Hörer machen Programm Kreuzimpfung: "Das Beste aus beiden Impfwelten"

MDR-AKTUELL-Hörer Martin Diestelhorst fragt sich, warum man nach einem Vektor-Impfstoff mit einem mRNA-Impfstoff boostern sollte, um die Immunität gegen das Coronavirus zu sichern. Zwei Wissenschaftler geben Antworten, warum eine solche Kreuimpfung sinnvoll ist.

Originale Impfstoff-Phiolen.
Gegen das Coronavirus gibt es mehrere Impfstoffe. Bildrechte: imago images/Beautiful Sports

Grundsätzlich haben sowohl Vektor- als auch mRNA-Impfstoffe das gleiche Ziel. Sie sollen die Erbinformation des Coronavirus über die Impfung in den Körper transportieren. Unterschiedlich ist die Art des Transports. Beim Vektorimpfstoff wird das Genmaterial des Sars-Cov-2-Erregers in ein für den Menschen ungefährliches Virus eingebaut. Im mRNA-Impfstoff wird der genetische Bauplan in eine Hülle aus Fetten, sogenannte Nanopartikel eingepackt.

Vektorimpfstoffe seien Auslaufmodelle in Deutschland, sagt der Virologe und Epidemiologe Prof. Alexander Kekulé im MDR Podcast: "Ja, das ist eine Brückentechnologie gewesen. Das kann man nicht anders sagen. Es kann ja auch keiner behaupten, dass wir die moderne Industrialisierung hinbekommen hätten ohne die Dampfmaschine. Aber jetzt haben wir einfach etwas Besseres." Damit meint der Virologe die mRNA-Impfstoffe.

Zufallsentdeckung aufgrund Nebenwirkungen bei Astrazeneca

Mit Blick auf Johnson & Johnson ergänzt Kekulé: "Bei Johnson & Johnson war es zunächst so, dass eine Impfung eben ausgereicht hat. Das war also mehr oder minder ein Zufallsprodukt mit der Einmal-Impfung. Doch es war jetzt zu erwarten, dass mit der Delta-Variante sozusagen dieser Vorteil ausgereizt ist." Deshalb sei später eine weitere Dosis mit diesem Impfstoff empfohlen worden, um die Wirksamkeit zu erhöhen, erklärt der Virologe.

Der bessere Effekt der Kreuzimpfungen wurde durch Zufall entdeckt, als man den Vektorimpfstoff Astrazeneca aufgrund schwerer Nebenwirkungen bei den unter 60-Jährigen absetzte und die Menschen als Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff bekommen haben.

Bessere Immunantworten

Das fanden auch Forscher der Universität des Saarlands durch eigene Untersuchungen mit 216 Testpersonen heraus. Die wichtigste Erkenntnis für Prof. Martina Sester, die an der Studie beteiligt war, ist "dass wir dort eine sehr deutliche Immunantwort gesehen haben. Wir haben beobachtet, dass wenn man zum ersten Mal mit einen Vektor-Impfstoff konfrontiert wird, man mehr T-Zellen bildet als durch eine mRNA-Impfung." Bei der mRNA-Impfung sei es genau umgekehrt. Dort wären es weniger T-Zellen und mehr Antikörper.

Die Kreuzimpfung habe besser abgeschnitten als eine zweifache Vektorimpfung oder eine doppelte mRNA-Impfung. Sie würde das Beste aus beiden Impfwelten vereinen, sagt die Medizinerin. Eine besonders gute T-Zell-Antwort und eine gute Antikörperantwort.

Reihenfolge bei Impfstoff-Kombination wichtig

Umgekehrt sei die Kreuzimpfung aber nicht möglich, also zuerst mRNA- und dann Vektorimpfstoff. Diese Reihenfolge empfiehlt auch das RKI auf seiner Webseite ausdrücklich nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2021 | 06:54 Uhr

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