Neue Studie zu Corona Omikron BA.2: Jeglicher Schutz deutlich gesunken

Über 60 Prozent der Corona-Infektionen gehen auf Omikron-Subtyp BA.2 zurück. Nach einer neuen Studie ist der Immunschutz nach Genesung, Grundimmunisierung und Booster viel geringer als bei früheren Mutationen.

Schutzmaske mit Schild und Aufschrift Omikron Subtyp BA.2
Omikron Subtyp BA.2 ist viel leichter übertragbar als Vorgänger-Mutationen. Bildrechte: IMAGO/Christian Ohde

Anteil an Corona-Infektionen mit Omikron-Subtyp BA.2 bei 62 Prozent

Omikron-Subtyp BA.2 heißt die derzeit vorherrschende Corona-Variante. Der Anteil dieser Sublinie von Omikron wurde im letztem Corona-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts mit 62% beziffert. Gegen den Subtyp BA.2 bieten sowohl die Schutzimpfung als auch eine überstandene Covid-Erkrankung viel weniger Schutz, als das bei anderen Varianten von SARS-CoV-2, wie Wissenschaftler aus Doha im Emirat Katar in einer ersten Studie festgestellt haben.

Weniger Schutz nach Genesung, Grundimmunisierung und Booster

Dr. Laith Jamal Abu-Raddad vom Weill Cornell Medical College in Doha/Katar hat die Daten der knapp 2,5 Millionen Einwohner Katars ausgewertet. Er fand heraus, dass bei Grundimmunisierten (zwei Impfungen) der Impfschutz gegen BA.2 lediglich bei 52% Effektivität in den ersten drei Monaten liegt. Danach sinke er auf zehn Prozent.

Mit dem Booster (drei Impfungen) ging das Schutzlevel schnell wieder hoch auf rund 44 Prozent, aber auch hier sank die Effektivität wieder nach bereits einem Monat. Zum Vergleich: Gegen das Delta-Virus geht das Robert Koch-Institut von einer Impf-Effektivität von 75% in den ersten drei Monaten aus.

Auch eine überstandene Covid-Erkrankung bietet weniger Schutz gegen eine Ansteckung, als bei früheren Mutationen: War man gegen die Deltavariante als Genesener noch zu 91,9% immun, so ist man es gegen die Omikronvariante laut der Studie nur noch zu 55,9%.

 Dr. Laith Jamal Abu-Raddad
Dr. Laith Jamal Abu-Raddad forscht am Weill Cornell Medical College in Doha/Katar. Bildrechte: Weill Cornell Medicine-Qatar

Mediziner: "BA.2 scheint bei Geboosterten überrepräsentiert"

Fraglich ist derzeit noch, wie der Virus-Subtyp die Körper-Schutzmechanismen umgeht. Dr. Stephan Borte, Chefarzt im medizinischen Zentrallabor des St. Georg-Klinikums Leipzig sagte zu Hauptsache Gesund: "Die BA.2 Sublinie wird auch in unseren Untersuchungen zunehmend identifiziert und scheint die ursprüngliche Omikron-Variante aktuell zu verdrängen. Ähnliches ist bereits in Dänemark beobachtet worden, wo die Zahl der Geimpften und Geboosterten besonders hoch ist. Die BA.2 Variante hat sich durch Veränderungen so angepasst, dass sie bei den Geboosterten überrepräsentiert zu sein scheint. Noch ist nicht völlig klar, welcher Mechanismus das Immunsystem dabei 'austrickst'.“

Heißt also: Die Wahrscheinlichkeit, sich trotz Impfung oder Genesenem-Status mit dem Corona-Virus anzustecken, ist derzeit so hoch wie noch nie. Ein Trend, den auch Hauptsache Gesund-Moderator Dr. Carsten Lekutat aus seinem Alltag als Hausarzt berichtet: "Wir verzeichnen in den letzten Tagen einen deutlichen Anstieg. Eigentlich beschäftigen wir uns mit fast nichts anderem mehr, als mit Corona. Und bei uns gibt es derzeit ausschließlich Omikron-Infektionen."

Corona-Impfung bei Omikron-Subtyp BA.2 mit hohem Schutz vor schweren Verläufen

Dr. Abu-Raddad vom Weill Cornell Medical College in Doha/Katar wirbt weiter für das Impfen. Man könne sich zwar recht wahrscheinlich auch nach einer Impfung mit Omikron anstecken, der Schutz vor schwerer Krankheit und Tod liege aber nach der Grundimmunisierung bei 80% und nach der Booster-Impfung bei über 90%. In einem Interview mit der Zeitung "The Peninsula" aus Katar sagte er: "Auch Personen mit vorheriger Infektion mit COVID-19 sind besser vor der Omikron-Variante geschützt. Obwohl sie die Möglichkeit haben, die Infektion zu bekommen, wird sie milder verlaufen mit einer um 90% geringeren Wahrscheinlichkeit, dass sie in einem Krankenhaus enden."

Die Studie von Dr. Laith Jamal Abu-Raddad ist kürzlich im renommierten The New England Journal of Medicine veröffentlicht worden und kann hier nachgelesen werden. Von unabhängiger Seite begutachtet wurde sie allerdings noch nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. März 2022 | 21:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Eine Frau hält in einem Fahrradabteil ein 9-Euro-Ticket. 3 min
Bildrechte: IMAGO / Kirchner-Media

Mehr aus Deutschland

Mehrere Körbe Erdbeeren liegen auf einem Tresen. 4 min
Bildrechte: MDR/Carolin Büscher
Karl Lauterbach (Bundesminister für Gesundheit, SPD) und Marco Buschmann (Bundesminister der Justiz) mit FFP2-Masken bei Plenarsitzung im Bundestag 3 min
Bildrechte: IMAGO / Christian Spicker