Hohe Corona-Inzidenzen Krankenhäuser in Mitteldeutschland verschieben geplante Operationen

Astrid Wulf, Moderatorin und Autorin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Planbare Operationen werden abgesagt, nur noch in dringenden Fällen wird operiert: Das kennen wir schon aus dem vergangenen Pandemiejahr – und so gehen die Krankenhäuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nun auch wieder vor. Denn die Zahl der Corona-Patienten steigt und die Kapazitäten werden eng.

Eine OP-Schwester greift nach dem OP-Besteck.
Aufgrund der vielen Corona-Neuinfektionen verschieben viele Krankenhäuser einen wesentlichen Anteil ihrer Operationen. Bildrechte: dpa

Ein täglicher Ritt auf der Rasierklinge – so beschreibt Freddy Eppacher die aktuelle Situation in den Krankenhäusern. Er ist der Geschäftsführer der Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt. Zwischen den sechs Häusern werden täglich Patienten bis zu 40 Kilometer gefahren, damit alle versorgt werden können, berichtet Eppacher: "Stand heute hätten wir rein aus dem operativen Betrieb heraus zwei Intensivbetten zur Verfügung gehabt, die wir dann auch benötigt haben im Tagesbetrieb. Natürlich fanden auch wieder Abverlegungen statt, also Leute, die die Intensivstation verlassen konnten. Das ist ein tägliches Jonglieren um einige wenige Betten herum und kurz vor der Phase, in der wir die Notfallreserve angreifen müssen."

Dann müsste Personal aus anderen Bereich abgezogen werden, um mehr Intensivbetten betreiben zu können. Die würden in den Ameos-Kliniken bisher nur von Ungeimpften belegt, erzählt der Geschäftsführer: teilweise bis zu acht Wochen. Die steigenden Inzidenzen bekämen die Krankenhäuser erst in zehn bis 14 Tagen zu spüren.

Krankenhäuser verschieben bis zu 50 Prozent aller OPs

Aus diesem Grund planen gerade viele, wenn nicht alle, Krankenhäuser in Mitteldeutschland, ob und welche Operationen sie verschieben, bestätigen MDR AKTUELL die Krankenhausgesellschaften der drei Länder. Not- und Akutfälle würden aber natürlich behandelt, sagt Dirk Burkard von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt: "Da gehören Infarkte dazu. Herzinfarkte, Schlaganfälle, Krebspatienten werden versorgt. Herz-OPs an den großen Universitätskliniken. Das kann ich nicht aufschieben. Aber wenn ich im orthopädischen Bereich eine Indikation habe, ich sage jetzt mal Knie, Hüfte, Schulter, dann kann ich schon da sagen, das kann warten."

Die Ärztinnen und Ärzte entscheiden dabei im Einzelfall. Die Uniklinik Leipzig zum Beispiel sagt ganz konkret: Wir müssen Operationen und Therapien um 30 Prozent reduzieren. Tendenz steigend. In den Oberlausitz-Kliniken (in Bautzen und Bischofswerda) musste die Zahl der möglichen Operationen um die Hälfte reduziert werden, antwortet der Ärztliche Direktor auf Anfrage von MDR AKTUELL. Auch in Chemnitz, Görlitz und Zittau werden einzelne, planbare Operationen und Behandlungen verschoben. Zum Teil werden Personal und Stationen auf Covid-Patienten umgestellt.

"Nähern uns der Überlastungssituation"

Friedrich München, Vize-Chef der Krankenhausgesellschaft in Sachsen sagt zur angespannten Lage im Freistaat: "Wir nähern uns mit hohem Tempo der Überlastungssituation. Wir müssen immer bedenken, dass wir ein sehr beanspruchtes Personal haben. Manche krank, manche Beruf gewechselt, sehr angespannt. Wir gehen davon aus, dass wir in ein zwei Wochen wirklich eine Überlastungssituation haben."

Und dann bleibe nur, bestimmte Bereiche runterzufahren und Behandlungen aufzuschieben. Denn neues Personal gebe es nicht. Der Knackpunkt auch für Rainer Poniewaß, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft in Thüringen: "Der Engpass-Faktor, nicht nur in Thüringen und das darf man nicht verkennen, ist, dass das Personal, das durch die ersten drei Wellen große und gute Arbeit geleistet hat, jetzt kräftetechnisch stark aufgezehrt ist. Und deshalb ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung auch für eine Impfung entscheidet, eine Booster-Impfung macht."

Denn das sei auch eine Solidaritätsbekundung für die Pfleger und Ärzte, die seit Monaten tagtäglich ihr Bestes geben, um die Corona-Patienten zu behandeln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. November 2021 | 06:06 Uhr

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