Fallzahlen gestiegen Corona-Inzidenz erstmals seit Mai wieder über 100

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland hat erstmals seit Mai den Wert von 100 erreicht. Spitzenreiter ist Thüringen mit einer Inzidenz von über 200. Die deutschlandweite Hospitalisierungs-Inzidenz und die Zahl der in Kliniken eingewiesenen Covid-19-Patienten sank hingegen.

Menschen in der Einkaufsstraße und Fußgängerzone in der Innenstadt von Heidelberg.
Die Corona-Zahlen sind deutschlandweit erstmals wieder über die Marke von 100 gestiegen. Bildrechte: imago images/Ralph Peters

Die Corona-Inzidenz hat in Deutschland zum ersten Mal seit Mitte Mai wieder einen dreistelligen Wert erreicht. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte, stieg die deutschlandweite Inzidenz auf exakt 100. Am Vortag hatte die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei gut 95 gelegen, vor einer Woche bei rund 71.

Thüringen bei Inzidenz führend

Nach den aktuelleren Daten das Risklayer-Projekts am Technologieinstitut Karlsruhe liegt die deutschlandweite Inzidenz schon bei 103. Spitzenreiter bleibt demnach Thüringen mit 209 Ansteckungen je 100.000 Menschen pro Woche vor Sachsen mit 175. Sachsen-Anhalt liegt bei 98. Am besten stehen das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern da mit Werten um die 50.

Hospidalisierungsinzidenz laut RKI gesunken

Deutschlandweit wurden nach den RKI-Daten innerhalb der letzten sieben Tage 2.354 in Krankenhäuser eingewiesene Covid-19-Patienten registriert. Damit liegt die Hospitalisierungsinzidenz in Deutschland aktuell bei 2,83 (Stand: 23. Oktober 2021). Sie wäre damit im Vergleich zum Vortag (3,09) sogar gesunken.

Dieser Wert ist allerdings mit großer Vorsicht zu betrachten, da das RKI nicht den Tag der tatsächlichen Krankenhauseinweisung der betroffenen Patienten angibt, sondern den Meldetag der positiven Corona-Testung beim örtlichen Gesundheitsamt. Liegt dieser Meldetag jedoch mehr als sieben Tage zurück, fällt der Patient aus der aktuellen Hospitalisierungsinzidenz heraus.

Nach und nach werden die Angaben zwar durch das RKI nach oben korrigiert, doch liegen diese Daten dann bereits in der Vergangenheit und werden in der tagesaktuellen Betrachtung kaum mehr wahrgenommen. Durch das nachträgliche Nach-Oben-Korrigieren der Hospitalisierungsinzidenzen ist aber zu erklären, warum die Inzidenzkurve nach hinten hin tendenziell häufig abfällt. In jedem Fall dürften die tatsächlichen aktuellen Hospitalisierungsinzidenzen deutlich über den jeweiligen RKI-Zahl liegen - zumindest, was die letzten sieben Tage angeht.

Deutlicher Anstieg in Thüringen und Sachsen

Umso deutlicher ist der aktuelle Anstieg der Hospitalisierungsinzidenz in Thüringen zu bewerten. Hier steigt der Wert seit einigen Tagen stark an. Und das trotz der oben beschriebenen statistischen Besonderheit: So lag die Hospitalisierungsinzidenz laut RKI-Meldedaten im Freistaat zuletzt bei 7,97. Faktisch dürfte sie aber auch hier noch höher sein. Auch in Sachsen stiegen die Zahlen im Trend der letzten Woche stark an.

Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungsinzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit nach RKI-Angaben bei rund 15,5.

Quelle: MDR AKTUELL/dpa (asü/dni)

Dieses Thema im Programm: 23. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

4 Kommentare

DermbacherIn vor 5 Wochen

Alexander Kekulé warnt vor einer unkontrollierbaren Infektionswelle der Geimpften, falls Deutschland im Herbst alle "Maßnahmen" beenden sollte. Die Aussage des RKI, die Geimpften würden das Infektionsgeschehen nicht mehr beeinflussen, sei nicht korrekt:
"Geimpfte verhalten sich in der Regel risikobereiter, sie haben mehr Kontakte, gehen häufiger auf Konzerte und Partys. Sie werden nicht getestet und kommen auch nicht in Quarantäne. Stecken sie sich an, haben sie oft keine oder nur sehr milde Symptome, erkennen ihre Infektion also nicht oder zu spät. Deshalb rechne ich mit einer unsichtbaren Welle der Geimpften. Es ist zu befürchten, dass von dort aus Infektionen auf die derzeit 3,4 Millionen Ungeimpften ab 60 überschwappen."

DermbacherIn vor 5 Wochen

Es gibt keinen wirklichen Wissensstand zur Immunität in der Bevölkerung. Wir können die Dunkelziffer der Erkrankungen, die ja auch dazu beiträgt, nicht einschätzen, weil es dazu keine Studien gibt. Diese könne man ohne allzu großen Aufwand machen, aber der politische Wille dazu fehle und das Verständnis, wie wichtig solche Studien sind, um vorausschauend durch eine Pandemiesituation zu kommen. In vielen anderen Ländern, etwa in Skandinavien, ist diese Bereitschaft viel größer.
Folglich lässt sich auch schwer sagen, wie hoch die Impfquote sein muss, damit sich die Situation nachhaltig entspannen kann.

Hajo aus NRW vor 6 Wochen

Dieser Winter wird unter Umständen schwieriger als der bereits schwierige letzte Winter. Positiv ist, daß sich außer Kindern jeder impfen lassen kann. Problematisch für die Politik ist, daß nach anderthalb Jahren die Geduld vieler Bürger erschöpft ist und die Priorität 1 heißt "Normalität" und nicht mehr "Covidvermeidung". Viele Jüngeren/Mittelalten (wie ich) haben sich an Covid gewöhnt und sehen es als gewöhnliches Alltagsrisiko und nicht mehr als außergewöhnliches Problem wie im März 2020. Deshalb wird oft nur auf die Regeln geachtet, wenn ein Bußgeld droht. An das Risiko habe ich mich auch gewöhnt und trage die Maske entspannt unter der Nase. Man wird an der Kasse oft ermahnt und zieht sie dort klaglos hoch. Aber einkaufen war man nasenfrei. Covid ist in den Krankenhäusern nicht vorbei, aber in den Köpfen vieler. Das versteht die Politik oft noch nicht. Mit Ausnahme der VHS meide ich 3G-Kontrollen und warte bis Frühjahr 2022. Impfen ist eben Privatsache.

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