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Glück ist in Corona-Zeiten ein rares Gut. Da kann die Begegnung mit einem Schornsteinfeger nicht schaden. Bildrechte: dpa

"Glücksatlas 2021"Corona lässt Lebenszufriedenheit der Deutschen auf Rekordtief sinken

von MDR AKTUELL

Stand: 10. November 2021, 19:52 Uhr

Die Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen hat den Menschen in Deutschland heftig aufs Gemüt geschlagen. Laut dem "Glücksatlas 2021" sank die Lebenszufriedenheit der Deutschen auf einen historischen Tiefststand. Je härter Lockdowns und Verbote waren, desto mehr sank die Stimmung. Vor allem Familien traf es hart. Mit zu den Glücklichsten gehören die Sachsen-Anhalter. Zum "Gamechanger" in Sachen "Glücksniveau" wurde laut Umfrage die Covid-Impfung.

Die Corona-Krise hat die Lebenszufriedenheit der Deutschen einer Umfrage zufolge auf einen historischen Tiefststand gedrückt. Im neuen "Glücksatlas" wird das deutsche "Glücksniveau" 2021 nur noch mit 6,58 Punkten angegeben. Das ist weniger als im ersten Corona-Jahr 2020 (6,74 Punkte) und der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984.

Der bisherige Tiefstwert war mit 6,65 Punkten im Jahr 2004 erreicht worden, einem Jahr mit hoher Arbeitslosigkeit. Vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 hatten die Deutschen ihre Lebenszufriedenheit im Schnitt noch mit 7,14 Punkten angegeben, was ein Rekordwert war.

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Die Befragungen zum "Glücksatlas 2021" fanden zwischen Januar und Juni 2021 statt, also in einer Phase mit einem Lockdown, aber auch mit Lockerungen und steigenden Impfzahlen.

Glücksniveau an Corona-Maßnahmen gekoppelt

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Zufriedenheit der Deutschen und die Pandemie eng miteinander verknüpft sind: "Je höher die Infektionszahlen und je strikter die Maßnahmen, desto niedriger das Glücksniveau." Angesichts der Einschnitte erscheine der gefühlte Glücksverlust 2021 sogar noch "eher glimpflich", bilanziert Studienleiter Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg.

Die größte Unzufriedenheit haben die insgesamt doch eher überzogenen Lockdowns verursacht, den größten Schub an Zufriedenheit und Zuversicht brachte dann die Impfung.

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Uni Freiburg | Deutsche Presse-Agentur

Familien besonders belastet

Besonders deutlich nahm die Zufriedenheit mit der eigenen Freizeitgestaltung ab. Sie stürzte von 7,21 Punkten vor der Pandemie auf nunmehr 5,0 Punkte ab. Die Zufriedenheit mit dem Familienleben sank um 0,8 Punkte. Laut den Autoren des "Glücksatlas 2021" stellten vor allem die wiederholten Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten für Familien eine Belastung dar.

In normalen Zeiten sind Kinder Glücksbringer. In Corona-Zeiten kosten Kinder im Grundschulalter ihre Eltern im Durchschnitt 0,21 Zufriedenheitspunkte.

"Glücksatlas 2021"

Beamte am zufriedensten

Auch je nach Berufsgruppen und Geschlecht gab es unter Corona-Bedingungen Unterschiede: Die Glücklichsten in der Pandemie blieben Beamte mit 7,02 Punkten. Frauen waren mit 6,56 Punkten in der Corona-Krise unzufriedener mit ihrem Leben als Männer mit 6,72 Punkten.

Sachsen-Anhalter mit am glücklichsten

Die glücklichsten Deutschen verortet der "Glücksatlas" 2021 mit jeweils 6,78 Punkten in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Die Sachsen-Anhalter, die vor der Pandemie noch auf Rang 13 lagen, seien durch Corona allerdings nicht glücklicher geworden. Ihr "Glücksniveau" sei nur weniger stark abgesackt als anderswo, so die Autoren.

Dem "Glücksatlas" zufolge glichen sich West- und Ostdeutsche in Sachen Glück nahezu an. Demnach lag die Lebenszufriedenheit im Westen in der ersten Jahreshälfte 2021 bei 6,61 und im Osten bei 6,51 Punkten. Während das für Westdeutsche ein Allzeittief sei, bedeute es für Ostdeutsche lediglich einen Rückfall auf das Niveau von 2008.

Impfung als "Gamechanger"

Als "Gamechanger" bezeichnet der neue "Glücksatlas" die Covid-19-Impfung. Sie habe im Befragungszeitraum bis Juni 2021 bei Geimpften einen "deutlichen Glücksschub" ausgelöst und die Lebenszufriedenheit im Schnitt um 0,52 Punkte angehoben. Die gefühlte Belastung aufgrund der Corona-Krise sei dabei gesunken.

Bei Impfunwilligen sei es dagegen umgekehrt gewesen. "Wer nicht geimpft werden möchte, ist mit seinem Leben um 0,62 Punkte unglücklicher als der Durchschnitt der Bevölkerung", so die Autoren des "Glücksatlas 2021".

"Glücksatlas 2021" basiert auf Allensbach-UmfrageDer im Auftrag der Deutschen Post ermittelte "Glücksatlas 2021" basiert im Kern auf einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach mit mehr als 8.400 Teilnehmern. Die Befragten wurden darin unter anderem gebeten, ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von "0" bis "10" anzugeben. Die "0" satand dabei für "überhaupt nicht zufrieden" und die "10" für "völlig zufrieden".

Quelle: MDR AKTUELL/dpa, AFP (dni)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2021 | 10:30 Uhr