Gelockerte Corona-Regeln Partys im Park: Probleme mit Lärm und Krawallen

Nach Monaten des Corona-Lockdowns drängen die Menschen ins Freie. Das bringt Probleme mit sich: Anwohner beschweren sich über den Lärm und auf Einsätze der Polizei reagieren manche Feiernde mit Randalen.

Zahlreiche Menschen entspannen und grillen bei sonnigen Wetter im Mauerpark.
Der Mauerpark ist für viele Berliner ein beliebter Treffpunkt. Bildrechte: dpa

Egal ob in Berlin, Hamburg oder Jena – bei den hohen Temperaturen und nach monatelanger Entbehrung zieht es die Menschen raus in die Parks. Das ist erstmal kein Problem – solange die geltenden Corona-Regeln eingehalten werden: In Berlin sollen sich bei der aktuellen 7-Tages-Inzidenz von unter 20 nicht mehr als zehn Erwachsene draußen treffen. "Wir haben Verständnis für laue Sommerabende in einladenden Parks", twitterte die Berliner Polizei am vergangenen Samstag, "aber nicht für laut und eng die Nacht durchfeiernde Gruppen, die Einsatzkräfte angreifen und mit Flaschen bewerfen, wenn die den Anwohnenden ihre berechtigte Ruhe verschaffen wollen."

Polizei muss in vielen Städten eingreifen

Genau dazu war es am Wochenende aber gekommen: Rund 1.500 Menschen feierten Freitag- und Samstagnacht in einem Berliner Park, beide Male wurde die Party von der Polizei aufgelöst. An einem Abend sei es dabei zu Gewalt gekommen, sagte eine Sprecherin der Polizei. Beamte seien von den Feiernden angegriffen und mit Flaschen beworfen worden. Zudem hätte die Polizei einige Unwillige förmlich aus dem Park schieben müssen.

Auch in Stuttgart, Nürnberg, München, Regensburg, Münster, Düsseldorf und Köln sind in den letzten Wochen Beamte verletzt oder angegriffen worden. "Die Aggressivität und Respektlosigkeit gegenüber den Kollegen des Ordnungsdienstes und der Polizei hat mich tief erschüttert", sagt Andrea Blome, Leiterin des Krisenstabs der Stadt Köln.

Nach dem Wochenende wurde aus zahlreichen anderen Städten von großen Partys in Parks berichtet, die aber größtenteils friedlich verliefen. In Jena waren im städtischen Paradiespark am Wochenende knapp 2.000 Menschen zusammengekommen. Ein Beamter wurde mit einer Flasche beworfen und dabei verletzt. In der Saalestadt waren es aber vor allem große Musik- und Bassboxen, die Anwohner und angrenzende Hotels verärgerten und selbst in entfernteren Stadtteilen noch zu hören waren.

Auch auf der Leipziger Sachsenbrücke feierten vergangenen Samstag mehr als 1.000 Menschen – ein paar von ihnen griffen einen Rettungswagen im Einsatz an, beschmierten ihn mit Graffiti und warfen mit Flaschen.

Menschen in Sachsen-Anhalt lassen es ruhig angehen

In Sachsen-Anhalt hingegen sinkt vielerorts die Zahl der Verstöße gegen die Corona-Regeln. Krawalle und Lärmbelästigung durch ausschweifende Partys wurden nur vereinzelt registriert. Das zeigt eine Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bei den Stadtverwaltungen und Polizeiinspektionen in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau. In keiner dieser Städte hat die Polizei in der vergangenen Woche Verstöße gegen die Corona-Regeln festgestellt. Die Zahl der Einsätze wegen Ruhestörung und Krawallen, etwa durch ausschweifende Partys, ist trotz Lockerung der Corona-Regeln nicht gestiegen.

Alkoholverbot und Sperrzonen: Städte ziehen Konsequenzen

Die Städte, in denen es in den letzten Wochen zu Randalen und Ruhestörungen durch Feiernde gekommen ist, ziehen Konsequenzen – und reagieren mit einem Alkoholverbot. So darf an Hotspots wie dem Münchner Gärtnerplatz oder dem Hamburger Schanzenviertel in den Abend- und Nachtstunden weiterhin kein Alkohol getrunken werden. Auch in anderen Großstädten gilt ein Alkoholverbot im Innenstadtbereich. In Regensburg und Würzburg ist das Betreten von bestimmten Orten und beliebten Treffpunkten nachts sogar gänzlich verboten. In Jena wird abends an den Parkeingängen stichprobenweise kontrolliert, um große Musik- oder Bassboxen herauszufiltern.

Doch wie hilfreich sind diese Maßnahmen? "Solange die Clubs und Diskotheken geschlossen sind, wird der Druck auf den öffentlichen Raum gerade bei gutem Wetter steigen", warnt der Nürnberger Stadtrechtsdirektor Olaf Kuch. Und so arbeitet beispielsweise die Leipziger Stadtratsfraktion der Grünen daran, gemeinsam mit der Szene Flächen zu finden, die sich für Spontanpartys und nicht-kommerzielle Open Airs im öffentlichen Raum eignen und entsprechende Auflagen dafür festzuhalten.

Corona-konform feiern geht das?

Auch die Berliner Kulturverwaltung und Clubszene denken über andere Lösungen nach. Am Sonntag gab es das Pilotprojekt "Open Air": 300 Freiwillige, die getestet, geimpft oder genesen waren, durften in einem Berliner Technoclub tanzen – mit Maske und Chips, die Abstände messen. An der Auswertung sind auch Berliner Hochschulen beteiligt. Zehn Tage nach der Party sollen alle Teilnehmer noch einmal getestet werden, erläuterte eine Clubsprecherin.

Ein ähnliches Projekt gab es am Wochenende auch in Leipzig: Unter strengen Vorgaben konnte im Technoclub Distillery sogar ohne Maske getanzt werden. Auch in anderen Städten laufen Versuche zur Wiedereröffnung der Clubs.

Quelle: MDR AKTUELL

17 Kommentare

Elber vor 22 Wochen

Die Corona-Problematik ist für mich nur eine Seite des Problems. Als Anwohner des Alaunparks in Dresden ist es für mich vor allem die inzwischen allnächtliche Lärmbelästigung durch Bassboxen und gröhlende Teenies, die diese Situation unerträglich macht. Diese dauerhafte Beschallung und der daraus resultierende Schlafentzug stellt auch ohne Virus ein nicht unerhebliches Gesundheitsproblem für die Anwohner dar. Seitens der Stadt gibt's jedenfalls keine Hilfe oder Unterstützung. Das Ordnungsamt ist nachts scheinbar chronisch unterbesetzt (tagsüber geht's eigentlich, wenn man sich die Knöllchen-Streifen rund um den A-Park ansieht) und reicht Beschwerden an die Polizei weiter - bei der aber wohl auch die gleiche Problematik besteht. Ein Betriebsverbot dieser Lärmboxen in der Öffentlichkeit ab 22 Uhr wäre aus meiner Sicht ein Segen. Aber das ist eben nur die Sicht eines lärmgeplagten Anwohners und kaum umsetzbar...ich weiß.

Hoyamambayawacka vor 23 Wochen

NULL Toleranz - Delta breitet sich aus - erst Dresdner Studenten, Schule + Kita und seit heute in Jena - schlimm wird' wenn alle im Sommer bei der Affen-Hitze um die 40°C zu hause bleiben müssen

Dietmar vor 23 Wochen

Hm Critica, dann mal Butter bei die Fische, es gab viel Zuviel Tote ob nun an oder mit ist egal. Diese Haarspalterei ist gegenüber den Verstorbenen und Hinterbliebenen respektlos.

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