Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltRatgeber
Die Coronavirus-Pandemie verschärft den Mangel an Intensivpflegekräften. Bildrechte: dpa

Coronavirus-Pandemie

Immer weniger Intensivbetten in Mitteldeutschland

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Stand: 08. November 2021, 08:57 Uhr

Gerade in der Coronavirus-Pandemie gibt es häufig mehr Intensivpatienten, als Betten bereitstehen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind im letzten Jahr jeweils mehr als 300 Intensivbetten weggefallen. Ein Grund ist nicht fehlender Platz, sondern dass viele Intensivpflegekräfte am Ende ihrer Kräfte sind und Arbeitszeiten reduzieren oder ganz aussteigen.

Es fehlt an Intensivbetten. Dieser Satz bedeutet nicht, das Betten als solche nicht vorhanden wäre. Er bedeutet vor allem, dass es an Intensivpflegekräften fehlt, die eine intensivmedizinische Versorgung sichern können.

Viele Intensivpflegekräfte kündigen wegen Arbeitsbelastung

Die Intensivpflegekräfte sind nach bald zwei Jahren Pandemie ausgebrannt, selber erkrankt, haben den Bereich gewechselt oder ihre Arbeitszeit reduziert. Wie der Intensivpfleger Nico aus Dresden erzählt, steigert das die Arbeitsbelastung der übrigen Pflegekräfte nur noch mehr: "Mittlerweile hat viel Personal bereits gekündigt."

Das sorge dafür, dass die übrigen Pflegekräfte mehr Patienten versorgen müssten. Nico sagt, das führe zu bekannten Problemen: "Man schafft seine Tätigkeiten nicht und geht unzufrieden nach Hause."

Auch Nico hat seine Grenzen erreicht. Ab dem kommenden Jahr wird er seine Arbeitsstelle an einer Dresdner Klinik von 100 auf fünf Prozent reduzieren und in eine Leasing-Kräfte-Firma wechseln. Zu sehr habe ihn die Arbeitsbelastung ausgelaugt, gerade in der Pandemie, sagt Nico: "Man ist für ein Dreivierteljahr acht Stunden pro Tag nur am Rammeln gewesen. Ganz oft so, dass man keine Pause machen konnte. Und dann sterben trotzdem so unglaublich viele Menschen."

Studie: Rund ein Drittel der Intensivbetten gesperrt

Durch den Weggang der Pflegekräfte müssen Intensivstationen nun zunehmend Intensivbetten sperren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) und der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Für die Umfrage wurden 600 Intensivmediziner zur Situation auf ihren Stationen befragt. Mit Blick auf die Ergebnisse der Studies sagt Professor Felix Walcher von der DIVI: "Ein Drittel der Intensivstationen sperren Betten quasi immer. Wegen Personalmangel sind also von zehn oder zwölf Betten zwei oder vier gesperrt. Immer."

In Sachsen ist durch den Pflegekräftemangel die Zahl der betreibbaren Intensivbetten zwischen August 2020 und dem 1. November 2021 um 345 Betten gesunken. Das zeigen die Zahlen des DIVI-Intensivregisters. In Thüringen sind im selben Zeitraum 348, in Sachsen-Anhalt 371 Betten weggefallen. Das Sozialministerium Sachsen erklärte zudem, dass 9 bis 12 Prozent des Pflegepersonals derzeit ausfielen.

Alles anzeigen

Coronavirus-Pandemie verschärft Pflegekräfte-Mangel

Die Corona-Pandemie verschärft die Situation zusätzlich, da COVID-19-Patienten besonders pflegeintensiv sein können, also eine aufwendige und engmaschige Betreuung brauchen. Wie Professor Walcher von der DIVI sagt, würden die Intensivpflegekräfte diese Betreuung gerne leisten. Doch die Masse an Patienten und die große Arbeitsbelastung sorgten bei ihnen mehr und mehr für Erschöpfung und Frust, bis hin zum Berufsausstieg.

Und diese Weggänge sind nur schwer zu ersetzen. Viele Kliniken in Mitteldeutschland haben zurzeit Stellen für Intensivpflegekräfte ausgeschrieben.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 06. November 2021 | 06:05 Uhr

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen

Mehr aus Panorama

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen

Mehr aus Deutschland

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen