Impffrei.work ist ein kostloser privater Admin-Service ist —der dafür sorgt, dass keine unseriösen Jobangebote auf der Seite veröffentlicht werden. Fakt ist, dass wir aktuell kein Impressum bereitstellen, was aber nicht bedeutet, dass vielleicht irgendwann mal eins zur Verfügung stehen wird."

Eine Abfrage in einer Betreiber-Suchmaschine ergibt: Die Server scheinen in Kalifornien zu stehen. Ob diese Information stimmt, lässt sich aber nicht überprüfen. Die Jobbörse scheint ein Tummelplatz für Impfgegner und Coronaleugner zu sein. Die Betreiber schüren Ängste über angebliche Impfschäden oder vermeintliche Todesfälle bei Teenagern. Es gibt Diagramme, die belegen sollen, dass es nach Impfungen zu "Alopecia", also kreisrundem Haarausfall, kommt. Und es gibt einen Telegram-Kanal, in dem Angst vor der Impfung geschürt wird.

Wie krude die Gedankenwelt der Impfgegner ist, zeigte sich auch bei einer Stichprobe. In einer sächsischen Physiotherapie-Praxis wurde eine Stelle auf dem Portal Impffrei.work ausgeschrieben. Als eine Umschau-Reporterin jüngst wegen der Stelle nachfragt, heißt es, man wolle keine Geimpften: "Mir sind lebende Mitarbeiter lieber als tote", so die Praxischefin.

Moralisch grenzwertig und juristisch fraglich

Silvio Lindemann, Anwalt für Arbeitsrecht aus Dresden, findet bereits das Grundprinzip solcher Jobbörsen problematisch. Denn hier würden Jobs nur für Ungeimpfte vermittelt, also aufgrund eines Gesundheits-Merkmals: "Das ist im Arbeitsrecht zum Beispiel so nicht zulässig. Das wäre das gleiche, als würde ich jemanden suchen, der nur eine Niere hat oder vielleicht keinen Blinddarm mehr oder möglicherweise sogar eine bestimmte Blutgruppe. Das ist unzulässig, wäre sogar sittenwidrig."

Quelle: MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 30. November 2021 | 20:15 Uhr

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